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Judith Krischik

Buddhismus

Die Geisteswissenschaft aus dem Osten

»Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück.«
(S.H. der 14. Dalai Lama)

Ende Oktober wird der 14. Dalai Lama in einer eigens dafür aufgebauten Zeltstadt in der Lüneburger Heide Tausende von Europäern in die Grundlagen des Buddhismus einführen. Was sucht der Westen im Buddhismus, was das Christentum und seine kirchlichen Traditionen ihm nicht zu geben vermögen? Peter Grieder, Kurator des Klösterlichen Tibet-Institutes in Rikon, Schweiz, berichtet von seiner Begegnung mit dem Buddhismus und seinem Verständnis zentral buddhistischer Begriffe wie »Leerheit« und »Nicht-Ich«.

Der Buddhismus erobert seit Anfang der sechziger Jahre den Westen. Der Auslöser dafür war politischer Natur: 1959 schlugen die Chinesen, die zehn Jahre zuvor Tibet annektiert hatten, einen Volksaufstand blutig nieder und zwangen zehntausende Tibeter zur Flucht nach Indien. Unter ihnen war auch ihr Staats-und Religionsoberhaupt, Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama. Der Friedensnobelpreisträger ist heute der populärste Vertreter des Buddhismus. Wenn er nicht gerade auf einer seiner zahlreichen Reisen ist, lebt er in seinem Exil in Dharamsala, Indien.
Peter Grieder hat die Flucht der Tibeter und den Einzug des Buddhismus in den Westen von Anfang an miterlebt. Schon 1961 begann die Schweiz, Flüchtlinge aus dem Tibet aufzunehmen. Der damals noch als Geschäftsführer eines bekannten Schweizer Modehauses tätige Peter Grieder besuchte mit seiner Frau während der Ferien im Engadin ein tibetisches Flüchtlingsheim. Damals meinte man noch, das »wilde Bergvolk« würde sich hoch oben in den Bergen besser an das Leben im Exil gewöhnen können. Heute leben in der Schweiz an die 2500 Tibeter; das ist die größte Gemeinde von Exil-Tibetern im Westen.
»Eines dieser Flüchtlingskinder haben wir, vier Jahre alt, in unsere Familie aufgenommen«, erzählt Peter Grieder, als ich ihn im Sommer in seinem wunderschön gelegenen alten Bauernhaus in Zumikon bei Zürich besuche. Später kam zu der kinderreichen Familie mit fünf eigenen Kindern ein weiteres Adoptivkind aus dem Tibet hinzu.
Als sein Pflegesohn alt genug war, begann er ihn regelmäßig ins nahegelegene tibetische Kloster nach Rikon zu fahren, damit er bei den Mönchen tibetisch Lesen und Schreiben lernte. Das heute dreißig Jahre alte »Kloster zum Rad der Lehre« war das erste buddhistische Kloster in Europa, in dem bis heute nur Tibeter leben; zur Zeit sind es acht Mönche. Peter Lindegger, Kurator des Klösterlichen Tibet-Institutes, bat ihn dann, sein Nachfolger zu werden. – »Ende der siebziger Jahre waren damit pro Woche vielleicht zwei Tage ehrenamtliche Arbeit verbunden. Davon kann heute nicht mehr die Rede sein,« erinnert sich Peter Grieder schmunzelnd. Mittlerweile hält er pro Woche zwei Vorträge. Er ist nicht nur Dozent für Buddhismus am C.G. Jung Institut in Küsnacht, sondern unterrichtet auch Konfirmanten und Oberstufenschüler wie etwa die der Rudolf Steiner-Schule in Wetzikon. Noch bis zum letzten Herbst hat der heute Siebzigjährige Reisegruppen in den Tibet und nach Indien angeboten.
Anthroposophie ist für den ehemaligen Waldorfschüler kein Fremdwort. Wichtigste Bezugsperson ist seine Frau, die Pfarrerin der Christengemeinschaft ist. Deshalb stellt er auch gleich zu Beginn unseres Gespräches fest: »Der Buddhismus ist wie die Anthroposophie kein Glaubensbekenntnis, sondern eine Geisteswissenschaft. Beide verlangen nicht, daß man einfach etwas glaubt, sondern daß man sich von Erkenntnis zu Erkenntnis weiterarbeitet. Buddha ist, so glaube ich, der einzige Religionsstifter, der ausdrücklich gesagt hat, daß niemand etwas glauben soll, nur weil es in einem heiligen Buch steht, weil es der verehrte Meister gesagt hat oder weil es die gängige Meinung ist. – Und um es gleich vorwegzunehmen: Ich betrachte mich nicht als Buddhist, sondern eher als ‚buddhistisch' denkender Christ.

Die vier großen Strömungen im Buddhismus

Der tibetische oder tantrische Buddhismus, wie er auch genannt wird, scheint die komplexeste Form des von Indien ausgehenden Buddhismus zu sein. Historisch gesehen ist sie die jüngste. Zur ursprünglichen Lehre des historischen Buddhas etwa 500 v. Chr., Hinayana oder Kleines Fahrzeug genannt, gibt es große Unterschiede. So kennt der Hinayana-Buddhismus zu Anfang noch keinen Gottesbegriff.
»Der Gautama Buddha läßt diese Frage offen«, erklärt Peter Grieder, »denn er wußte genau, daß wir uns gern ein anthropomorphes Bild von Gott machen. Die drei Religionen im Westen – das Judentum, das Christentum und der Islam – haben ihren Gottvater mit seinen guten und mächtigen Eigenschaften. Aus diesem Gottesbegriff entsteht auch gleich das Gegenbild des Bösen, des Satans. Die Buddhisten sagen: Laßt das bleiben. Unser Gott liegt dahinter. – Dieses Dahinterliegende ist jedoch ein geheimnisvolles Nichts, das als Möglichkeit alles in sich trägt. Wenn etwa der Astrophysiker die Welt aus dem Urknall entstehen läßt und gleichzeitig behauptet, vor dem Urknall hätte es weder Zeit noch Raum gegeben, dann läßt er das Universum aus einem perfekten Nichts entstehen – genau wie der Buddhist auch. Nur interessiert sich der Astrophysiker nicht für dieses Nichts.«
Etwas später, rund 200 Jahre v. Chr., entwickelte sich aus dem Hinayana der Mahayana-Buddhismus. Im Gegensatz zum Kleinen Fahrzeug, das sich auf die Erlösung des Einzelnen konzentriert, stellt der Mahayana, das sogenannte Große Fahrzeug, jedem die Aufgabe, die Menschheit und die Welt schlechthin zu erlösen. Er rückt außerdem neben Buddha gottähnliche Menschen in den Mittelpunkt seiner Lehre - die Bodhisattvas, die sich zwischen zwei Leben nicht mehr im Nachtodlichen aufhalten müssen, sondern sich gleich wiederinkarnieren können. Auch der Dalai Lama ist so ein Bodhisattva, meinen nicht nur die tibetischen Buddhisten, sondern auch die meisten Schulen des Mahayana. Er wird der Bodhisattva Avalokiteshvara genannt, was mit Barmherzigkeit übersetzt werden kann.
Erst mit dieser Wandlung, so Peter Grieder, sei der Buddhismus eine Weltreligion geworden. »Denn von da an gab es Wesenheiten, die man abbilden, verehren und mit denen man all die Dinge tun darf, die das Volk so schätzt. Vorher war der Buddhismus eine recht elitäre Angelegenheit, die den Mönchen vorbehalten war.«
Im 5. Jahrhundert entstand in Japan der Zen-Buddhismus. Er besticht durch eine Klarheit, die ihn im Westen zur weitverbreitetsten Form des Buddhismus hat werden lassen. Für Peter Grieder ist Zen die reinste Form des Buddhismus. Er selbst hat einmal drei Wochen in einem japanischen Zen-Kloster zugebracht.
»Der Zen-Buddhismus hat etwa sehr Radikales. Ganz typisch für ihn ist etwa ein Koan wie: Wenn du Buddha triffst, töte ihn. – Was ist damit gemeint? Wenn du Buddha triffst, hast du ihn dir vorgestellt. Eine Vorstellung ist jedoch nie wahr, also bringe deine Vorstellung um. - Knallhart. Diskutiere nicht, philosophiere nicht, sondern mache deine Übungen.«
Der tibetische Buddhismus, auch Vajrayana genannt, entstand noch später, nämlich im 7. Jahrhundert. Liest man etwa die Einführungsvortrge, die der Dalai Lama 1981 an der Harvard University gegeben hat, kann man sich von der Komplexität des Gedankengebäudes im Vajrayana erschlagen fühlen. Hier vereinigt sich der Mahayana-Buddhismus mit der alten Bonreligion Tibets und tantrischen Einflüssen aus Indien. In der ursprünglichen Bonreligion vermischen sich animistische und schamanistische Elemente. Jeder wird sich an die wildmaskierten und in Ekstase geratenen Orakel erinnern können, die in den jüngsten Tibetfilmen wie etwa Kundun auftraten. Sie wurden hinzugezogen, um dem jungen Dalai Lama und seiner Regierung die Zukunft des Landes vorauszusagen.
»Der tibetische Buddhismus ist die untypischste Form des Buddhismus. Einmal weil er sich sehr spät entwickelt hat und außerdem weil er bildhaft gesprochen voller Christbäume und Ostereier daherkommt, wenn wir ihn einmal mit dem Christentum vergleichen wollen, das ja auch vorchristliche Elemente aufweist. Doch erkannt haben wir hier im Westen den Buddhismus erst durch den tibetischen Buddhismus.«
Peter Grieder erinnert an Schopenhauer, der seiner Meinung nach Anfang des letzten Jahrhunderts den Buddhismus »entdeckte«. Die ersten umfassenden Bücher über den Buddhismus wurden um die Jahrhundertwende geschrieben. Die deutsche Übersetzung eines der zentralen Werke des tibetischen Buddhismus, das Tibetische Totenbuch, erschien 1935 mit einem Vorwort von C.G. Jung. Nur zum Vergleich: Rudolf Steiner, der wesentliche Elemente des Buddhismus wie den achtgliedrigen Pfad in seine Schulungsanweisungen übertragen hat, kann das Totenbuch im Originaltext nicht gekannt haben. Es beschreibt ausführlich die nachtodlichen Zustände, Bardos genannt. So wird zum Beispiel das erste Bardo als das »Klare Licht« bezeichnet. Mit der Enwicklung der Nahtodesforschung bekommen wir im Westen eine Ahnung davon, was damit gemeint sein könnte. Klinisch Tote berichten, daß sie während ihres kurzen Todes einem überwältigenden, hellem Licht begegnet seien.
Die Berührung des Buddhismus mit dem Westen führt bei der traditionsverhafteten Religion zu Umwälzungen und neuen Impulsen, die in dem 14. Dalai Lama ihren stärksten Befürworter gefunden haben. Peter Grieder verglich im letzten Jahr auf der großen, vom Goetheanum veranstalteten Reinkarnationstagung in Berlin die Geschichte Tibets mit einem Mandala. Als ich ihn darauf anspreche, schließt er wie so oft während unseres Gespräches die Augen, um sich besser erinnern zu können. Anläßlich einer Ausstellung des bedeutenden Kalachakra-Mandalas 1994 in Zürich hatte eine Mönch aus Rikon während eines Vortrages diesen Vergleich entwickelt.
»Das Mandala wurde mehrere Tage lang aus farbigem Sand auf dem Boden kunstvoll ausgelegt. Das kann mit der Geschichte Tibets verglichen werden: seinen Mythen, seinen Königen und dem Aufbau und Wandel seiner Religion über Jahrhunderte hinweg«, erinnert sich Peter Grieder. »Am Schluß wurde das Mandala zerstört und der Sand in den Fluß gestreut. Doch erst mit seiner Zerstörung wird ein Mandala wirksam. Nun könnte man sagen: Erst mit der Zerstörung seiner Klöster, der Ermordung fast einer Million Tibeter, ihrer Vertreibung und Flucht ist der Buddhismus wirklich in die Welt hinausgelangt. Kluge Tibeter geben zu, daß sie selbst nie die Kraft gehabt hätten, die Klöster zu reformieren. Es gab im Tibet mittelalterliche Lebensformen, mit denen man heute nicht ins nächste Jahrtausend gelangen könnte.

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Der von seinem Ego geplagte Intellektuelle im Westen ist fasziniert von einer Religion, die die Erkenntnis, die Reinkarnation, die Achtsamkeit im Alltag, die Meditation und die Erlösung aller Leiden in den Mittelpunkt ihrer Lehre stellt. Doch kann der westliche Mensch Begriffe wie Leere und Nicht-Ich überhaupt verstehen und verinnerlichen? Oder mathematisch ausgedrückt: Wir im Westen glauben an den einen Gott; der Gott im Osten wird jedoch mit der Null gleichgesetzt: der großen Leere.
»Um sich dem Begriff des Nichts anzunähern, ist der Vergleich mit der Null sicher sehr hilfreich«, knüpft Peter Grieder an. »Die Null an sich kommt nie zur Erscheinung, sondern wird nur in Verbindung mit anderen Zahlen wirksam. Uns fällt es schwer, weiterzukommen, weil wir uns das Nichts wieder als einen Ort vorstellen; es ist aber jenseits von Zeit und Raum.«
Das Nichts aufzuspüren, eine Vorahnung von ihm zu bekommen, ist der Sinn der Meditation. Sie soll auch auf die bereits erwähnten Zwischenzustände nach dem Tod vorbereiten. Die Beobachtung des Atems gehört sicherlich zu einer der ältesten Meditationstechniken. Eine weitere ist die Bildmeditation oder Visualisation. Zunächst wird eine Abbildung, eine Gottheit etwa, angeschaut, »auswendig gelernt« und dann, ohne das Objekt vor Augen zu haben, in Gedanken wieder aufgebaut. Anschließend wird das innerlich vorgestellte Bild zum Verschwinden gebracht, wieder zurückgeholt usw. In so einem Moment erlebe man, so Peter Grieder, daß dieser Zustand unsterblich und nicht mehr an die Zeit gebunden sei.
Dazu fällt Peter Grieder eine Übung ein, die er seinen Konfirmanden zu pflegen gibt. »Ich sagen ihnen, daß sie in den nächsten dreißig Sekunden alles denken dürfen, was sie wollen. Sie sollen aber nur bitte nicht an rosa Nilpferde denken, die im Kreis herumtanzen. Was geschieht? Horden von rosa Nilpferden tauchen auf, die im Kreis herumlaufen! Das ist recht einfach zu erklären. Ich muß mich erinnern, was ich nicht darf, und in dem Moment ist es schon da.
Deshalb kann man im ersten Anlauf gar nicht an nichts denken. Ein Junge hat mir einmal lachend gesagt, er habe es für einen Moment lang gekonnt. - Wie hast du das gemacht, habe ich ihn gefragt. – Ich habe mir einen hellblauen riesigen Elefanten vorgestellt, hat er geantwortet. – Das ist die Technik der Bildmeditation; ich konzentriere mich auf ein Bild, um ganz im Hier und Jetzt verbleiben zu können.

Das Ich – Monade oder Bewußtseinsstrom?

Dieses Hier und Jetzt kommt der Leere schon sehr nahe. »Leere ist nicht ‚Nichts' «, schreibt der Münchner Religionswissenschaftler Michael von Brück, »sie hat auch nichts mit Nihilismus zu tun, sondern besagt nichts anderes als: die Dinge – und vor allem das Ich - haben keine Existenz in und aus sich selbst, sondern sie hängen voneinander ab. Und die gegenseitige Bedingtheit aller Erscheinungen der Welt ist nichts anderes als ihre ‚Leere in bezug auf inhärente Existenz' , wie man im Buddhismus sagt.«
Der Buddhismus hat das Selbst im Hinduismus, Atman genannt, in sein Gegenteil gekehrt: ins An-Atman, das Nicht-Ich oder Nicht-Selbst. Der Hinduist spricht vom Atman als göttlichen Tropfen, der ins Meer, in die Ur-Gottheit oder Brahman, zurückfließt. Für den Buddhisten drückt sich in dem Selbst nur eine Scheinwirklichkeit aus. Erst wenn wir dies einsehen, lehrt er, wird unser Leiden und damit unser Karma ein Ende haben.
»Unsere christliche Seelenvorstellung versteht das Ich im Gegensatz dazu«, geht Peter Grieder auf die Frage nach dem Ich ein, »als eine Monade, die irgendwo herumschwebt, die dann ins Jenseits hinübergeht und auf alle Zeit ihre Persönlichkeit beibehält. Der Buddhist bezeichnet das Ich dagegen als einen Bewußtseinsstrom, als Namshe.«
Wieder findet er ein Bild, um diesen neu ins Gespräch kommende Begriff zu erklären. Diesmal ist es das Billardspiel. Eine erste Kugel bringt durch ihren Anstoß weitere in Bewegung bis vielleicht die vierte Kugel in einem der Löcher des Billardtisches verschwindet. Was fließt vom Anstoß der ersten Kugel bis zum Fall der letzten Kugel durch den ganzen Prozess hindurch?
»Da fließt etwas ganz Präzises hindurch, das auf die Stärke meines Stosses, auf die Spitze meines Billardstockes, auf meine Gemütslage usw. zurückgeht. Alles geht mit und wirkt sich bis auf die letzte Kugel aus. Das bezeichnet man im Buddhismus als Namshe, als einen Energiestrom. Er kommt nirgendwo selbst zum Vorschein, ist aber sehr genau definiert.«
Doch Peter Grieder glaubt auch – und hier spricht er noch einmal die Anthroposophie an -, daß es wichtig sei, erst einmal sein Ich zu entwickeln, bevor es wieder losgelassen werden kann. Diesem Manko ist er besonders bei den tibetischen Familien begegnet, die bis heute noch stark in ihrer Sippe verhaftet sind.
»In dem Moment, wo man sein Ich wirklich erkennt, entgleitet es einem womöglich schon wieder. Man erkennt, daß es nur Teil eines Ganzen ist. Warum soll ich mich mit dem Teil zufriedengeben? Aber das Ganze kann auch Todesängste wecken. Der indische Dichter Nabindra Tagore hat eine Novelle über einen nach Gott suchenden Wandermönch geschrieben. Darin beschreibt er, wie dieser Gottsucher oben am Ende einer großen Treppe ein Schild sieht, auf dem steht:
‚Hier wohnt Gott' . Als er beginnt, die Treppe hinaufzusteigen, schießen ihm alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Es wird ihm immer unheimlicher, weil er sich sagt: ‚Wenn es wahr ist, daß ich dort oben Gott finden werde, wo wäre ich dann noch, wo wäre mein allergrößter Wunsch, Gott zu suchen? Alles wäre weg.' – Er müßte alles zurücklassen, um alles zu gewinnen. Der Dichter erzählt dann, wie er sich auf der vorletzten Stufe die Schuhe auszieht, damit ihm niemand vorzeitig die Türe öffnet, sich herumdreht und schnell davonrennt. - Die Angst vor dem Auflösen ist die Angst dieses Gottsuchers, der sich dem Schild nähert: ‚Hier wohnt Gott' .

Literatur:

Peter Grieder: Tibet – Land zwischen Himmel und Erde; eine Reise nach Innen. Walter-Verlag, Olten 1990, 187 S. mit 160 Farbfotos, 84,- DM.
Regina und Michael von Brück: Die Welt des tibetischen Buddhismus; Eine Begegnung. Koesel-Verlag, München 1996, 29,80 DM.
Dalai Lama: Einführung in den Buddhismus; Die Harvard-Vorlesungen. Herder Spektrum, Freiburg i. Br. 1993, 19,80 DM.

Das Klösterliche Tibet-Institut in Rikon, Schweiz, kann auf schriftliche Anmeldung hin jeden ersten Samstag im Monat zwischen 14 bis 17 Uhr besucht werden. Tel.: 0041-52-383 17 29.



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