Vol. 15, Nr. 43 , 25. Oktober 2001
Jenseits des Afghanistan-Krieges:
Hintergrund des Mordes an Gen. Ze'evi
Am 12.10. warnte Lyndon LaRouche: "Mit dem
gegenwärtigen Zustand wachsender Spannungen zwischen der
Bush-Administration in den USA und der Führungsspitze des
israelischen Militärs hat die Weltlage den leicht entflammbaren
Zustand erreicht, wo so etwas wie das alte ,Syndrom des
abtrünnigen Verbündeten' aus den 70er Jahren als nicht mehr
unwahrscheinlich angesehen werden muß." Diese Warnung bezieht
sich auf das Mitte der 70er Jahre befürchtete Szenario, daß
Israel mit seinen Streitkräften oder mit "Sondereinsätzen"
gegen seine Nachbarn vorgehe, um so seinen Verbündeten USA zu
"zwingen", gegen seinen Willen an Israels Seite im Nahen Osten
Krieg zu führen.
Wenige Tage nachdem LaRouche diese Warnung publiziert hatte, wurde am 17.10. der israelische Rechtsextremist und Tourismusminister der Regierung Scharon, General (a.D.) Rehavam Ze'evi, in einem Jerusalemer Hotel ermordet. Die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) übernahm umgehend die Verantwortung für die Tat und bezeichnete diese als Racheakt für den israelischen Mord an ihrem Anführer Abu Ali Mustafa am 27. August.
In einer Stellungnahme verwies LaRouche am 20.10. auf 1. den Kontext und die charakteristischen Merkmale dieses Mordes an Ze'evi und stellte 2. die Frage Cui bono?, wem nützte dieser Mord?
Ad 1. betonte LaRouche, es wäre unverantwortlich, "die klaren Hinweise zu ignorieren, die darauf deuten, daß das israelische Militär selbst auch auf der Liste der als Urheber des Mordes Verdächtigten" stehen könnte. Er erläuterte: "Qualifizierte Sicherheitsspezialisten sind verpflichtet zu fragen, ob Ze'evi möglicherweise anstelle Scharons ermordet wurde, der schon als Ziel möglicher Mordanschläge der fanatischsten Fraktion der israelischen Militärführung galt. Angesichts der Realitäten der üblichen israelischen Sicherheitsmaßnahmen sowie Ze'evis eigener Schutzmaßnahmen könnte eine Gruppe wie die PFLP einen solchen Mord nur versucht haben, wenn sie sicher gehen konnte, daß der zu erwartende, mehrere Ebenen umfassende Sicherheitsschutz um Ze'evi außer Kraft gesetzt würde... Im Falle der beiden relevanten palästinensischen Kampfvereinigungen - PFLP und Hamas - ist die Art und Weise, wie die israelische sowie gewisse andere Regierungen beim Aufbau dieser Gruppen als Konkurrenz zu Arafats Fatah-Organisation mithalfen, typisch für die Operationen, bei denen Ariel Scharon und sein langjähriger Komplize Ze'evi aktiv mitwirkten."
Ad 2. sagte LaRouche: "Wem nützte der Mord an Ze'evi? Niemand anderem als jenem Teil der israelischen Militärführung, der fest entschlossen ist, die Bush-Administration zu zwingen, einen umfassenden Angriff auf Syrien oder den Irak zu gestatten oder selbst zu führen."
Schon Stunden nach dem Mord besetzte die israelische Armee die großen Städte der Westbank in der der Palästinensischen Autonomieverwaltung unterstehenden Zone A. Die israelische Regierung stellte der Palästinenserbehörde (PA) ein Ultimatum, die Mörder zu verhaften und auszuliefern und gegen die PFLP und andere Gruppen vorzugehen; andernfalls würde sie die PA als "terroristische Einheit" behandeln. Schon vor dem Mord an Ze'evi hatte Israel die Politik der "gezielten Morde" an Palästinenserführern ausgeweitet. PA-Präsident Arafat warnte, auch gegen ihn könne ein solcher Mordanschlag verübt werden.
Die israelischen Aktionen sind keine "emotionaler Racheakt", sondern ein nüchtern kalkulierter Schritt mit dem Ziel, die PA unter Arafat - die einzige Kraft in Palästina, die gewillt und fähig ist, einen gerechten Frieden mit Israel zu schließen - zu zerschlagen. Gleichzeitig benutzt die Regierung Scharon den Mord an Ze'evi, um potentielle neue Friedensinitiativen der USA, Rußlands und der EU zu verhindern.
...Wird Syrien das nächste Ziel?
Seit dem 11.9. drängen Elemente im US-Geheimdienstapparat,
wie z.B. Ex-CIA-Chef James Woolsey, und in der
Bush-Administration, wie der Vize-Verteidigungsminister
Paul Wolfowitz, auf einen Militärschlag gegen den
Irak. Seit dem Mord am israelischen General Ze'evi gibt es
zunehmende Anzeichen dafür, daß ein Angriff gegen Syrien
erwogen wird.
Seit Ende August und insbesondere seit dem 11.9. drohen hochrangige US-Regierungsvertreter, allen voran Vize-Verteidigungsminister Richard Armitage, der syrischen Regierung in Damaskus, weil sie angeblich mit terroristischen Gruppen zusammenarbeite bzw. diese schütze. Ein hochrangiger britischer Militärinsider erklärte dazu, der seit nunmehr drei Wochen andauernde anglo-amerikanische Krieg in Afghanistan sei nur die "Anfangsphase" des sog. "Kriegs gegen Terrorismus". "Ich glaube nicht, daß man uns sagt, was in und um Afghanistan wirklich militärisch geschieht", erklärte er. "Ich glaube, es ist ein Ablenkungsmanöver für Aktionen, die im Nahen Osten gegen Syrien und eventuell gegen den Irak geplant sind."
Er fuhr fort: "Es gibt in letzter Zeit regelmäßige Aufklärungsflüge über Syrien. Syrien entwickelt sich zu einer großen Sorge angesichts der Entwicklungen im Libanon - der Hisbollah - und der PFLP." Syrien hat im Libanon, wo die Hisbollah ihren Sitz hat, großen Einfluß, etwa 20000 syrische Soldaten sind dort stationiert. Die PFLP hat ihr Hauptquartier in Damaskus. Der Experte verwies auch auf die "neuen Enthüllungen", die im Zusammenhang mit dem Lockerbie-Anschlag erwartet werden.
Ein schottisches Gericht, das in Den Haag tagte, hatte einen Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes wegen Beteiligung an dem Bombenanschlag auf das Flugzeug Pan Am Flug 103 über dem schottischen Lockerbie verurteilt. Dabei sollte man sich daran erinnern, daß die ersten Ermittlungen zu dem Anschlag auf die Volksfront zur Befreiung Palästinas-Generalkommando (PFLP/GK) wiesen, eine Abspaltung der PFLP mit Sitz in Damaskus. Diese Spur wurde jedoch nicht weiter verfolgt, als klar wurde, daß Syrien 1990/91 Teil der "Golfkriegskoalition" unter George Bush sen. und Margaret Thatcher werden sollte. Der erwähnte Experte sagte, bei der "libyschen Spur" handele es sich um reine Erfindung, für die im wesentlichen der derzeitige FBI-Direktor Mueller verantwortlich sei. Bei der Revisionsverhandlung in Den Haag, die soeben am 15.10. begann, werde man die "libysche Spur auseinandernehmen" und statt dessen die "Syrien-Verbindung" offenlegen.
Der Experte war der Auffassung, "Blair und Bush werden sich um Syrien kümmern", während Israel sich nicht direkt an Militäraktionen beteiligen werde. Die Wahrscheinlichkeit von Militäraktionen habe durch den Mord an Gen. Ze'evi zugenommen, aber der Zeitplan stehe noch nicht fest. Ein komplizierender Faktor dabei ist wegen seiner Verbindungen zur Hisbollah der Iran. Nach Einschätzung des britischen Militärs wird man dem Problem auszuweichen versuchen, indem man es für "politisch nicht korrekt" erklärt, gegen den Iran vorzugehen. Man hoffe so "zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen" - Syrien zu treffen und den Iran zu umwerben.
Für einen Angriff auf Syrien warb der Londoner Daily Telegraph am 20.10. in einem Artikel mit der Überschrift "Syrien unterstützt Terrorismus". Dort heißt es: "Im Moment konzentrieren sich die Verbündeten darauf, Osama Bin Laden zu besiegen, während sie gleichzeitig versuchen, die Nahost-Friedensgespräche wieder zu beleben, damit die Araber in der Anti-Terrorismus-Koalition verbleiben. Wenn diese Phase einmal vorbei ist, sollte Syrien nach dem Vorbild der israelischen Forderungen an Arafat vor die Wahl gestellt werden, entweder die islamistischen Büros in Damaskus zu schließen und die libanesische Armee in den Südlibanon zu lassen, oder zum Schurkenstaat erklärt zu werden und mit militärischen Strafaktionen rechnen zu müssen."
Vol. 11, Nr. 43 , 25. Oktober 2001
Schlimmster Kollaps der US-Industrie seit 1945.
Während sich die US-Medien vornehmlich mit dem Krieg in
Afghanistan und den Milzbrand-Attacken befassen,
verschlimmert sich die Wirtschaftslage täglich. Am 16.10.
berichtete die Federal Reserve (Fed), daß ihr
Industrieproduktionsindex (IP) im September um 1%, und damit
zwölf Monate lang ununterbrochen, gefallen ist. Das hatte es
seit 1945 nicht mehr gegeben. Dieser Kollaps geht weiter, obwohl
Fed-Chef Greenspan die Zinsen dieses Jahr bereits neunmal
gesenkt hat, und auch die Steuern gesenkt wurden. Zu den
Krisenopfern gehören die bekanntesten US-Konzerne wie
Polaroid und Bethlehem Steel, die beide Vergleich
anmelden mußten. Die psychologische Wirkung dieser Pleiten
gleicht dem Bankrott der Swissair in der Schweiz.
Seit September 2000 ist der IP um 5,8% gefallen; doch gibt es im IP deutliche Unterschiede: Sein Index der Manufaktur-Produktion (MP), die 87,4% der Industrieproduktion umfaßt, fiel mit 6,7% stärker als die Produktion des Bergbaus oder der Energieversorger. Der Verfall der Industrieproduktion erfaßt alle Bereiche - von Kapitalgütern wie Industriemaschinen über Halbfertigprodukte wie z.B. Rohmetall (Stahl, Kupfer, etc.) bis zu Konsumgütern wie z.B. Kleidung. Zusätzlich hat sich die Geschwindigkeit des Kollapses im 3. Quartal gegenüber dem 2. Quartal beschleunigt: So fiel in dieser Zeit die Produktion von Halbleitern um 24,8%, von Industriemaschinen um 15,9%, und die von Textilien um 16,6%.
Hinzu kommt, daß die Statistiker der Fed den IP mit verschiedenen Methoden stark "schönen". Eine davon ist der lächerliche "Qualitätsanpassungsfaktor", mit dem angebliche "Qualitätsverbesserungen" in scheinbar höhere Produktionswerte umgerechnet werden. Laut EIR wäre ohne solche statistischen Tricks der MP wohl um ca. 9% gefallen. Würde man außerdem - und ehrlicherweise - auch den Verfall der Infrastruktur miterfassen, wären IP und MP noch viel stärker gefallen.
Auch die Konsumausgaben sind im September um 2,4% gesunken, was bedeutet, daß die Wirtschaft im 3. Quartal ebenfalls geschrumpft ist. Die Maßnahmen der letzten Monate zur "Stimulierung" der US-Wirtschaft zeigen keinerlei Wirkung, und immer mehr Amerikaner fürchten den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Laut jüngsten Umfragen halten 30% aller Beschäftigten in den USA es für "wahrscheinlich" oder "sehr wahrscheinlich", daß sie bald ihren Arbeitsplatz verlieren. Diese Furcht ist keineswegs eingebildet, wie die täglichen Meldungen über Massenentlassungen zeigen: Allein am 16.10. wurde bekanntgegeben, daß der Telecom-Konzern Sprint 10000 Jobs abbaut, das Technologie-Unternehmen TRW 1100 Arbeitsplätze im Luftfahrtbereich streicht, die Computer/Software-Firma Unisys 3000 Mitarbeiter entläßt und United Technologies, der Produzent der Pratt & Whitney-Flugzeugtriebwerke, 5000 Arbeitsplätze - d.h. 3% der Belegschaft - abbaut.
Beispielhaft für den Verfall der US-Wirtschaft ist der Vergleichsantrag, den Amerikas drittgrößter Stahlproduzent, Bethlehem Steel, am 15.10. stellte. Die 1857 gegründete Firma erzeugte den Stahl für die Golden-Gate-Brücke, war der größte Schiffbauer im Zweiten Weltkrieg und lieferte den Stahl für Amerikas ersten Flugzeugträger. Bethlehem ist die 28. Firma der US-Stahlbranche, die seit 1998 Konkursantrag stellte, wie zuvor LTV und Wheeling-Pittsburgh Steel, die noch keinen Fusionspartner gefunden haben. Zur Aufrechterhaltung des Betriebs hat Bethlehem in den letzten Monaten laufend Anlagen verkauft, und hat nun 4,5 Mrd.$ Schulden bei 4,2 Mrd.$ Vermögen. Nach dem Vergleichsantrag gewährte General Electrics Finanzsparte GE Capital einen 450-Mio.$-Kredit, um den Betrieb während des Vergleichsverfahrens oder bis zu einer Fusion bzw. Übernahme zu finanzieren. Der Präsident der Gewerkschaft der Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika (USW) Gerard sagte: "Man muß kein Raketenwissenschaftler sein, um herauszufinden, daß eine für Amerikas Sicherheit wesentliche Industrie sich zu Tode bluten wird, wenn Washington nicht handelt."
Milzbrand: Psychokrieg gegen die US-Bevölkerung.
Innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntwerden der ersten
Milzbrand-Infektionen in Florida wurden Umschläge mit
Milzbrandsporen zunächst an Büros der großen Fernsehsender
ABC, NBC und CBS und dann an den
Mehrheitsführer im Senat Daschle geschickt. Die Eskalation
der Ziele und die entsprechende Horrorpropaganda der Medien
haben die Bevölkerung in Panik versetzt, so daß jetzt viele
Menschen glauben, "jeder" könne getroffen werden.
Nach unverantwortlichen Äußerungen des Repräsentantenhaus-Sprechers Hastert, das Belüftungssystem des Kongresses sei verseucht, und von Senator Lieberman, es bestehe akute Infektionsgefahr, wurde die beispiellose Entscheidung getroffen, das Repräsentantenhaus für fünf Tage, bis zum 23.10., zu schließen - zu einem Zeitpunkt, da der Krieg in Afghanistan eskaliert, Präsident Bush sich außer Landes - auf dem APEC-Gipfel in Shanghai - befindet und keiner der angeblichen Täter der Anschläge vom 11.9. gefaßt ist. Außerdem, so führende Politiker, gibt es keine Hinweise darauf, daß die Milzbrandanschläge von Osama bin Laden oder der Al-Qaida-Organisation ausgehen.
Was sind die Fakten? Drei Personen, davon zwei Postangestelte in Washington, die Milzbrand-Sporen eingeatmet hatten, sind gestorben. Vier oder fünf andere sind erkrnakt und wurden erfolgreich mit Antibiotika behandelt. 30 Personen wurden durch den Brief an Daschle kontaminiert, ohne jedoch infiziert zu werden, und erhielten vorsorglich Antibiotika. Generalmajor Parker, der Leiter der medizinischen Forschungslabors der US-Army in Fort Detrick, erklärte, das, was man in Daschles Büro gefunden habe, sei "ein weit verbreiteter Bazillus", der weder besonders resistent noch "waffenfähig" sei. Laut FBI-Direktor Mueller gibt es keine Hinweise auf Verbindungen zum "organisierten Terrorismus". Das in Florida gefundene Material sei von einer Art, die man seit 1996 leicht per Internet von der American Type Culture Collection beziehen könne. Experten haben daher auf die Möglichkeit verwiesen, daß solche Kulturen auch in die Hände von Mitgliedern der Milizen oder von Fanatikern wie dem Unabomber gelangt sein könnten, der 17 Jahre lang Briefbomben verschickte, bevor er 1996 gefaßt wurde. Solche Milizgruppen mit ihrer radikal regierungs- und pressefeindlichen Ideologie könnten das Klima der Angst seit dem 11.9. ausnutzen. Der Propagandaapparat der großen Medien hat sich sofort dieser neuen Lage bemächtigt, obwohl keine ernsthafte Gefahr einer Masseninfektion besteht. Regierungsbeamte mußten am 19.10. zugeben, daß sie nicht ausschließen können, daß die Briefe von einheimischen Tätern verschickt wurden.
Einer der führenden Bioterrorismus-Experten Großbritanniens kommentierte gegenüber EIR: "Dies ist eine Fortsetzung der McVeigh-Operation", womit er auf den Milizionär hinwies, der wegen des Bombenanschlags von 1995 auf das Gebäude der Bundesbehörden in Oklahoma-City verurteilt und hingerichtet wurde. Dieser Experte betonte, jetzt entfalte sich eine "einheimische Lage in den USA. Tatsache ist, daß Al-Qaida und Bin Laden nichts damit zu tun haben, obwohl ich mir sicher bin, daß sie sich totlachen... über den Erfolg dieser Operation, die Amerika zum Stillstand gebracht hat." Er hält die Schließung des Kongresses für eine "Überreaktion" und findet auch die verbreitete Flugangst unter Amerikanern übertrieben: "Die laufen herum wie kopflose Hühner."
Eine weitere hochrangige britische Quelle äußerte gegenüber EIR: "Diese Milzbrand-Sache hat interne Ursachen; es geht um Dinge in den USA. Es gibt einige Leute oder Netzwerke in den USA, die damit alte Rechnungen begleichen." Diese Operation passe "nicht zu einer Gruppe wie der von Osama bin Laden", so der Experte, vielmehr sei es "eine politische Terrortaktik, die besser zu einer Organisation in den USA und wahrscheinlich zu solchen Vorgängen paßt, die wir beide seit dem 11.9. diskutiert haben."