STRATEGIC ALERT

Deutsche Ausgabe

Vol. 15, Nr. 41 , 11. Oktober 2001


Die Überschriften diese Woche:

Eine "Leibwache der Lügen"
Britisches Establishment besorgt über "General Blair"

G-7-Volkswirtschaften von Depression getroffen
Forderungen nach staatlichen Rettungsaktionen
Der "Anti-Terror-Krieg" und die Geopolitik
Andere fundamentalistische Fanatiker
LaRouches Analyse in arabischen Medien
Eurasische Bahnverbindungen

Eine "Leibwache der Lügen"

Am 7.10. begannen die USA und Großbritannien die weithin erwarteten Militäraktionen gegen Ziele in Afghanistan. Diese Angriffe dienen vorrangig psycho-politischen Zielen. Die Botschaft an die amerikanische und weltweite Öffentlichkeit lautet, jetzt erhielten die Hintermänner der Anschläge vom 11.9. - Bin Laden und die Taliban - ihre "gerechte Strafe". Der militärische Erfolg der Angriffe auf Afghanistan ist höchst zweifelhaft. Wir warnen unsere Leser dringend zu Vorsicht gegenüber militärischen "Erfolgsmeldungen" aus Washington oder London. Es ist mehr als zweifelhaft, daß die militärische und politische Lage in Afghanistan vor dem nahen Winterausbruch "entschieden" werden kann.

Die Auswirkungen der Militäraktionen auf Pakistan, auf die zentralasiatischen Republiken sowie auf die indisch-pakistanischen Beziehungen sind unkalkulierbar. Ebenso unberechenbar ist die weitere Entwicklung im israelisch-palästinensischen Konflikt. Kaum berichtet wurde, daß auch die anglo-amerikanischen Luftangriffe auf den Irak - und zwar nicht nur gegen Luftabwehrstellungen - intensiviert wurden. Je länger der Militäreinsatz gegen Afghanistan andauert, desto mehr Spannungen wird es mit arabischen Ländern - und innerhalb dieser Länder - geben.

In Hintergrundgesprächen mit führenden britischen Strategieexperten erfuhr Strategic Alert, daß die Einschätzung dieser Experten in vieler Hinsicht mit der "offiziellen Linie" aus dem Büro des Premierministers Tony Blair nicht übereinstimmt. Ein Experte meinte lapidar, die derzeitige Version, Bin Laden sei der Schuldige, "ergibt einfach keinen Sinn". Es gebe zu viele Widersprüche hinsichtlich der "Absichten, Kapazitäten und Kommando- und Kontrollstruktur" der Anschläge. Angesichts der vielen Fragen über eine "Verschwörung" und "Komplizenschaft" von Elementen in Geheimdiensten in- und außerhalb der USA sei die behauptete Alleinverantwortung der Al-Qaida-Netzwerke "fadenscheinig".

Dennoch - so die Experten weiter - habe man aus pragmatischen Gründen auf den höchsten Ebenen des anglo-amerikanischen Establishments entschieden, um jeden Preis an der Version "es war Bin Laden" festzuhalten und eine Militäroperation gegen den Bin-Laden-Komplex durchzuführen. "Es darf einfach nicht schiefgehen", wie ein Experte sagte. Selbst wenn die Militärschläge ihren Zweck nicht erreichten, würde man sie dennoch der Öffentlichkeit als Erfolg verkaufen. Winston Churchills Konzept einer "Leibwache aus Lügen" wird bis zum Äußersten strapaziert werden - wie US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld öffentlich einräumte.

Gleichzeitig herrscht tiefe Skepsis, ob die hochgerühmte "Koalition gegen den Terrorismus" zusammengehalten werden kann. Es sei eher damit zu rechnen, daß an vielen Stellen Spannungen, Verwerfungen und Risse auftreten, u.a. von Rußland, Frankreich und den islamischen Staaten ausgehend, aber auch intern bei den Anglo-Amerikanern. Ähnliche Skepsis herrscht bezüglich der Wirtschafts- und Finanzkrise: Man ist nicht überzeugt, daß die Krise mittels "keynesianischer" Ausgaben- und Rüstungsprogramme auch nur kurzfristig eingedämmt werden kann.

Britisches Establishment besorgt über "General Blair"

Mit großem nationalem und internationalem Medienrummel verkündete der britische Premierminister Tony Blair in seiner Hauptrede auf dem diesjährigen Labour-Parteitag in Brighton die führende Rolle Großbritanniens bei der Errichtung einer "neuen Weltordnung". Bei seinem psychedelischen Auftritt stellte Blair mit großem rhetorischen Pomp den "Krieg gegen Bin Laden und die Taliban" als Ansatz zur Lösung praktisch aller Weltprobleme dar - von der "Klimaerwärmung" bis hin zum Hunger in Afrika. Gleich anschließend flog Blair nach Rußland, Pakistan und Indien, um sich in hektische diplomatische Aktivitäten zur "Stärkung der Koalition gegen den Terrorismus" zu stürzen.

Der Propagandaapparat von 10 Downing Street lancierte auch umgehend entsprechende Artikel in der britischen Presse, in denen Blair auf eine Ebene mit Winston Churchill, Lord Gladstone und ähnlichen historischen Persönlichkeiten gehoben wurde, aber schon wenige Tage später machten führende Kreise des britischen politischen Establishments ihre massive Unzufriedenheit mit dem Premierminister deutlich.

Blair befinde sich in einem Geisteszustand der "Flucht nach vorne", wurde Strategic Alert bei Hintergrundgesprächen in London berichtet, und sein großspuriges Auftreten werde sich bald als Bumerang erweisen. Die Dokumente, die Blairs Regierung als angebliche "Beweise" für die Schuld Bin Ladens vorlegte, seien "reines Hörensagen" und, so ein Insider, "ein Versuch, die Öffentlichkeit übers Ohr zu hauen".

Ähnlich äußern sich auch führende Zeitungen des Establishments. Das wichtigste Signal war die "Bagehot-Kolumne" im Economist der Woche vom 6.10.; der Kolumne - benannt nach dem einflußreichen Begründer des Economist Walter Bagehot aus viktorianischer Zeit - kommt eine besondere Bedeutung als "Trendsetter" zu.

Die Überschrift lautet "Eine Nummer zu groß", und der gehässige Untertitel "Tony Blair erklärt sich zum Weltpremierminister". Der Artikel beginnt: "Vor 14 Tagen zeigte sich Bagehot leicht alarmiert über Tony Blair", doch "jetzt besteht die Gefahr", daß sich Blair selbst als "Führer einer weltweiten Allianz des Guten gegen das Böse" sieht. Auf dem Labour-Parteitag, wo er sich lieber "faden" Dingen hätte widmen sollen, "entdeckte er etwas, was andere Menschen zuvor übersehen hatten: eine nahtlose, logische Verbindung zwischen seiner eigenen Partei, seiner eigenen Politik, seinem Amt als Premierminister und der Zukunft des Planeten Erde".

"Bagehot" zählt dann die vielen Dinge auf, die Blair in seiner Rede "versprochen" hat und kommentiert: "Das ist lächerlich. Die einzige plausible Erklärung für Mr. Blairs weltumstoßende Rede in Brighton ist, daß dem armen Mann der Krieg gegen den Terrorismus zu Kopf gestiegen ist... Mr. Blair mag den Taliban keine Angst eingeflößt haben, aber für die Briten war es eine beunruhigende Woche."

Im Spectator, einer weiteren einflußreichen Wochenzeitschrift, heißt es in der Ausgabe vom 6.10., selbst Kreise aus Blairs engerer Umgebung in der "Neuen Labour" seien über ihn entsetzt. Die Autorin Anne McElvoy, die in Brighton gewesen war, schreibt: "Das Spektakel des Kriegsführers Blair läßt allen, unabhängig von der politischen Richtung, die Haare zu Berge stehen. Ich fragte ein Mitglied des ,Schattenkabinetts', das normalerweise als loyaler Blair-Anhänger gilt, nach seiner Meinung über die Rede. Er machte rasch eine Geste des Erbrechens und murmelte: ,Sehr gung-ho.' Gung-ho ist inzwischen in und um Labour das Codewort für ,selbstherrlicher Kriegshetzer'... Ich stieß mit einem früheren Minister zusammen, der unaufgefordert zu einer langen Tirade über ,General Blair' ansetzte und mit den Worten schloß: ,Für wen hält sich dieser Arsch eigentlich?' Mein Gesprächspartner war zwar etwas betrunken, was die harsche Intensität seiner Rhetorik erklärte. Aber er hat die Stimmung in der Partei genau auf den Punkt gebracht."

Am 7.10. strahlte BBC Word Affairs ein Gespräch mit Experten für Militärfragen und Kriegspropaganda aus. Der langgediente Militärjournalist Robert Fox erklärte: "Dies einen Krieg zu nennen, ist völlig sinnlos. Es ist eine neue Theologie... Blair redet, als sei er [George] Orwells Farm der Tiere entsprungen."

Vom konservativen Daily Telegraph bis zum liberalen, Labour-nahen Guardian warfen führenden Kommentatoren Blair vor, er propagiere einen "Neokolonialismus" schlimmster Art. Minette Marrin vom Daily Telegraph nannte Blairs Rede "unverantwortliches pubertäres Geschwafel". Sein "hochgesponnenes Gerede klang wie der rüdeste neoimperialistische Kulturkolonialismus".


WASHINGTON INSIDER

Deutsche Ausgabe

Vol. 11, Nr. 41 , 11. Oktober 2001


Die Überschriften diese Woche:

US-Generalstabschefs planten 1962 Terroranschläge auf USA.
Fundamentalisten in den USA mobilisieren für den "Krieg der Zivilisationen".
Ashcroft verlangt Polizeistaatsmaßnahmen wie unter Hitler.
Kongreß diskutiert den Bau von Hochgeschwindigkeitsbahnen.

US-Generalstabschefs planten 1962 Terroranschläge auf USA.

In den USA jetzt veröffentlichte Dokumente werfen ein neues Licht auf LaRouches Analyse, daß die Anschläge vom 11.9. nicht ohne Beteiligung verbrecherischer Elemente in den USA selbst durchgeführt werden konnten. Laut diesen Dokumenten, die vor 40 Jahren hätten vernichtet werden sollen, schlug das US-Militär seinerzeit Terroranschläge vor, um die USA in einen Krieg gegen Kuba zu treiben.

Das in diesem Frühjahr erschienene Buch des Amerikaners Bamford Body of Secrets (NSA: Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt, Bertelsmann) gibt einen klinischen Einblick in die Geschichte und die inneren Mechanismen des amerikanischen Nachrichtendienstes NSA. Am alarmierendsten ist dabei die Darstellung einer Geisteshaltung, die gewissen Führungskreisen des US-Militärs bis heute eigen ist. Gestützt auf bis vor kurzem streng geheime Dokumente enthüllt Bamford, daß die amerikanischen Generalstabschefs (JCS) "vorschlugen, einen geheimen und blutigen Terrorkrieg gegen das eigene Land zu führen, um die US-Öffentlichkeit in einen schlecht durchdachten Krieg gegen Kuba zu treiben."

Bamfords Aussage bezieht sich vor allem auf den Plan Operation Northwoods, der entworfen wurde, als Präsident Kennedy nach der fehlgeschlagenen Schweinebuchtinvasion der CIA die Verantwortung für Kuba entzogen und dem Pentagon (DoD) übertragen hatte. Das DoD-Projekt (Operation Mongoose) unterstand dem CIA-Mann Lansdale - Vizedirektor des Amts für Sondereinsätze im Pentagon - , und dem obersten Generalstabschef Lemnitzer. Ziel der Operation war eine umfassende Invasion Kubas und der Sturz Castros. Zu den von Lemnitzer vorgeschlagenen Aktionen, die "einen Vorwand zur Rechtfertigung einer militärischen Intervention in Kuba liefern würden", gehörten u.a.:

  • "Eine Serie wohlkoordinierter Zwischenfälle" beim US-Stützpunkt in der Guantánamo-Bucht auf Kuba; u.a. sollten freundlich gesinnte Kubaner in kubanischen Uniformen Unruhen auf dem Stützpunkt inszenieren, Munitionsdepots in die Luft jagen, Feuer legen und Flugzeuge sabotieren.

  • Eine ähnliche Aktion wie die Explosion des Schlachtschiffs "Maine" 1898: "Wir könnten ein US-Schiff in der Guantánamo-Bucht sprengen und Kuba dafür verantwortlich machen... die Liste der Todesopfer in den US-Zeitungen würde eine hilfreiche Welle nationaler Empörung auslösen".

  • "Wir könnten eine Terrorkampagne des kommunistischen Kuba im Gebiet von Miami, anderen Städten Floridas und sogar in Washington inszenieren... die sich gegen kubanische Flüchtlinge richtet, die in den USA Schutz suchen. Wir könnten ein Schiff mit Kubanern auf dem Weg nach Florida versenken (wirklich oder simuliert); und

  • "einige Plastikbomben explodieren lassen" und kubanische Agenten verhaften sowie "Entführungsversuche gegen Zivilflugzeuge oder Fahrzeuge [inszenieren]".

  • Ein weiterer Plan sah den Abschuß eines Zivilflugzeugs im kubanischen Luftraum vor.

    Lemnitzer bat, die Verantwortung für die Operation den JCS zu übertragen, da sie "überzeugt sind, daß die USA eine Militärintervention in Kuba unternehmen können, ohne einen allgemeinen Krieg zu riskieren." Selbst nachdem Kennedy Lemnitzer als Generalstabschef gefeuert hatte, planten die JCS weitere "Vorwand"-Operationen. Die Originaldokumente, deren Vernichtung Lemnitzer befohlen hatte, wurden 1998/99 bei der Prüfung der Akten über die Ermordung Kennedys von Präsident Clintons Kommission zur Prüfung der Mordakten freigegeben. EIR hat diese Dokumente unabhängig überprüft und kann bestätigen, daß Bamfords Einschätzung, daß darin Vorschläge von US-Militärbehörden enthalten sind, Terroranschläge gegen die USA und gegen US-Militäreinrichtungen durchzuführen, keinesfalls übertrieben ist.




    [Uebersicht]
    Shades | Funny T-Shirts | Arcade Games | Internet Consulting | Information Merchant Rates