Spardieseltüftler kämpft für seine Idee
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Auszug aus dem Allgäuer Anzeigenblatt
Gerhard Mederers 3,5-Liter-Motor will keiner haben
Es klingt wie ein schlechter Scherz: Da baut ein Tüftler einen Motor,
der extrem sparsam, schadstoffarm und ohne Umstellung mit Diesel oder
Pflanzenöl zu fahren ist. Patente liegen vor, TÜV-Testate und mehrere
Auszeichnungen bestätigen die Qualität des Motor? - doch keiner will ihn
bauen,
Ich hab' mit vielen Firmen verhandelt, - ob Mercedes, VW, Audi,
Mitsubishi oder SMW*, erzählt der m Seltmans lebende Statiker Gerhard
Mederer. „Die Techniker waren nach anfänglichen Zweifeln immer
begeistert." Doch wenn es um die konkrete Umsetzung ging, verlief die
Sache im Sand. Mederer vermutet, dass in den Unternehmen „von oben"
gebremst worden sei. Vielleicht bestehe gar kein echtes Interesse, einen
sparsamen Motor zu bauen, spekuliert er,
Schon in den 70er Jahren wollte sich der Tüftler mit dem hohen
Kraftstoffverbrauch seines Diesels nicht abfinden. Nach zähem Probieren,
Rechnen und Zeichnen kam der gebürtige Mittelfranke auf den „Knick": die
starre Pleuelstange, die im Ottomotor Kolben und Kurbelwelle verbindet,
ersetzte er durch ein zweigeteiltes Pleuel mit Gelenk. Dieses
„Knickpleuel" läßt den Kolben länger am oberen Totpunkt verweilen, wo
der Druck am höchsten ist. Für die Verbrennung im Kolben bleibt damit
mehr Zeit, Zusätzlich verbessert das geteilte Pleuel die
Kraftübertragung auf die Kurbelwelle. Beide Effekte steigern die
Motorleistung bei gleichem Verbrauch.
Am Modell zeigt Gerhard Mederer das Prinzip eines Knickpleuel-Motors:
die Pleuelstange ist geteilt und durch ein Gelenk verbunden. Dieses ist
mit einem Schwenkhebel gekoppelt, der am Motorblock verankert Ist. Durch
den Knick bleibt der Kolben langer am oberen Totpunkt als beim starren
Pleuel. Das begünstige die Verbrennung und verbessert die
Kraftübertragung auf die Kurbelwelle
Dass eine Konstruktion - seit 1980 patentiert - innovativ ist, wurde dem
59-Jährigen mehrfach bescheinigt. Etwa durch eine Goldmedaille auf der
Erfindermesse 1991 in Nürnberg oder durch einen Staatspreis auf der
Internationalen Handwerksmesse in München.
„Ich habe die schönste Zeit meines Lebens investiert", gesteht Mederer.
,jetzt will ich auch weitermachen." Seinen Beruf hat er aufgegeben und
sein Vermögen in die Umsetzung seiner Idee investiert. Weder
Enttäuschungen, » Unverständnis noch Drohungen konnten ihn von seinem
Weg abbringen. Jetzt, angesichts der gestiegenen Treibstoffpreise,
findet er es an der Zeit, selbst eine kleine Serie »einer Motoren zu
produzieren.
Im Weitnauer Ortsteil Seltmans hat der Erfinder in der ehemaligen
Papierfabrik eine Werkstatt angemietet. Prüfstände und Maschinen stehen
bereit. Auch sein Mercedes 190 D, dessen Motor er vor Jahren mit dem
Knickpleuel ausgerüstet und getestet hat, „200000 Kilometer bin ich
damit gefahren", so Mederer.
Bei Tempo 90 verbrauche der modifizierte Dieselmotor nur 3,57 Liter auf
100 Kilometer, während der Serienmotor immerhin 5.6 Liter schluckte.
Nicht zu glauben? Der Erfinder legt die Vergleichsmessungen des TÜV
Bayern vor. 18 bis 55 Prozent weniger Verbrauch, Reduzierung der
Schadstoffe und Russpartikel um 40 beziehungsweise- 60 Prozent, bei
gleichem Verbrauch 37 Prozent mehr Leistung.
Zurzeit arbeitet der Tüftler an seinem jüngsten „Kind": ein
Zwei-Zylinder-Motor, der „genauso rund lauft wie ein Vier-Zylinder*',
aber viel weniger Diesel verbraucht. „In einem 600 bis 700 Kilogramm
schweren Fahrzeug käme man auf einen Verbrauch von ein bis zwei
Litern'*, hat Mederer errechnet. „Und das bei einer Leistung von 60 bis
100 PS"
In Seltmanns hat er mittlerweile ein Gewerbe angemeldet und rüstet
herkömmliche Dieselmotoren von VW und Mercedes auf Pflanzenöl-Betrieb
um. Dieser Broterwerb soll Ihm Spielraum schaffen, seiner Berufung zu
folgen: Er will seinen Motor unter die Leute bringen. Denn das
Knickpleuel könne nicht nur Autofahrern viel Geld, sondern auch der
Umwelt eine Menge Schadstoffe ersparen und die Ölreserven schonen. „Ich
will doch, daß» die Generationen nach uns auch noch Auto fahren können
[Uebersicht]
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