Aus der Neuen Solidarität Nr. 32/2001:

Toni Negri und sein "linkes" Imperium

Einer der Ideologen der "neuen globalen 68er", der Terroristen-Kontrolleur Toni Negri, hat bezeichnenderweise in der anglo-amerikanischen Establishmentpresse ein neues Propagandaforum gefunden. Am 25. Juli in der New York Times und am darauffolgenden Tag in der International Herald Tribune erschien eine von Toni Negri und seinem Schüler Michael Hardt unterzeichnete Kolumne, worin behauptet wird, die neue Protestbewegung sei gar nicht gegen die Globalisierung. "Unter Anti-Globalisierung läßt sich der Protest weder in Genua noch in Göteborg, Quebec, Prag oder Seattle einordnen", schreiben Negri und Hardt. Die Demonstranten seien zwar geschlossen gegen die derzeitige Form der kapitalistischen Globalisierung, aber die große Mehrheit sei nicht gegen globalisierende Bestrebungen und -kräfte an sich und sollte deshalb nicht als Anti-Globalisierungsbewegung bezeichnet werden. Sie sei eine "alternative Globalisierungsbewegung".

In dem letztes Jahr bei Oxford University Press erschienenen Buch Empire erläutern Negri und Hardt genauer, was sie meinen. Die Globalisierung sei die neue Form eines Imperiums, heißt es dort, was gut sei, weil dadurch der Nationalstaat abgelöst werde. "Wir möchten betonen, daß die Errichtung eines Imperiums ein Schritt nach vorne ist, um mit der Nostalgie der Machtstrukturen aufzuräumen, die ihm vorausgingen, und lehnen jede politische Strategie ab, die eine Rückkehr zu alten Vereinbarungen beinhaltet, wie der Versuch, den Nationalstaat gegen den Kapitalismus zu wenden."

In einem Interview mit Corriere della Sera vom 30. Juli fügte Negri hinzu: "Der Nationalstaat war immer ein Feind... das Vaterland wird in unserem Buch geächtet; Millionen sind in seinem Namen umgekommen; Arbeiterkämpfe haben uns glücklicherweise vom Vaterland und der Nation befreit. Daher ist das Imperium willkommen." Es bleibt indes unklar, ob Negris Imperium dem römischen oder dem byzantinischen Modell folgen solle. Das römische habe einige Unzulänglichkeiten, meint er: "Heute leben wir in einem aristokratischen Imperium der Multis. Sich auf ein militärisches Imperium zu stützen, ist sowohl für die ,Aristokraten' ein Risiko als auch die Menge." Und weiter: "Die Globalisierung bietet der Menge ungeheure Möglichkeiten. Selbst wenn es kein Winterpalais mehr gibt... Wir sind sicher noch vor 1789, aber 1789 ist vielleicht sehr nahe."

Daß Toni Negri, der in den 70er Jahren als Anführer der Roten Brigaden und Autonomen Italiens zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, angesichts der jüngsten Gewaltunruhen von der Presse so gefördert wird, muß Alarm auslösen. Offenbar fungiert er in seinem luxuriösen Hausarrest immer noch als Terrorismus-Ideologe - heute für die "Enkel" der Autonomen Bewegung.

ccc

 

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