Leserbrief - Braunschweiger Zeitung 7.7.95


Thema: Treibhauseffekt

Der Artikel über Professor Gerlichs These, der Treibhauseffekt sei ,,ein Betrug mit Worten", bedarf einer Richtigstellung. Der Treibhauseffekt entsteht, anders als im genannten Artikel beschrieben, durch die Einstrahlung des sichtbaren Anteils des Sonnenlichts, für welchen die Erdatmosphäre durchlässig erscheint. An der Erdoberfläche wird diese Sonnenstrahlung fast vollständig absorbiert Dadurch wird die Erdoberfläche erwärmt, und diese strahlt nun ihrerseits gemäß den Strahlungsgesetzen der Physik nunmehr im infraroten Spektralbereich. Für die infrarote Strahlung ist jedoch die Atmosphäre nahezu undurchlässig, weil der in ihr enthaltene Wasserdampf und das Kohlendioxid (aber auch Methan) im Infraroten breite Absorptionsbanden zeigen. Somit wird die Wärmestrahlung nicht in den Weltraum hinausgestrahlt, sondern sie bleibt in der Atmosphäre, von wo sie zum großen Teil zur Erdoberfläche zurückgestahlt wird. Auf diese Weise geht dem Erdboden nur etwa ein Drittel der absorbierten Strahlung wieder verloren. Dies ganze Phänomen wird in der Meteorologie als Glashaus- oder Treibhauswirkung bezeichnet; denn Glas ist ebenfalls für das sichtbare Sonnenlicht durchlässig, undurchlässig hingegen für die infrarote Wärmestrahlung. Mit Tag und Nacht hat dies unmittelbar nichts zu tun. Ohne die Treibhausgase (insbesondere H20, C02, aber auch CH4) würde die Temperatur der Erdoberfläche, gemittelt über alle Breiten und Jahreszeiten etwa -20oC betragen, tatsächlich aber beträgt sie +14oC.
Die Treibhausgase wie z.B. das Spurengas C02 bei weniger als 0,05 Prozent Volumenanteil, geben also einen sehr wirksamen Wärmeschutz. Hieraus wird klar, daß Veränderungen des Anteils dieser Gase in der Atmosphäre für die empfindliche Ökologie unserer Erde dramatische Folgen haben können. Dies ist ja auch Gegenstand von Warnungen aller bedeutenden Klimaforscher aus allen Ländern der Erde.
Der hier umrissene Sachverhalt ist in allen einführenden Werken in die Meteorologie und Klimatologie nachzulesen.


Prof. Dr. L. Engelhard,
Prof. Dr. K. H. Glaßmeier,
Prof. em. Dr. Dr. h.c. W. Kertz,
Prof. Dr. P. Weidelt,
alle Institut für Geophysik und
Meteorologie der TU Braunschweig






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