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Datum: 05-03-02 21:21 ERFURTER LÜGENGEBÄUDE? von Edelmann 3.5.2002 A. Das leidige "Schlüsselthema" Auf Seite 1 der Süddeutschen Zeitung vom 27./28.04.02 wird wird entweder der Erfurter Polizeichef Grube oder (eher gemeint) Thüringens Innenstaatssekretär Scherer zitiert: "Nach dem Blutbad habe sich der 19-Jährige eingeschlossen und ´selbst hingerichtet´. " Das ist so ganz nebenbei eine dritte Variante zum Thema Schlüssel zu Raum 110 und Einschließen Roberts. Die eine der anderen Varianten verbreitete Lehrer Heise ( http://www.n-tv.de/3008200.html ): "Instinktiv habe ich dann nur noch eins getan: Ich hab' ihm mit der rechten Hand einen Stoß gegeben, so dass er regelrecht reinflog. Die Tür zugeklatscht, Schlüssel reingesteckt, zwei Mal umgedreht, Schlüssel abgezogen und bin runter ins Sekretariat gerannt. Da wollte ich meiner Schulleiterin das mitteilen." In einem am am 28.04.02 auf n-tv gesendeten Interview sagt Heise zudem sinngemäß, dass sehr viel später ein Polizist auf ihn zukam und fragte: "Wo ist er?" Heise habe geantwortet: "In Raum 110. - Ich habe den Schlüssel". Er machte dann in dem Interview eine überreichende Geste und sagte dazu, dass er dann den Schlüssel dem Polizisten gegeben habe. Diese Interview-Passage wurde zwischen 18:20 h und 18:25 h von n-tv gesendet. Die letzte Variante erzählte Polizeichef Grube auf der Presekonferenz am 28.04.02 ab 14 Uhr. Auf journalistische Nachfrage meinte er (sinngemäß): "Der Raum [110 ?] musste nicht aufgebrochen werden. Der Schlüssel steckte ja von außen. Man musste nur aufschließen." Fazit: Nun, wenn er sich "eingeschlossen hat", kann weder der Schlüssel von außen gesteckt haben noch kann Heise ihn abgezogen und deutlich später ausgehändigt haben. Je eine Version schließt die beiden anderen Versionen aus. B. Die beiden völlig unterschiedlichen Erzählungen Heises von der mutmaßlichen Begegnung mit Robert S. Die Süddeutsche Zeitung hat sich heute (02.05.02) interessanterweise bemüßigt gefühlt, auf Seite 3 das Thema der unterschiedlichen Äußerungen aufzugreifen. Auf Seite 3 bringt - so sollte man jedenfalls meinen - die SZ gerne überdurchschnittlich gründlich recherchierte Hitnergrundartikel. Doch diesmal wird den Lesern viel eher Sand in die Augen gestreut. Wie ich darauf komme? Lesen Sie zunächst selbst: "Der Geschichtslehrer Rainer Heise hatte den Amokläufer Robert Steinhäuser gestoppt, er hatte ihm in die Augen gesehen und Steinhäuser hatte die Waffe sinken lassen. In einem Fernsehbeitrag hat Heise erzählt, dass Steinhäuser die Waffe abgelegt hatte, kurz nachdem er sagte, "Für heute reicht's." Und dass er, Rainer Heise, sie ihm dann doch mitgegeben habe in das Zimmer, in das er ihn einsperrte und in dem sich Steinhäuser später erschoss. In anderen Beiträgen kommt die Szene nicht vor. Vielleicht hat man sie herausgeschnitten, Rainer Heise hat viele Interviews gegeben." Tja, alles an Vorbehalten gegen den Inhalt der Aussagen Heises löst sich also scheinbar, dank der "aufklärerischen" SZ, in Wohlgefallen auf. Bei nochmaligem Lesen wird dann jedoch klar, dass hier unbelegte Behauptungen aufgestellt werden, und sehr wahrscheinlich auch unwahre. Die SZ behauptet nämlich nichts anderres, als dass es ein Fernsehinterview gäbe, in welchem Version A und B Heises zu einer verwoben wären. Er solle in einem einzigen Interview geschildert haben, Robert hätte gesagt "Für heute reicht´s" (Version A) und auch, Steinhäuser habe die Waffe abgelegt, Heise habe ihn aber aufgefordert diese mitzunehmen, usw. (Version B). Tja, ich habe viele Interviews und Auschnitte davon gesehen. Doch so etwas fand sich darunter nicht. Die SZ sagt ja auffälligerweise auch nur lapidar "In einem Fernsehinterview". Keinerlei Angaben über den Sendetag, über die Sendeuhrzeit oder über den Sender (ARD, ZDF, n-tv, ...). Der Verfasser des SZ-Artikel ergeht sich dann in banalen Mutmaßungen: VIELLEICHT habe man sie - bestimmte Szenen - herausgeschnitten. Vielleicht? Aha, ist ja unglaublich professionell recherchiert, liebe Süddeutsche! Nun, das Version B Interview, welches (z.B.) am 28.04.02 um 15:30 Uhr herum gesendet wurde, weist meines Erachtens keinerlei Schnitt in den entscheidenden Passagen auf! Hier das Transkript: "Es konnte ja sein, dass sich irgendwo jemand versteckt hat. Äh und äh da habe ich die äh-d-mm (Unruhe im Zimmer) den Schlüssel wieder reingesteckt, langsam rumgedreht, mache die Tür nur so ’n kleinen Spalt auf, da sehe ich noch nichts – ich mache die Tür so viel auf – und da steht jemand so vor mir mit der Pistole – da steht diese schwarze Gestalt vor mir. Pistole vor mir. Ich gucke, mindestens äh-ä schreckgeweitet – also erschrocken war ich. Er war aber mindestens genauso erschrocken. Ich hatte eher den Eindruck, dass er die Waffe ’n kleines Stückchen schon runter hatte. Er nimmt sie wieder hoch und ich guckte voll in ’n Rohr rein. Und in dem Moment, gleichzeitig, das lief nicht hinter’nander und neben’nander ab, hatte der die Hand am Kopf und zieht die äh Kapuze runter und in dem Moment sage ich nur noch: ‚Robert – du?’ Denn da wusste ich, es war ein ehemaliger Schüler. Der Nachname ist mir nicht eingefallen, da musste ich erst anschließend äh dann fragen, hab’ das beschrieben. Und dann, von da wusste ich auch wieder seinen Nachnamen, Steinhäuser, aber in dem Moment wusste ich nur: Robert. Und da habe ich äh gesagt: ‚Du? Hast du geschossen? Warst du das?’“ [Kleine Pause Heises] „Und dann nickt er so – einmal. Nur so ’n leichtes Annicken. Als Bejahung. Und da sage ich: ‚Was hast’n dir dabei gedacht, so geht doch das nicht. Und jetzt steht er mit einem schweißigen Kopf da. Die Stirn war feucht. Und da sage ich, Robert, bevor du hier weggehst – du kannst nicht gehen, wir müssen darüber reden. Und da sagt er so: ‚Ja Herr Heise.’ Nimmt die Pistole, legt die Pistole auf so ein äh Regal, das daneben liegt und äh – da sag ich – ich mache die Tür ein Stück weiter auf und sage: ‚Bitte.’ Und da geht er vor mir her. Ich sage, die Pistole musst du mitnehmen. Da sagt er ja, nimmt die Pistole, geht vor mir in den Raum rein und kaum hat er diese Holzschwelle betreten, da setzt der totale Verstand ein. Mit dem kannste das nicht zusammen machen. Ich hab’ ihm mit der rechten Hand einen Schubs gegeben von hinten. Und da er ja mit diesem Schubs nicht gerechnet hat, bis dahin bin ich ja ruhig und freundlich gewesen, stolperte er in den Raum rein, ich habe die Tür zugeklatscht, regelrecht zugeknallt, Schlüssel rein, zwei Mal abgeschlossen und dann bin ich runter gerannt.“ Nun, da gab es aber womöglich kein Herausschneiden von irgendetwas. Ich bemerkte jedenfalls keines. Heise hat vielmehr in aller Ruhe und mit halbwegs wohl gewählten Worten die Story zum Besten gegeben, die Kamera war immer voll auf ihn gerichtet. KEIN WORT in diesem Interview von wegen Heises heldenhafter Aufforderung "Erschieß´ mich" oder "Aber schau´ mir in die Augen!". In diesem Interview auch KEIN WORT eines Zitats von Robert á la "Für heute reicht´s, Herr Heise." Auch nicht von "Ich habe keine Lust mehr." (da diesen Satz übrigens mehr als eine Zeitung - SZ Online und FAZ.NET - quasi als Minderheit der Presselandschaft als Antwort Roberts bei Version A schrieb, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es diese Zeitungen nicht frei erfunden haben, sondern dass Heise diese weitere Variante fehlerinnert oder schlichtweg erfunden hat!) Aber für die SZ ist vermutlich damit jegliche Ungereimtheit hinsichtlich Heises wundersamer Geschichtenvariationen aus der Welt. Eine der führenden deutschen Tageszeitungen? Wirklich? Nun gut, dann sollte die SZ aber gefälligst Ross und Reiter nennen, sprich Sender und Sendetermin dieses von ihr behaupteten Interviews. ABER BITTE: Kein womöglich einstudiertes Interview Heises in der Zukunft, sondern eines mit Sendetermin zwischen dem 26.04.02 und dem 28.04.02, bestenfalls bis zum 01.05.02 (Tag des Redaktionsschlusses für den Artikel). C. Zum angeblichen EINZEL-Täter Robert S. Zitat einer Schülerin und Augenzeugin in der Süddeutschen Zeitung vom 27./28.04.02 auf Seite 3: "Das war der reinste Terror", sagt ein Mädchen leise, das die Hand seiner Mutter hält. "Die sind einfach in die Klasse gekommen und haben die Lehrer abgeknallt." … Ob sie denn den oder die Täter erkannt habe, will ein Reporter wissen. „Nee, die waren maskiert“, flüstert sie. Auf dem WEB-Archiv des ZDF gibt es ein Interview mit einem Augen- und Ohrenzeugen, dem Lehrer Andreaqs Förster. ANFANGS rannten Schüler von oben runter mit den Worten: "Da schießt jemand im oberen Flur". Später im Interview sagt er: "Also, die Schüsse generell müssen auf den oberen Etagen stattgefunden haben - so hab ich das jedenfalls gehört. Obwohl, ich - äh- dann, wo ich auf dem Schulhof war, und zurückgeschaut hab, der maskierte Täter auf dem Schulhof war. ... Und [er] hat dann noch wahllos durch die Gegend geschossen." "Der Erfurter Polizeichef Rainer Grube sagte, mehrere Schüler des Gutenberg-Gymnasiums hätten einen zweiten Täter gesehen und einen parallel verlaufenden Schusswechsel gehört." ( http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=deutschland/politik/42489 ) "Vor allem die Tatsache, dass mehrere Schüler von einem zweiten Täter sprachen, verwirrte die die Fahnder zu Beginn der Rekonstruktion. Nach diesen Aussagen soll ein Schütze im Gebäude von oben nach unten gegangen sein und der andere in umgekehrter Richtung." ( http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,193977,00.html ) Ein Radiosprecher nennt einen Schüler als mutmaßlichen Täter, der nicht zu Prüfungen zugelassen worden sein soll und nun Rache genommen habe. Später heißt es, es handele sich um zwei Täter. Doch keine Nachricht wird bestätigt. (...) War es ein zweiter Täter? Oder war es ein Mitglied des Sondereinsatzkommandos der Polizei? [eine sehr interessante Frage, die - von der FAZ mit Sicherheit unbeabsichtigt - ganz neue Perspektiven bzgl .der Tatablaufshintergründe eröffnet ;-) ] ( http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=faz/dossier_show.asp&rub={EBB25994-3BA7-4519-88C0-709FE387DDE1}&doc={F1ED7A6D-E101-4E62-AEC7-E0C312187A03} ) Die Polizei behauptet jedenfalls - im totalen Widerspruch zu sämtlichen obigen Quellen - es sei nur ein Täter, und zwar Robert S., gewesen, welcher UNTEN im Sekretariat mit seiner Bluttat begonnen habe. D. Welcher Raum war es denn, in dem Robert starb und wann starb er? Die Web-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen schreibt unter "Der Amoklauf von Erfurt" und "Erfurt, 26.04.02" unter andrem: "Gegen 13 Uhr: Im Zimmer 111 wird Robert Steinhäuser gefunden. Er hat sich offenbar mit seiner Pistole erschossen, als sich die Polizisten näherten." "Die Welt Online" meint am 26.04.02: "Sie nähern sich einem 19-jährigen Täter mit Pump-Gun, der sich beim Anblick der Beamten selbst erschießt." Auch der STERN schreibt in der Ausgabe vom 02.05.02 auf Seite 19: "Der Lehrer schubst Steinhäuser in den Raum 111 und schließt ab." Nun, Heise selbst - wie auch SPIEGEL Online - sprach aber doch von Raum 110. Wie das? Auch in der allerersten Pressekonferenz am 26.04.02 sagte der Erfurter Polizeichef Grube, dass sich der Täter selbst erschossen habe, als ich die SEK-Polizisten ihm genähert hätten. Das ist alles andere als unwichtig. Denn am Wochenende zitierte Grube dann die Obduktionsberichte, wonach Robert S. zwischen 10:58 h und 11:30 h gestorben sein müsse! Die SEK-Leute waren aber erst ab 11:43 h einsatzbereit und begannen die Durchsuchung erst um 12:00 h. Sie sollen Robert erst um etwa 13 Uhr gefunden haben. Nun, da muss er aber schon mindestens eineinhalb Stunden tot gewesen sein! Dennoch sagen sowohl Grube als auch die "FAZ.NET" oder "Die Welt online", er habe sich erschossen als sich die (SEK-)Polizisten ihm näherten. Hmm, seltsam, nicht wahr? zu ATTENTAT in Erfurt [Übersicht] |