Braunschweiger Zeitung 15.07.95

Physiker lehnt C02-Effekt als Grund für wärmere Atmoshäre ab


,,Betrug mit Treibhauseffekt"



Von Hartrnut Reichardt

Gerhard Gerlich wird Ärger ernten. Frank und frei behauptet er, der ,,Treibhauseffekt ist ein Betrug mit Worten". Dabei weiß er, daß sich diese Aussage massiv gegen den Strom der Zeit stellt. Aber der Professor für Theoretische Physik an der Technischen Universität Braunschweig legt sich trotzdem fest ,,Wenn es tatsächlich eine Temperaturerhöhung der Erdatmosphäre gibt, dann hätte sie mit einem Treibhauseffekt nichts zu tun. Der ist nur eine Behauptung."
Heiß ist es. Wir schwitzen. Unerbittlich quillt die Mittagshitze in die Wohnung von Professor Dr. Gerhard Gerlich.
Aber heiß ist es nicht nur, weil das Thermometer draußen auf 28 Grad Celsius steht und noch weiterklettern will.
Was mir den Schweiß auf die Stirn treibt, ist Gerlichs Behauptung, der Treibhauseffekt habe mit einer möglichen Temperaturerhöhung der Erdatmosphäre nichts zu tun. Physikalisch sei eine solche Behauptung mit nichts zu begründen.
Unser Gesprächspartner Gerlich ist immerhin Leiter des Instituts für Mathematische Physik an der TU Braunschweig. Vor uns auf dem Tisch breiten sich Schriften aus über ,,Prinzipien und Methoden der Theoretischen Physik". Ein im Braunschweiger Vieweg Verlag von Gerhard Gerlich veröffentlichtes Buch erklärt die mathematischen und statistischen Grundlagen der Quantentheorie.
Schon fürchte ich, von den Erklärungen des Physikers in verständnislose Zustimmung zu versinken. Auch die Hitze des Tages legt sich wie ein Schleier des Zweifels über die Absage Gerlichs an einen CO2 Treibhauseffekt.

Greenpeace per Fax

Deswegen der Sicherheitsanruf im Niedersächsischen Umweltministerium. ,,Können Sie der Redaktion bitte den Treibhauseffekt erklären?", so die besorgte Frage.
Die förmliche Antwort der Pressestelle ist nicht eine landesministerielle Ver1autbarung sondern ein gefaxter Auszug aus dem Greenpeace Report von 1991. ;,Global Warming".
Darin wird erläutert: Das Kernproblem beim "verstärkten Treibhauseffekt" ist, daß ,,wir, indem wir die Atmosphäre mit infrarotabsorbierenden Gasen anreichern, mit unserem Klima russisches Roulette spielen". Deswegen wird eine ,,drastische Einschränkung (gemeint ist CO2) Um mehr als 60 Prozent gefordert.
Genau das aber bestreitet Gerhard Gerlich. Die Anhänger des Treibhauseffektes würden ihre Sicht der Dinge an der Physik vorbei vertreten. Sie gingen davon aus, daß die Sonne tagsüber die Erde erwärmt Nachts kann sie sich aber nicht mehr abkühlen, weil die warme Erdstrahlung nicht ins All entweicht, sondern (auch) von der CO2 Schicht reflektiert werde.
Effekt: die Wärmestrahlung sitzt in der Falle, die Erdatmosphäre wird immer wärmer, die Erde steuert, so das Greenpeace-Papier aus dem Umweltministerium in Hannover, "auf einen seit Menschendenken nie dagewesenen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zu".
,,Das ist doppelter Unfug", meint Gerlich. Erste physikalische Tatsache:
Das in der prallen Sonne parkende Auto heizt sich nicht deswegen auf, weil die Wärmestrahlen die Innenluft erwärmen. Der Haupteffekt stammt von den heißen Armaturen, die die Luft darüber direkt aufheizen.
Physikalisch ist das der Unterschied zwischen dem Energietratsport durch Strahlung bzw. Konvektion. Der Ofen wärmt nicht, weil er strahlt, sondern weil er die Luft ringsum erhitzt.
Zweite physikalische Tatsache: in der Atmosphäre gibt es keine die Wärmestrahlung reflektierende Grenzfläche; C02 kann es schon deswegen nicht sein, weil es in der Luft nur mit weniger als 0,05 Prozent vertreten ist.

,,Mit Licht heizt keiner"

Gerhard Gerlich ist ungehalten über die gedankenlose Erklärung komplexer Zusammenhänge der Natur mit falsch dargestellten physikalischen Fakten. Jeder könne an seinem Auto selber feststellen, daß offene Fensterscheiben oder Verdecke für Kühlung sorgen
,,Ich kenne keinen Menschen, der sein Zimmer mit Licht heizt. Da kommen keine Effekte zustande", grollt der Wissenschaftler und hofft, daß diese Grundsätze der Physik Eingang finden in Überlegungen, Temperatureffekte unseres Klimas wissenschaftlich zu beschreiben.





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