Luzifers Money |
Autor: Peter Zauner (Anm.: Zitatartikel aus dem Internet) |
Wer Augen hat zu sehen, dem fällt es wie Schuppen von den Haaren: Da ist ein springender Punkt im roten Faden. Der Dol- lar als Beweisstück der Weltverschwörung. EINE SACHE auf den Punkt bringen, das erleichtert ungemein, weil das Leben
nachher weitergehen kann. Doch manchmal bleibt der Punkt stehen, wird zum Dreh- und Angelpunkt, und man wird ihn nicht mehr los. «Solche fixierten Punkte», heisst es in Robert Musils “Mann ohne
Eigenschaften”, «in denen das Gleichgewichtszentrum einer Person mit dem Gleichgewichts- zentrum der Welt übereinfällt», sind zum Beispiel «die Abschaf- fung der Salzfässer in den Gasthäusern, in
die man mit dem Messer fährt, wodurch mit einem Schlag die Verbreitung der die Menschheit geisselnden Tuberkulose verhindert würde, oder die Einführung des Kurzschriftsystems Öhl, das durch seine
unvergleichliche Zeitersparnis gleich auch die soziale Frage löst.» Im Zeitalter des Internet nennt man jene, die unablässig auf diesen ihren Punkt starren, «als ob dort eine Welt
beginnen müsste, die man ihnen schuldig geblieben sei» (Musil), schlicht und einfach “Kooks”, Spinner. Es sind Menschen mit einem un- glaublichen Glauben, der sich in allen erdenklichen
Spielarten zeigt. In der kookischen Königsdisziplin, der Enttarnung der Weltverschwörung, ist dem Möglichkeitssinn erst recht alles erlaubt. Waren es zu Musils Zeiten die Protokolle der Weisen
von Zion und die jüdische Weltverschwörung, so wird der se- hende Teil der Christenheit heute von einer sinistren Gruppie- rung aus Illuminaten, Freimaurern und Rosenkreuzern geplagt, die nach
der Macht über den blauen Planeten greift. Im Namen der Uno schicken sie fremde Truppen, bevorzugt handverlesene “grausame Gurkhas” in schwarzen Helikoptern in «God's Own Country». Von vorne besehen, ist der Dollar harmlos. Es ist die Rückseite, die ihn zum Beweisstück der Weltverschwörung macht. Die beiden Hälften des «grossen Siegels», die dort prangen, haben es in
sich. Man nehme ein Blatt Papier und male einen Kreis darauf, emp- fiehlt die Web-Site von Man braucht nur die richtigen Punkte innerhalb dieses Kreises zu einem Dreieck zu verbinden, und voilà, schon kombinieren sich die Linien zusammen mit
der Pyramide zu einem Teufels- zeichen, dem Hexagramm vom Papierblatt. Übersetzt «Cutting Edge» die Inschrift «Novus Ordo Seclorum», dann kommt auch noch «New World Order» heraus. Das Verhängnis ist für den Wissenden in den Stufen der omi- nösen Pyramide bereits
angekündigt, denn diese besteht aus exakt dreizehn Ziegelreihen. 13! Auf einer dreizehnstufigen Hierarchie bauten bekanntlich die Illuminaten ihren Orden auf. Jene Illuminaten, deren Gründer, Dr.
Adam Weishaupt, einer Seitenlinie der Verschwörungstheorie zufolge, das Siegel des Ordens dem Freimaurer Thomas Jefferson zuspielte. Jefferson legte es dem amerikanischen Kongress vor, der es
offiziell als nationales Symbol inaugurierte. Der von den Illuminaten ebenfalls kontrollierte Franklin D. Roosevelt liess das Siegel dann 1935 auf den Dollar drucken. Zu dieser Zeit hatte die
Wachsamkeit der aufrechten Amerikaner so weit nachgelassen, dass die «New World Order» vor aller Augen auf die Tagesord- nung respektive auf die Rückseite der Dollarnote gesetzt wer- den konnte.
Da steht sie nun und wird immer noch von viel zu wenigen bemerkt, obwohl «dort doch offenbar das ganze Un- glück der Welt anhebt, die ihren Erlöser nicht erkennt» (Musil).
Verschwörungstheoretiker lesen aus den dreizehn Stufen der Pyramide gleich auch noch das ganze Organigramm der Neuen Weltordnung: Stufe zwei zum Beispiel symbolisiert die 33 ein- flussreichsten
Freimaurer, Stufe drei die 500 einflussreichsten Leute und Institutionen der Welt. Die Jahreszahl MDCCLXXVI, die in die erste Stufe der Pyramide eingraviert ist, erinnert in dieser Lesart nicht
an den 4. Juli 1776, den Geburtstag der Ver- einigten Staaten von Amerika, sondern an den 1. Mai 1776, jenen Tag, an dem sich exklusiver konspirationstheoretischer Einsichten zufolge die
satanischen Illuminaten zu erkennen ga- ben. Falls nicht noch satanischere Mächte im Spiel waren, wie eine andere Fraktion der Verschwörungstheorie postuliert: Während Thomas Jefferson zu Hause
an den Siegeln bastelte, sei ihm plötzlich ein «Wesen» erschienen, gehüllt in Schwarz. Es hatte das Siegel fix und fertig in der Tasche, überreichte es Jefferson und löste sich danach in Schall
und Rauch auf, was hier absolut wörtlich zu nehmen ist. Alles in allem verrät also der Dollar dem Sehenden, dass am 1. Mai 1776 eine neue Weltordnung postuliert wurde, deren Krea- tor Satan
persönlich, wenigstens aber eine Freimaurergilde war, was in einschlägigen Kreisen als vernachlässigbarer Un- terschied gilt. Diese neue Weltordnung wird nun unter der Lei- tung unsichtbarer
Hintermänner, zu denen neben Freimaurern mutmasslich auch Rosenkreuzer und Illuminaten zählen, mit Gurkhas in schwarzen Hubschraubern . . . Soweit die Fakten oder was die Gilde der
Verschwörungsthe- oretiker dafür hält, denn im «Parlor of Paranoia» geht es nur beschränkt um Argumente. Vielmehr versichern Gleichgesinnte dem Gleichgesinnten, «dass er ein neuer Kopernikus sei,
wo- nach sie sich als unverstandene Newtons vorstellen» (Musil). Und weil das im Internet so leicht und flott von der Hand geht, ist es für Kooks zum Paradies auf Erden geworden. Man beweist sich
dort zum Beispiel mühelos, dass die Mondlan- dung eigentlich nie stattgefunden habe, die Ufos aber längst gelandet seien und die verschwundenen Ober-Nazis in unterir- dischen Städten in der
Antarktis wohnten. Zumindest jener Teil der Nazis, der 1942 nicht auf den Mond emigrierte. Ja, auf den Mond. Dort, wo angeblich Astronauten waren. Die doch, wie Zyniker messerscharf folgern,
eigentlich die verschwundenen Nazis hätten treffen müssen, wenn sie wirklich oben gewesen wären. Das alles ist Ausdruck einer radikalen Politik- und Staatsver- drossenheit, die keiner
offiziellen Verlautbarung mehr zugäng- lich ist. Und schon gar nicht dieser: Der Dollar ist Geld und sonst nichts. Keine Loge, sondern ein Kollegium, bestehend aus Thomas Jefferson,
Benjamin Franklin und John Adams, hatte im Jahr 1776 den Auftrag erhalten, ein nationales Siegel zu entwerfen. Ihnen zur Seite stand als Berater der Künstler Pierre Du Simi- tiere, der die
Mühen der Entwurfsarbeit grösstenteils auf sich nahm. Sein allsehendes Auge, das «Auge der Vorsehung», das heute als Freimaurersymbol von sich reden macht, war im 17. und 18. Jahrhundert ein oft
bemühter Bestandteil zeitgenössi- scher Ikonographie, also nichts Besonderes. Placiert innerhalb eines Dreiecks, galt es als Repräsentation Gottes. Die Überein- stimmung zwischen dem allsehenden
Auge auf dem Dollar und ähnlichen Symbolen der Freimaurerei besagt nur, dass beides aus ein und demselben Kunstkanon stammt, der sich bis in biblische Zeiten zurückverfolgen lässt.
Die Entwürfe für das grosse Siegel wurden mehrmals revidiert, der Schaffensprozess zog sich über mehrere Jahre hin. Die dreizehnstufige Pyramide geht auf Francis Hopkinson zurück, der auch die
amerikanische Flagge für die ursprünglich drei- zehn Staaten der USA entworfen hatte. Die Pyramide sollte für «Stärke und Dauer» stehen und zählte nie zu den Symbolen der Freimaurerei, wie die
“Masons”auf ihren Seiten im Internet beteuern - das sei genuin amerikanisches Design. Dem Kongress gefiel es, obwohl Benjamin Franklin statt eines Adlers lieber einen Truthahn
auf der Vorderseite des Siegels gesehen hätte. 1782 wurde der endgültige Entwurf vom Kon- gress abgesegnet. Er stellt die USA als revolutionären Gegen- entwurf zu den autokratischen,
machtgestützten Regimen der damaligen Zeit dar. An ihre Stelle sollte ein System treten, das auf Vernunft, Gewaltenteilung und Selbstbestimmung basiert - ein «New Order of the Ages», wie die
Übersetzung von «Novus Ordo Seclorum» richtig lautet. Auch Roosevelt sah seinen «New Deal» als revolutionären Neuan fang in der Tradition der Gründerväter. Das grosse Sie- gel, das
er auf die Dollarnote drucken liess, sollte darauf ver- weisen wie auf den Beginn eines neuen Zeitalters. |