Eisbergspitze des Tages - Moritz Hunzinger
Hinter dem PR-Berater Moritz Hunzinger sind die deutschen Medien her. Das ist schlecht für sein Geschäft – die Konkurrenz ist groß. Auf einen Abgeordneten kommen in Berlin drei Lobbyisten, die mit gefüllten Bankkonten, kostenlosen Ferienflügen und Bordellbesuchen das betreiben, was CSU-Landesgruppenchef Michael Glos richtig als »normales Geschäft« bezeichnet. Die Journaille parasitiert kräftig mit, moralische Entrüstung ist erste Voraussetzung fürs Eintanzen beim Tango corrupti. Harald Schmidt hätte sich von Herrn Hunzinger keine 35-DM-Socken kaufen lassen wollen, und der »stern« kommt heute mit der Botschaft, daß CDU-Fraktionschef Friedrich Merz schon lange Rüstungsindustrielle und den Roland-Koch-Jugendfreund Hunzinger kennt, woraus ein Treffen zwischen Kriegsgerätdealern und dem Bundeskanzler wurde. So what? Ohne solche Bekanntschaften wäre aus dem sauerländischen Mopedfritzen was anderes geworden als ausgerechnet CDU-Fraktionsvorsitzender. Harald Schmidt geht mit Hunzinger nicht Klamotten kaufen, hat er nicht nötig. Dafür waren laut Focus der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic und der Kosovo-Beauftragte Michael Steiner, der neulich auf einem Moskauer Flughafen in seiner Eigenschaft als Kanzlerberater nach Kaviar schrie, mit ihm schon in demselben Textilladen, der auch Rudolf Scharping eine Rechnung ausstellte. Daß Hunzinger allerdings laut stern zu Günter Rexrodt eine »besonders qualifizierte Beziehung« hatte, als der Wirtschaftsminister wurde, war ein Stockfehler des Frankfurter Hans Dampf: Rexrodt (»Wirtschaft wird in der Wirtschaft gemacht«) wurde Minister, weil er und Amt überflüssig waren. Wenn es um Kriegshandel geht, muß man sich schon aufs Kerngeschäft konzentrieren.

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