Desmantelar a América
Nach dem 11. September
und mit diesem Anlass hat der ehemalige CIA-Agent Oswald LeWinter einen
portugiesischen Bestseller verfasst. Er lebt seit einem Jahr in Lissabon, unter
anderem, weil eine Einreise in die USA nicht ungefährlich für ihn
wäre. An sich ist er gebürtiger österreichischer Jude und konnte
als Kind von seinen Eltern gerade noch ausser Landes gebracht werden nach dem
Anschluss. "Desmantelar a América" artikuliert die ersten Zweifel an der
offiziellen Version der Terroranschläge, die LeWinter mit vielen Menschen
in der Welt teilt.
Seit Fertigstellung des
Buches, das nun bereits in der siebenten Auflage erscheint, wurde durch
Recherche einiges zutage gefördert, das LeWinters meist in Frageform
artikulierte Vermutungen untermauert. Die Frage, wer etwas getan hat, ist
für jemanden, der mit dem Ablauf verdeckter Operationen und deren
Verschleierung selbst betraut war, zweitrangig. Entscheidend ist auch nicht, ob
irgendwo in der Kette zu den Hintermännern Osama Bin Laden auftaucht,
sondern von wem es ausging und wer wusste und zuliess. Ein Hinweis sind dabei
die im Buch dargestellten Beziehungen zwischen CIA und dem von der Agency
aufgebauten pakistanischen Armeegeheimdienst ISI, welcher die Operationen mit
den Mujahedin ausführte, die islamische Indoktrination gegen den
bösen Sowjetkommunismus setzen sollten.
Auch die Mujadehin in
Tschetschenien und auf dem Balkan sind keine autonomen "Freiheitskämpfer",
sondern sind instrumentalisiert für die geostrategischen und
wirtschaftlichen Interessen der USA, wozu wiederum Verbindungen zu Afghanistan
und dem ISI gehören. Da KritikerInnen offizieller "Wahrheiten" gerne als
Verschwörungsfans abgekanzelt werden, geht der Autor auch darauf ein. Er
unterscheidet zwischen reinen Spekulationen, die gerade im Internet leicht
verbreitet werden können, und ebenfalls im Web zu findenden gut
untermauerten Argumentationen.
Dabei weist er darauf
hin, dass Betrachtungsweisen niemals deckungsgleich sein können: jemand,
der/die "Cover-ups" durch mediale Desinformation entwirrt und die wahre
Geschichte dahinter findet, wird alles recht kompliziert sehen. Jene, die an
der wahren Geschichte als Handelnde beteiligt sind, werden vielleicht einen Tag
mit etwas beschäftigt gewesen sein, das andere mühsam hinter dem
Schleier der Desinformation rekonstruieren müssen. LeWinter befasst sich im
9-11-Kontext auch mit den unvollständigen Passagierlisten der Flugzeuge
und Remote Control-Systemen, die bei Entführungen eingreifen.
Unverständlich ist
für LeWinter, dass die meisten Menschen in den USA nicht realisieren
wollen, wie brutal und blutig die Aussenpolitik ihrer Regierungen verfolgt
wurde, sodass es wahrlich genug Grund gibt, die Vereinigten Staaten zu hassen.
Schliesslich war er daran etwa in Vietnam und Chile selbst beteiligt und hatte
in Sachen "Oktober-Überraschung" 1980 zur Sabotage der Wiederwahl Carters
als Präsident selbst Anteil und Einblick in Irangate und Co. LeWinter
wehrt sich dagegen, dass den Ländern der "Dritten Welt" selbst die Schuld
an ihrer Armut gegeben wird, denn schliesslich werden ihre Rohstoffe immer noch
von den reichen Industriestaaten ausgebeutet. Die Regierungen dieser Staaten
tätigen nicht grundlos kritisierte Militärausgaben, sondern sind mit
Unruhen unter den Armen konfrontiert. Auch die Frage der Staatsverschuldung
stellt sich anders, da diese Länder nicht noch mehr exportieren
können, als sie bereits zum Nutzen des Westens tun.
Wichtig zur Beurteilung
der Hintergründe von 9-11 ist der Ablauf der Präsidentenwahl 2000, wo
einige ein massives Engagement der CIA zugunsten Bush vermuten. LeWinter
schildert bei seiner Beschreibung andere Eingriffe der Agency in Wahlen und
unterscheidet zwischen Staatsstreich und Putsch. Für Ersteres braucht es
keine Panzer auf den Strassen, und es muss kein Blut fliessen. Es genügt,
Regierungen zu infiltrieren und Gegner auszuschalten, was auch die Politik der
CIA in vielen Ländern der Welt ist, wo nicht gewählt wird, wer nicht
genehm ist - und wenn es doch passieren sollte, dann wird so jemand durch
massive Desinformationskampagnen zur Diskreditierung schnell wieder entfernt.
LeWinter appelliert an
das Verantwortungsgefühl der LeserInnen und an den kritischen Verstand.
Dazu musste er selbst erst zurückfinden zu solch normalen Empfindungen von
der üblichen Skrupellosigkeit jener Menschen, die im Schatten agieren und
andere zu Marionetten machen. Oder, so ein im Buch zitierter CIA-Mann: was man
bei den verdeckten Operationen mit anderen, Unschuldigen anrichtet, ist halt
"Fallout", der ist nicht zu vermeiden. Im Buch wird auch eine Erklärung
LeWinters an das portugiesische Parlament abgedruckt betreffend zum einen die
Rolle der CIA bei der "Nelkenrevolution" 1974, dem unblutigen Ende der
Diktatur, und beim Tod von Premierminister Francisco Sa Carneiro und
Verteidigungsminister Adelino Amaro da Costa im November 1980 bei einem durch
eine Bombe verursachten Flugzeugabsturz.
Die beiden Politiker
hatten nämlich entdeckt, welche Rolle ihr Land beim Iran-Contra-Deal
spielte, wo Waffen als "landwirtschaftliche Maschinen" über den Hafen von
Setubal auf dem Schwesterschiff der Lucona, der Scheersburg, verschifft wurden.
(Dieses Schiff wurde auch mal vom Mossad verwendet fürs israelische
Atomprogramm, wohingegen die Lucona der Zapata von CIA-Chef George Herbert
Walker Bush diente; Österreichs Anteil an Irangate war Noricum, und die
mediale Berichterstattung zu beiden Skandalen war ein Cover up, an dem sich
auch "Enthüllungsstars" in Journalismus und Politik
beteiligten.)
In LeWinters Buch wird
klar, welch einschneidende Veränderungen die Regierung Bush - besser
George Herbert Walker Bushs vierte Amtszeit - binnen kurzem durchziehen konnte.
Einschliesslich Druck auf europäische Staaten, ähnliche
Gesetzesänderungen vorzunehmen und der erstmaligen Erklärung des
Bündnisfalles der NATO. Dass Anlässe, deren Hintergrund bei genauerer
Betrachtung nicht der offiziellen Version entspricht, zur Legitimation von
Kriegen verwendet werden, ist in der Geschichte der USA des öfteren
vorgekommen. Bush ist weit gekommen seit dem 10. September, als "Newsweek" noch
Auszüge aus "The Accidental President" von David A. Kaplan
veröffentlichte, und auch seit dem 11. September, wo die Demokraten eine
Pressekonferenz zum Start ihrer Kampagne gegen die gestohlene Wahl 2000
ansetzten....
Text: Alexandra Bader
Infos: Verlag
Publicacoes Europa-América, 901 Mem Martins, Est. Nacional 249, Apartado
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