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die vollständigen Texte unter: Nr. Nr 43/2002 Kent Depesche Sabine Hinz Verlag Hasenbergstr. 107 70176 Stuttgart Tel. 0711 6361811 Fax 0711 6361810 info@sabinehinz.de www.sabinehinz.de
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Wer immer denkt, was alle denken und wer immer glaubt, was alle glauben, läuft niemals Gefahr für verrückt gehalten zu werden. Doch wehe, jemand vertritt auf einsamem Posten eine gewagte Ansicht, die der allgemeinen Überzeugung (oder Propaganda) zuwiderläuft. Schnell hat's sich's da mit einer Fern- und Fehldiagnose der Marke „Der tickt nicht mehr richtig!" Es ist dabei völlig irrelevant, wie wohl begründet oder sachlich fundiert die Ansicht auch sein mag. Diesem Mechanismus erlag ein Herr Galileo Galilei eben so wie einst ein gewisser Herr Sokrates. Heute sind es die Anhänger der „Neuen Medizin", „AIDS-Leugner", „Impfkriti-ker" oder „WTC-Verschwörungstheoretiker", die über den Horizont der Mainstreammei-nung hinausblicken und daher derselben Gefahr unterliegen. Wenn man dann zudem noch Wissenschaftler ist, verhält sich die Sache doppelt so fatal, denn wie kann es (a) ein Mitglied der eigenen Gilde wagen, das seriöse akademische Nest zu beschmutzen und (b) wie kann er sich herausnehmen, die großzügigen Finanzströme aus der Wirtschaft zu gefährden? Abgesehen davon, dass das Hinterfragen „wissenschaftlicher Wahrheiten" auch die Industrie
selbst in Gefahr bringen kann. Mögliche Folge: Wer heute in seiner Garage einen Motor austüftelt, der mit bloßem Wasser fährt, ist zu 80 % Wahrscheinlichkeit schon tot, außer er lebt auf den Philippinen, wo so etwas keinen interessiert. Lebensgefährlich kann es also werden, wenn ein Wissenschaftler den Fehler begeht, auf eigene Faust durch aufrichtig motivierte Forschungsarbeiten bestehende Wirtschaftsmärkte in zu Gefahr bringen bzw. vielleicht sogar über militärische Interessen und Geheimnisse stolpert.
Dr. Reinhard Munzert, Lehrbeauftragter an der technischen Fakultät in Erlangen, trat in dieser Hinsicht kürzlich in die Gesamtauswahl aller bestehenden Fettnäpfe, denn er investigierte ein Thema, das (a) wirtschaftliche Interessen der Industrie gefährdet, (b) verheimlichte wissenschaftliche Erkenntnisse aufdeckt und (c) militärische Missetaten potentiell enthüllt: Wir sprechen von Mikrowellen.
Selbst betroffen, begann Dr. Munzert das Thema Mikrowellen zu erforschen und fand bald heraus, dass man handelsübliche Mikrowellen-
herde mit nur wenigen Handgriffen so umbauen kann, dass sie sich anschließend dazu eignen, nicht bloß das Mittagsmenü zu grillen, sondern auch unliebsame Zeitgenossen. Dr. Munzert wies nach, dass die Wohnung seiner Freundin mit Frequenzen im Bereich von 2,5 Gi-gahertz(1) bestrahlt wurde (was sog. „Mikrowellen" gleichkommt).
Es ist Herrn Dr. Munzert durchaus bewusst, „dass dies ungeheuerlich klingt", doch so abstrus sich dies auf den ersten Blick erscheinen könnte, so wenig steht Dr. Munzert mit seinem Problem alleine da, denn bereits 150 Strafverfahren sind laut Auskunft des Rechtsanwalts Detlev Eidebenz aus Frankfurt derzeit anhängig, wo Nachbarn sich mit manipulierten Herden attackierten. Der ebenfalls von einer solchen Offensive betroffene Elektrotechniker Kühn hatte jedes Mal, wenn er nach Hause kam, „das Gefühl, zu kochen und einen Sonnenbrand zu bekommen" und reichte nach etlichen Recherchen Anzeige wegen Körperverletzung ein, doch die Staatsanwaltschaft wollte sich „mit seinen Hirngespinsten" nicht abgeben. Es hat sich daher bereits eine „Interessengemeinschaft der Opfer von Elektrowaffen" zusammengeschlossen, die das Ziel vorantreibt, den Tatbestand bei Polizei und Staatsanwalt „hoffähig" zu machen. Erste Erfolg sind in Sicht: In einem Frankfurter Polizeirevier will man der Angelegenheit nun nachgehen, „bis die Sache strafrechtlich gewürdigt wird".
Auch die WELT am Sonntag widmete dem Thema einen Artikel, in dem Klaus Munter von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig bestätigte, „dass es technisch möglich ist", Nachbarn durch Wohnungswände hindurch mit umgebauten Herden zu bestrahlen. Und Professor Pauli von der Universität der Bundeswehr ergänzte: „Ein Mikrowellengerät hat eine Leistung von 800 Watt. Um diese in einen Strahl zu bündeln, braucht man eine starke Richtantenne." Zudem müssten zwei Sicherheitsschalter überbrückt werden. Wem dies gelänge, der könne seinen Nachbarn mit einer Dosis tyrannisieren, die annähernd hundertfach stärker ist, als es das Bundesemis-sionsschutzgesetz erlaubt.
Dr. Munzert nun sollte am 6. September 2002 auf der nicht unbedeutenden amerikanischen Sicherheitskonferenz „Infowar Conference" in Washington D.C. zum Thema: „Mikrowellenwaffen - eine neue Form von High-Tech-Verbrechen" referieren (www.infowar.com). Doch dazu kam es nicht, denn es wurde ein richterlicher Beschluss gegen ihn erwirkt, wonach er sich einem psychiatrischen Gutachten zu stellen habe. Als er dies verweigerte, wurde er wenige Tage darauf von freundlichen Herrschaften in Grün abtransportiert und gegen seinen Willen zwangsweise in die geschlossene Psychiatrie in Erlangen eingewiesen, wo seine „schizophrenen Wahnvorstellungen" „fachkundig therapiert" werden sollten. Dass er nach drei Wochen gesundheitlich unbeschadet wieder frei kam, hat er mehreren Umständen zu verdanken: Dr. Munzert trat aus Protest sofort in Hungerstreik, verweigerte sämtliche
(1) Giga-Hertz: Nach dem deutschen Physiker Heinrich Hertz benannte Einheit fürdie Anzahl der Schwingungen pro Sekunde (Abkürzung Hz). Ein Giga-Hertz entspricht einer Milliarde Schwingungen pro Sekunde. Abkürzung GHz. Weitere Einheiten sind KHz (= Kilo-Hertz für 1000 Schwingungen pro Sekunde und MHz = Mega-Hertz für eine Million Schwingungen pro Sekunde.
(2) Hörbarkeit von Mikrowellen: Die Hörbarkeit von Mikrowellen unter bestimmten Voraussetzungen wurde bereits mehrfach vor etlichen Jahrzehnten u.a. durch deutsche, russische und amerikanische Wissenschaftler nachgewiesen, was jedoch einen gewissen Psychiater offensichtlich kaum zu interessieren scheint. Näheres dazu und Quellenangaben im Artikel von Heiner Gehring ab Seite 11.
(3) Internetforum zum Thema unter: www.findefux.de/forum.Iist.php4?f=84 oder über die Webseite: www.tolzin.de/e-smog/munzert/
Psychopharmaka bzw. „Therapeien" und informierte seine Freunde, die den Fall sozusagen noch am selben Tag im Internet veröffentlichten und Rund-E-mails verschickten. So wurde innerhalb kürzerster Zeit immense Publicity kreiert, und der Fall verbreitete sich in Windeseile unter wachen Zeitgenossen. Auch Jo Con-rad und Hans Tolzin wurden aktiv. Hans beispielsweise rief bei Herrn Dr. Munzert mehrfach in der Klinik an, informierte Freunde, die Polizei (wegen Freiheitsberaubung) und nervte den verantwortlichen Psychiater mit Fragen zur Richtigkeit des fatalen Gutachtens. Hans richtete zudem ein eigenes Internetforum'3' ein, in dem er Interessierte über aktuelle Neuigkeiten informierte. Das im Fall Munzert erzeugte öffentliche Interesse schlug solche Wellen, dass neben drei Tageszeitungen auch BILD-Nürnberg unter der Überschrift „Erlanger Professor in Nervenklinik" wahrheitsgemäß berichtete: „Sein skurril klingendes Thema 'Mikrowellenverbrechen' wurde ihm zum Verhängnis..."
Auch ein Bayerischer Landtagsabgeordneter setzte sich für Dr. Munzert ein und schrieb an das Staatsministerium.
Die Vorwürfe, die seitens des „sachverständigen" Psychiaters zur Einweisung Dr. Munzerts führten, lesen sich wie folgt: • Die Existenz von Mikrowellenwaffen seien Teil von Dr. Munzerts Wahnsystem. • Sein Glaube auf einem Kon-gress in den USA sprechen zu sollen, seien schizophrener Größenwahn. • Die Hörbarkeit von Mikrowellen'21 seien eine Wahnvorstellung.
Dass diese Kriterien keinesfalls „Teil eines Wahnsystems" sind, sondern erschreckende Realität, belegt Heiner Gehrings heutiger Artikel in drastischster Deutlichkeit. Erschreckender ist höchstens noch die Arroganz des sich Gutachter nennenden Psychiaters.
Wer sich von Dr. Munzerts Geisteszustand selbst überzeugen möchte, kann dies am 14. Dezember in Stuttgart tun, wo er im Rahmen des Neue-Impulse-Treffens schildern wird, wie es
ihm in der Psychiatrie ergangen ist, wie (leicht) man reinkommt, aber auch, wie man geistig lebendig und körperlich gesund wieder rauskommt. Auch auf das Thema seiner Forschungen wird Dr. Munzert eingehen, denn die Gefahren durch Mikrowellen sind lange nicht so belanglos, wie man das uns braven Bürgern weiszumachen versucht.
Dies wird auch durch ein Schreiben des Knut W. Schlanert deutlich, der sich ebenfalls in der Sache Munzert rege engagierte. Er schickte als Spezialist für Antennenfragen im niedersächsischen Landesinnungsverband der Elektro-handwerke und Mitinitiator des Sachverständigenvereins der Elektrohandwerke in Niedersachsen eine persönliche Stellungnahme durch die virtuelle Welt, in welcher er beschreibt, wie er als Forscher der ersten Stunde in Sachen Mobilfunk und Mikrowellen auf deren Gefahren aufmerksam wurde. Er schreibt „Handys sind viel zu nahe (am Körper) und viel zu kräftig, um nicht gesundheitliche Gefahren auszulösen. Mikrowellen sprengen alle diese Grenzen.
Wir warnten als ausgebildete Fachleute der Elektrotechnik und Elektronik damals schon vor der Mikrowelle als Küchengerät. Unser warnender Ruf wurde in keiner Zeitung erwähnt, zu stark waren die Interessen der herstellenden Industrie." „Diese Erfahrungen berichtete ich dem Bundestagsabgeordneten Paterna. Er interessierte sich dafür ohne uns kritiklos zu glauben. Seine Zweifel waren groß und er bat um stichhaltige Nachweise. Allein sein erkennbares Interesse reichte aus, um im Bundestag ganz plötzlich 'kaltgestellt' zu werden. Gerade dadurch gewinnt die Psychiatrisierung des Dr. Munzert eine besondere Bedeutung. Ich würde immer an jede neue Erscheinung skeptisch herangehen, aber das Recht zur Neugier und zu eigenständigen Forschungen würde ich und werde ich mir nie verbieten lassen. MUSS ich dafür auch in die Psychiatrie? Wo leben wir nur??"
Eine berechtigte Frage, wie ich meine. ... und weiter zu Erfindungen [Übersicht] |