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Dingel und sein Wasserauto
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Auszug aus der Auto-Bildzeitung Seite 36, Nr. 43 vom 26.10.2001:
Wo steckt der Kauz? Ist Dingel etwa tot? Oder vom Geheimdienst
verschleppt? Hat der mysteriöse Erfinder eines Motors, der nur mit ganz
normalem Leitungswasser funktionieren soll, dafür büßen müssen. dass er
der Ölindustrie das Milliardengeschäft versauen könnte?
Oder wurde ihm mit viel Geld der Mund gestopft?
Wild wabern die Gerüchte um den philippinischen Daniel Düsentrieb.
Mehrmals haben wir exklusiv über Daniel Dingel berichtet und sind als
einzige knapp 200 Kilometer mit ihm und seinem Toyota Corolla „powered
by ordinary water" gefahren. Jetzt war es an der Zeit, den wilden
Spekulationen um Dingel nachzugehen.
Erneut sind wir auf den Philippinen, in Manila. Wiedersehen mit einem
quicklebendigen, aber äußerst schlecht gelaunten Menschen. Dingel (70),
wie immer in Jeans und T-Shirt: „Woher diese Gerüchte kommen, weiß ich
nicht. Alles Quatsch. Was ich aber weiß, ist dass mir die Lust auf
europäische Investoren gründlich vergangen ist. Die wollen meine
Erfindung für lau abzocken!" Was ist geschehen? Dingel, grantig und
verletzt: „Mich wollten zwar schon viele beklauen. Am schlimmsten aber
trieben es zwei Schweizer, angeblich selbst Wasserstoffauto-Erfinder.
Die tauchten hier bei mir auf, erschlichen sich mein Vertrauen, um dann
hemmungslos meine Erfindung zu kopieren. Zuerst fragten sie mir Löcher
in den Bauch, interessierten sich für den Reaktor im Motorraum. Dann,
als ich sie nicht in alle meine Geheimnisse einweihen wollte, wurden sie
ausfallend. Ich schmiss sie raus. Sie beschimpften mich von der Straße
aus mit
„Dich machen wir fertig“ und „Du bist erledigt“. „Die machten mir
richtig Angst.“
Dingels Dilemma: Misstrauen statt Unternehmergeist
Dingel, stinksauer: „Meine Geduld ist erschöpft. Ich will mit all diesen
Menschen nichts mehr zu tun haben.“ Sein Geschäftspartner kann den
Ingenieur, den auf den Philippinen jedes Kind kennt, gut verstehen.
Obwohl Juan Vargas lieber heute als morgen ins Millionen-Dollar-Business
mit dem Wasser-Motor einsteigen würde, sagt er: „Von allen Seiten und
von allen Kontinenten prasseln Angebote auf ihn herab. Sie alle lassen
es allerdings an seiner Hauptforderung fehlen. Sie heißt Vertrauen.
Vertrauen zu ihm und zu seiner Erfindung."
Na ja, wer will es ihnen verdenken? Die angebliche Erfindung ist so
bizarr, dass Misstrauen durchaus angesagt ist:
Nach jahrzehntelangen Versuchen will Dingel es geschafft haben, dass
sein Corolla mit an Bord erzeugtem Wasserstoff läuft, weder Benzin noch
Methanol oder Erdgas als Treibstoff braucht. Nur H2O (Wasser) und einen
geheimnisvollen „Konverter“. Zu schön, um wahr zu sein?
Tatsache ist, dass AUTO Bild-Reporter Jörg Wigand auf mehreren Fahrten
mit ihm im Großraum Manila sowie bei Überlandtrips auf der Autobahn
keinen Verbrennungsgeruch feststellen konnte. Tatsache ist, dass mehrere
Investorengruppen nach kürzeren Testfahrten mit Dingel so von seiner
Erfindung überzeugt waren, dass sie Vorverträge in Millionenhöhe
angeboten haben.
Partner Vargas: „Einen davon habe ich schon unterschrieben, so gut ist
er. Was fehlt, ist Mr. Dingels Unterschrift."
Tatsache ist aber auch, dass sich Dingel bislang jedem ernsthaften Test
oder dem Prozess der Patentierung verweigert hat. Die einzige
mehrstündige Prüfung des Motors wurde in einer BMW-Niederlassung in
Manila von einheimischen Ingenieuren vorgenommen. Das Resultat: Alle
Ingenieure waren von der Erfindung überzeugt. Warum also zögert er mit
der Weiterentwicklung?
„Weil meine Erfindung so simpel ist, dass jedermann nur lachen würde,
wenn ich sie veröffentliche. Sie beruht nur auf gesundem
Menschenverstand, nicht auf innovativem Ingenieurwissen. Wie soll man so
etwas patentieren lassen?"
Dingels Dilemma, es scheint nicht lösbar. Vor allem nicht, wenn man ihn
unter Druck setzt. Der Mann braucht Zeit und Ruhe- Oder eine Eingebung.
wie er aus dieser Geschichte wieder rauskommt.
2 neue Bilder hierzu unter
www.s-line.de/homepages/keppler/wasserauto.htm
[Uebersicht]