Der SPIEGEL faßt die "ernüchternde Bilanz" zusammen:
"Bei jedem zweiten von 136 Patienten, die knapp zwei Jahre Protease-Hemmer geschluckt hatten, schlug die Kombi-Therapie fehl, so das Ergebnis einer Studie von Forschern der University of California San Francisco.
Den 12000 in Genf versammelten AIDS Experten (Anmerkung d.V.: die absolute Mehrheit der Deligierten waren keine Experten, sondern Delegierte aus den weltweiten AIDS-Hilfe Organisationen und Gruppen) liegen nun erstmals auch Hinweise auf die nicht selten schweren Nebenwirkungen vor, die den Protease-Hemmem zugeschrieben werden. Seit wenigen Wochen häufen sich bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA Berichte über Patienten, die durch den lebensverlängernden Cocktail innere und äußere Schäden erleiden.
Dazu gehören anhaltende Müdigkeit, Durchfall und Blutarmut, neuerdings aber auch bizarr anmutende Verunstaltungen. So bildeten sich bei vielen Patienten, die über Monate hinweg die strengen Einnahmevorschriften der Cocktail-Therapie befolgt hatten, an Rücken und Nacken dicke Fettpolster. Zwar waren die ,,Büffelhöcker" (Medizinerjargon) gutartig, doch bei einigen Kranken verlagerten sich die Wülste, sie wanderten bis zum Kinn und schränkten die Bewegungsfreiheit des Kopfes ein.
Bei anderen Patienten, denen der Protease-Hemmer Indinavir (Markenname: ,,Crixivan") verordnet wurde, sammelten sich die Fettpolster an Bauch und Hüften. Zugleich magerten die Kranken an Armen und Beinen bis auf die Knochen ab. Beim Blick in den Spiegel befand ein betroffener Brite: ,,Ich sehe aus wie ein Biafra-Kind." In seiner Nebenwirkungsmeldung an die FDA verglich ein US-Arzt das Aussehen von drei HIV-Patientinnen, denen er einen ,,Crixibauch" und ,,Storchenstelzenbeine" zuschrieb, mit einem ,,Bratapfel mit durchgestecktem Holzstock vom Jahrmarkt". (Anmerkung d.V.: jetzt versteh ich endlich, die Bedeutung des Werbeslogans von GlaxoWellcome "Mut zur Therapie")
Selbst solche in den meisten Fällen lebensverlängernden, aber zugleich mit schweren Nebenwirkungen behafteten Medikamente sind für 90 Prozent aller HIV-Infizierten und Aids-Kranken unerschwinglich. Das Thema der Genfer Tagung:,,Die Kluft überbrücken") ...."
Bleiben wir bei diesem Slogan. Wurde denn die "Kluft überbrückt"? Auf dem Kongress nicht mal im Ansatz und vor dem Kongress tiefgreifend und leidenschaftlich.
Die aus der sogenannten dritten Welt angekarrten Delegierten, durften die teueren Medikamentenkonzepte auch mal beschnuppern - aber es wurde ihnen schnell bewußt, daß eine Konzeption auf dieser Basis indiskutabel war. Ist nun eine spezielle Konzeption für Arme sinnvoll? Z.B. AZT/Retrovir?
Vor dem Kongress gab es jedenfalls zahlreiche erregte Diskussionen, zumeist angeregt von Leuten, die gerade die AIDS-Medikation heftig kritisierten, und die sich oftmals als Langzeitpositive outeten: "All my friends have died, I am the only one who survived. And I never took any drugs, expecially AZT! Twelve years ago I got my positive test."
Die Aussagen waren plakativ, radikal und aggressiv gegen die AIDS-Experten gerichtet.
Da gab es einen Hungersreik von einer spanischen Gruppe, in deren Mittelpunkt ein ungewöhnlich liebenswerte Frau stand, die ihren Test als 18jährige erhalten hat.
"Wo ist der Beweiß, daß HIV existiert?", stand auf dem Transparent.
Die Experten würden darüber lachen. Doch die Frage ist vielmehr: "Wo ist der Beweiß, daß ich, das fröhliche Mädchen aus einem südeuropäischen Dorf, bald sterben werde?"
Und um all diese Menschen standen die Delegierten aus Indonesien, Uganda und weiß der Himmel aus was für Ländern sonst noch.
Auch ich habe mich eingemischt, denn ich wußte zumindest von einem, der AIDS überwunden hat:
Hier ein Auszug aus dem Orginaltext "The Berlin-Patient" aus der New York Times, June 21, 1998, Sunday, und es lohnt sich die englischsprachigen Sätze durchzulesen:
"The source of all this excitement is a young German man who became
infected with the AIDS virus just over two years ago and quickly started
taking a combination of anti-H.I.V. drugs. After just six months of
therapy, however, he ignored the advice of his doctor and stopped taking
the drugs. When that happens, the virus ordinarily comes roaring back,
resuming its advance to full-blown AIDS. What makes the Berlin patient so
intriguing is that his virus hasn't come back. The most precise tests
detect no H.I.V. in his blood and only trace amounts in his lymph tissue,
the major reservoir for the virus. He harbors so little H.I.V. that in
order to detect it in one of its hiding places, Dr. Robert Siliciano, a
researcher at Johns Hopkins University School of Medicine, had to
redesign his assay, making it five times as sensitive. What little virus
remains in the patient is fully capable of reigniting an infection, so he
is not cured. But his immune system is apparently suppressing H.I.V.
without drugs. He has not taken an AIDS pill in a year and a half."
Da stand ich nun vor einem wunderschön aussehenden Schwarzen aus einem Land irgendwo in Afrika und das einzige was ich ihm auf den Weg mitgeben konnte, war die Geschichte von dem "Berlin-Patient", der in einer kalten deutschen Novembernacht beschlossen hat, gesund zu sein, der bei offenem Fenster tief durchatmete und seine Tabletten absetzte. Diese Geschichte wird vielleicht die entlegensten Dörfer der Sahara erreichen, Orte, die nie ein AIDS-Experte aufsuchen wird, die niemals auch nur eine Tablette der Dreier-Kombi sehen werden.
Es ist die uralte Geschichte von der Überwindung einer Krankheit durch eigene Kraft.
Vielleicht eine letzte Anmerkung zu dem Thema: "Die Kluft überbrücken."
Wenn 90 Prozent der positiv Getesteten in keinster Weise der Errungenschaften der Medizin teilhaftig werden, ist dann nicht derjenige, der in der sogenannten ersten Welt ebenfalls auf diese Errungenschaften verzichtet, derjenige, der tatsächlich diese Kluft überwindet?
Auf dem unabhängigen Symposium der Langzeitpositiven im Swissair-Gästehaus wurde eine Anti-HIV Medikation rigoros abgelehnt und eine unabhängige Studie über Langzeitpositive initiiert. Wer also ausserhalb der gängigen medizinischen AIDS-Konzeption schon über 7 Jahre sein Leben lebt, der soll sich für diese Studie bei Michael Baumgartner, Oberdorfstr.5, 3053 Münchenbuchsee, Schweiz schriftlich melden, oder per Tel: Schweiz + 41 31 332 9373, oder Fax: +41 31 348 1636.
Ein weiterer überall in Genf plakatierter Slogan war: "A condom a day keeps the doctor away".
Tja Leute, das ist nicht so.....Ökotest hat Kondome untersucht und festgestellt, daß "fast alle von uns untersuchten Kondome gesundheitsbedenkliche Substanzen enthalten."
Bei Gleitgels sieht es nicht unbedingt besser aus.
Wer also selbiges täglich benutzt, sollte sich sachkundig machen.
Ernst Gradl