aus AEGIS IMPULS 11 / 2002

Hyperaktivität - RitalinR- Kriminalität?

Franz Horst Wimmer, Kriminalhauptkommissar - Fürth

„Ritalin®", Psychopharmaka, Hyperaktivität ? Was hat ein praktizierender Kriminalist wohl mit diesen Begriffen zu tun? Beugt sich da einer zu weit aus dem Fenster und bleibt nicht bei „seinen Leisten", um ein altes Sprichwort zu strapazieren ? Wohl kaum, denn jeder verantwortungsvolle Kriminalist bedient sich der Erkenntnisse der Kriminologie um Strategien zur Verbrechensbekämpfung zu entwickeln, oder gar schon die Entstehung von Verbrechen oder delin-quentem Verhalten im Keim zu erkennen und durch gezielte Maßnahmen zu verhindern. Oft genug arbeitet er sogar selbst an kriminologischen Konzepten mit.

Einführung

Vorbeugung sagt man, sei die vornehmste Aufgabe der Polizei. Doch was tut ein Kriminalist wenn er einen Verdacht hegt? Er ermittelt, um letztlich ein Ergebnis zu erhalten, das ihn in die Lage versetzt zu sagen ob der Verdacht begründet ist und der „Täter" der „Tat" ü-berführt werden kann oder nicht. Dazu besteht in Deutschland nach § 163 StPO eine Verpflichtung, d.h. es besteht ein Strafverfolgungszwang für die Polizei oder den Kriminalbeamten. Bei seinen Ermittlungen hat er sowohl be- als auch entlastende Kriterien zu berücksichtigen und in das Ermittlungsverfahren einzubringen.

Sie fragen nach strafrechtlichen oder kriminologischen Zusammenhängen? Bei der Behandlung und der daraus resultierenden Medikamentierung mit Ritalin® und anderen Psychopharmaka besteht der Verdacht, dass viele negative Folgen für den Konsumenten entstehen könnten. Dieser Verdacht ist strafrechtlich momentan (noch) nicht fassbar. Dennoch melden sich weltweit zahlreiche Ritalin-Kritiker, wobei Ritalin® hierbei als Synonym für andere Psychopharmaka stehen könnte, mit denen hyperkynetische Kinder behandelt werden und erhärten diesen Verdacht, dass Ritalin® zu oft verordnet wird ohne, dass tatsächlich ein hyperkyneti-sches Krankheitsbild vorliegt, oder, dass Langzeitschäden, wie Parkinson (siehe dazu arznei-telegramm 2002/Jahrgang 33 Nr. 1) sonstige Hirnschäden, Drogensucht, Gewaltkriminalität entstehen könnten und zwar in einer nicht zu tolerierenden Häufigkeit. Sollte sich der Verdacht bestätigen, was aufgrund der Arbeiten von Dr. Kremer (Barcelona) und Prof. Hüther von der Uni Gießen immer wahrscheinlicher wird, ist eine straf- oder zivilrechtliche Betrachtung des Problemkreises sehr wahrscheinlich. Im Bereich des Straßenverkehrs und der Drogenproblematik haben wir längst ein juristisches Problem. Dies ist aber vielen Betroffenen und auch ihren Ärzten nicht bewusst. Diesen Verdacht gilt es zu entkräften oder zu bestätigen und dann entsprechende Schritte einzuleiten. Doch zuerst ist umfassende Aufklärung nötig. Denn bei einer geschätzten Zahl von ADS-Kindera, weltweit 10 Millionen, die wegen eines Aufmerksamkeitsdefizits oder einem hyperaktiven Krankheitsbild mit Methylphenitat behandelt werden und eine für Deutschland im Jahr 2001 zu

erwartenden Verdoppelung der Ver-schreibungshäufigkeit muss gehandelt werden (Quelle: arznei-telegramm 2002/Jahrgang 33/Nr. l). Die zum Teil unkritische Verschreibung von Ritalin® und die wenigen vorliegenden Erkenntnisse über die Gehirnentwicklung nach der Einnahme dieses Medikamentes, speziell im Kindesalter, stehen im krassen Widerspruch. Wir versuchen eine Langzeitstudie zu erreichen, um Schaden von allen Beteiligten abzuwenden. Genau dies versuche ich gerade zusammen mit Frau Dr. Hedwig Vogl, meiner Partnerin, die als niedergelassene Medizinerin einige Alternativen angewendet und dabei großen Erfolg bei der Behandlung erzielt hat. Dabei ist auf keinen Fall unsere Absicht „besserwisserisch" auf Schulmedizin oder Pharmaindustrie zu schimpfen, ohne bessere Möglichkeit der Behandlung von hyperaktiven Kindern und ihrer oft leidgeplagten Eltern anbieten zu können. Nein, wir wollen einen juristisch ausgedrückt, begründeten Anfangsverdacht ausräumen oder bestätigen, um dann weitere Maßnahmen veranlassen zu können.

Psychopharmaka und Gewalt?

Ritalin® ist ein amfetaminhaltiges Präparat. Welche Auswirkungen die Am-fetaminaufnahme auf den einzelnen Menschen haben kann, kann ich aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit in einem Rauschgiftkommissariat, losgelöst von wissenschaftlich und pseudowissenschaftlichen Stellungnahmen vermeintlich Sachkundiger sehr wohl beurteilen. Der aus Amerika nach Europa gereiste Verdacht, dass die „US-Killerkids" der letzten Jahre häufig als hyperaktiv eingestuft waren und mit Psychopharmaka wie Ritalin® behandelt worden sind, ehe sie die schrecklichen Gewalttaten verübten, müsste auch erforscht werden und Kritiker unserer Vorhabens veranlassen, nachzudenken und alles zu unternehmen, um die Ursachen der Entstehung hyperaktiver Verhaltensweisen zu erforschen und Therapiemöglichkeiten auszunutzen, die nicht diesen schrecklichen Verdacht der Förderung von Kriminalität begründen. Erst wenn der Verdacht - wissenschaftlich fundiert - ausgeräumt ist, darf ein derartig fragwürdiges Medikament weiterverordnet werden.

Einschränkungen in Skandinavien

Hier möchte ich auf die Verfahrensweise in Schweden und Finnland hinweisen, wo wirksame Verordnungsbeschran-kungen bestehen. Dort muss jede einzelne Behandlung von der Behörde genehmigt werden. Ein schriftlicher Antrag (Ausnahme sind spezialisierte Zentren) mit detaillierten Begründungen, neurologisch-psychiatrischen Befunden und nicht medikamentöse Maßnahmen sind erforderlich. Eine Lizenz für die Behandlung wird für ein Jahr, manchmal auch nur für 4 bis 6 Monate erteilt. Zur Lizenzverlängerung sind die Kindesentwicklung und potentielle Nebenwirkungen zu dokumentieren. (Quelle: arznei-telegramm 2002/Jg. 33 Nr. 1). Auch die Drogenbeauftragte der Bundesrepublik Deutschland plant ähnliche Maßnahmen für unser Land. Warum wohl? Wohl kaum, weil die Ritalin-Einnahme so ungefährlich ist.

Wie Hypothese zum Gesetz wird

Erlauben Sie mir hier an dieser Stelle auch noch ein Wort zur Wissenschaftlichkeit einiger Gutachten. Ich will hier nicht alles anzweifeln, denn auch ich bediene mich gewisser Gesetzmäßigkeiten bei der Abhandlung von Problemen. Dennoch finde ich fatal, dass heute Ärzte und The-rapeuten, aber vor allem auch erkrankte Menschen oder im Falle hyperaktiver Kinder, deren Eltern, aufgrund einer oft fehlgeleiteten Konditionierung fast reflexartig gegen die Krankheit arbeiten, statt sich zu besinnen. Oft werden wissenschaftliche Erkenntnisse als Begründung für ein gewisses Tun oder Unterlassen angeführt. Doch - nur zum Nachdenken - wie entstehen wissenschaftliche Gutachten oder Erkenntnisse? Eine Situation wird beobachtet, die Folge ist eine Hypothese, die von „allen" denkbaren Perspektiven durchdacht wird, was dann in eine Theorie mündet. Hier sind bereits die ersten Fehlerquellen möglich, da unter Umständen eine wichtige Perspektive übersehen wird. Bewährt sich dann die entstandene Theorie in der Praxis und die Ergebnisse bestätigen die Theorie zu einem hohen Prozentsatz, wird aus dieser Theorie ein wissenschaftliches Gesetz. D.h. die Wissenschaft arbeitet aufgrund ihrer eigenen geschaffenen Gesetzmäßigkeit. Die, aus welchen Gründen auch immer, unberücksichtigten Denkmodelle, die zu Fehlern führen, sind von dem wissenschaftlichen Gesetz internalisiert. Als Beispiele mochte ich nur ganz kurz die Einführung von Heroin als Ersatzmedikament für Morphium anführen und auch die Contergan-Problematik ins Gedächtnis zurückrufen.

Wie erwähnt will ich nicht alles in Frage stellen, doch es sei hier erlaubt, auf die möglichen Fehlerquellen auch in fundierten wissenschaftlichen Gutachten hinzuweisen. Oder würden Sie gerne im Flugzeug oder InterCity sitzen, wenn diese Verkehrsmittel von einem langjährigen Amfetaminkonsumenten geführt würden? Und wie sehen Sie die Frage bei Personen die Autos fahren, Flugzeuge und Züge steuern, nachdem sie jahrlang amfetaminhaltige Medikamente eingenommen und ihre Fahrerlaubnis nur deshalb erhalten haben, weil beim Antrag auf „Erteilung einer Fahrerlaubnis" nur nach dem Vorliegen von körperlichen und geistigen Mangeln gefragt wird. Würde die Kreisverwaltungsbehörde vom Amfetaminkonsum erfahren, dürfte sie die Fahrerlaubnis erst nach entsprechenden Prüfungen und dem Nachweis der „Drogenfreiheit" erteilen. Erlaubnisscheine deutscher Behörden, die die Teilnahme am Straßenverkehr gestatten, befreien zwar vom Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit - jedoch weißt die Konsumenten kaum jemand darauf hin, dass bei einem schweren Unfall das festgestellte Amfetamin im Blut massive rechtliche Probleme bereiten kann.

Hyperaktivität

Als ich nach meinem Fachstudium im Jahre 1990 erstmals mit dem Thema Hyperaktivität konfrontiert war, hatte ich noch nicht begriffen, welche Flut an Informationen, aber auch an Arbeit auf mich zukommen wird, wenn ich mich, meinem Auftrag der Strafprozessordnung entsprechend, mit den belastenden und den entlastenden Fakten des, durch eine Mutter, an mich herangetragenen Fall beschäftige. Die Frau war bei mir auf der Dienststelle erscheinen und hatte ihren Sohn, einen zwanzigjährigen jungen Mann wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angezeigt, weil sie der Meinung war, sie müsse ein Zeichen setzen, da ihr Sohn durch das „verantwortungslose Bombardieren" mit Ritalin® — und das über einen Zeitraum von über 10 Jahren — durch den behandelnden Arzt in die Drogensucht und die kriminelle Szene abgerutscht war und auch noch den Führerschein erwerben wollte.

RITALIN? Ich hatte erstmals von diesem Medikament gehört, konnte aber schnell feststellen, dass es sich um ein amfetaminhaltiges Medikament handelt, welches bei Patienten mit hyperkyneti-schem Syndrom eine paradoxe Reaktion auslösen soll und somit den „Zappelphilipp" in ein ruhiges Kind verwandelt, das in der Lage ist, aufmerksamer und konzentrierter am Schulgeschehen teilzunehmen und dadurch Eltern und Lehrer entlastet und ihnen Zeit zum „Verschnaufen" gibt. Ausgelöst durch die Bedenken der Mutter, die vor der Anzeigeerstattung in einer Initiative für hyperaktive Kinder engagiert war, ließ ich nach Rücksprache mit dem zuständigen Staatsanwalt ein „Einzelgutachten" erstellen. Als Ergebnis blieb festzuhalten, dass der untersuchte junge Mann nicht zivil- und militärdiensttauglich war und ihm zusätzlich „verminderte Schuldfähigkeit" bescheinigt wurde. Er wurde dennoch zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, was in vielen Fällen zur Folge hat, dass die entsprechenden Kreisverwaltungsbehörden beim Vorliegen eines Antrages auf Erteilung einer Fahrerlaubnis verschiedenste Untersuchungen verlangen können und nach Vorliegen der Ergebnisse oft genug die Erteilung der beantragten Erlaubnis versagen. Zugegebenerweise ein Einzelfall - zunächst.

In der Folgezeit beschäftigte ich mich intensiv mit dem Thema Hyperaktivität, zu mal ich im Rahmen meiner Ausbildung zum Psychokinesiologen, die ich neben meinem Beruf absolvierte, auch auf das Thema stieß und u.a. durch Dr. Klinghardt (Seattle/USA) auf die in den USA diskutierten Problemfelder der „Hyperaktivität" und des Ritalin®, sowie anderer Psychopharmaka aufmerksam wurde.

Durch meine über 20jährige Tätigkeit im Bereich der Rauschgiftbekämpfung, wobei ich einen großen Teil dieser Zeit im sogenannten „verdeckten Bereich" eingesetzt war und dabei losgelöst von allen möglichen wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Thesen die Wirkungsweise von Amfetamin und Kokain kennen lernte und auch mit den Problemen der Dauerkonsumenten betraut war, weiß ich um die Gefahren des Konsums von Amfetamin. Auch die Probleme der „Techno-Generation" und der von ihr als ungefährlich und „cool" eingestuften Ecstasy sind mir hinreichend bekannt

Wie wirkt RITALIN® — wie wirken Amfetamine allgemein

Umso mehr wunderte ich mich über die bedenkenlose Verordnung von Amfe-taminpräparaten an Kindern und die ständig steigende Zahl der „angeblich" diagnostizierten Krankheitsbilder. Dabei sind in letzter Konsequenz die Eltern verantwortlich für die Zukunft ihrer Kinder und dazu gehört natürlich auch die Verantwortung für entsprechende, von einem Arzt empfohlene Maßnahmen. Warum wohl muss ein Patient der operiert werden muss unterschreiben, dass er über die Risiken aufgeklärt wurde und dennoch sein Einverständnis gibt? Weil der behandelnde Arzt aus der Verantwortung genommen werden muss. Lediglich Kunstfehler sind angreifbar, wobei hier die Beweisführung außerordentlich schwer ist. Amfetamine haben, so kann man in wissenschaftlichen Arbeiten nachlesen, aufputschende Wirkung, erhöhen die Leistungsbereitschaft. Die Folgen sind nach dem Rausch depressives Verhalten, völlige Erschöpfung (Amfetaminkonsu-menten schlafen oft 2 Tage und mehr) und ein immenser Hunger auf Süßes, um nur einige Fakten aus der Praxis zu nennen. Todesfälle, jahrelange Versuche von der Droge wegzukommen, Lebensunfähigkeit sind tragische Folgen unter denen betroffene Konsumenten zu leiden haben. Doch das sind alles Verdachtsmomente, die es zu bearbeiten gilt, um letztlich -vielleicht - eine verbindliche Aussage zu Ritalin® treffen zu können.

Die Kriminologie und ihre Arbeitsweise

Die Kriminologie ist eine sogenannte Erfahrungswissenschaft, die sich vereinfacht ausgedrückt mit dem Begriff/Gegenstand, Umfang, Erscheinungsformen und Täter/Opfer (Phänomeno-logie), der Entstehung (Person, Situation, Sozialkontrolle, Ätiologie) und den entsprechenden B ekämpfungs Strategien beschäftigt. Sie ist eine Wissenschaft, die auf Bezugswissenschaften wie die Medizin, die Soziologie oder die Psychologie, um einige wenige zu nennen, zurückgreift.

Für mich stellte sich das Problem, wie man Kindern und Jugendlichen mit ständig wachsender Zunahme ein Medikament verabreichen kann, dass bei meinem gewöhnlichem Klientel, also Drogensüchtigen die oft alles daran setzen wieder von „der" Droge loszukommen, starke Entzugssymptomatik hervorruft und die Konsumenten oft zu Marionetten ihres Drogenrausches macht, die losgelöst von den pseudowissenschaftlich aufbereiteten Erfahrungsberichten und Therapeu-ten mit sehr kurzweiliger Erfahrung, stehlen, rauben, erpressen und sonstige Gewalttaten verüben, die sie später sehr bereuen ohne sie rückgängig machen zu können oder gar nicht bewusst wahrgenommen haben. Deshalb bemühe ich mich - ohne Anspruch auf Wissenschaftliehe Gültigkeit - mich der Methodik der Kriminologie zur Abhandlung der hier diskutierten Problematik zu bedienen, im arznei-telegramm von August 99 konnte ich nachlesen, dass Ritalin® an niedersächsischen Schulen als sogenanntes „Vitamin R", illegal in Schülerkreisen gehandelt wird. Einer amerikanische Studie zufolge nehmen viele amerikanische Highschool-Schüler Ritalin® als Ersatzdroge. Ich versuchte ein Institut zu finden, das sich zu einer Langzeitstudie entschließen kann, hatte aber trotz anfänglich, stärkstem Interesse, kein Glück. So entschloss ich mich auf eigene Faust -nach kriminologischem Schema - Informationen zu sammeln. Die mir sicherlich fehlenden medizinischen Grundlagen-Kenntnisse brachte dann aber meine Lebensgefährtin ein, die sich als niedergelassene Schulmedizinerin seit über 16 Jahren alternativen Behandlungsmethoden verschrieben hat und aufgrund ihrer empirischen Werte im Bereich der Behandlung hyperaktiver Kinder sehr wohl Auskunft über die alternativen Möglichkeiten im Umgang und der Behandlung von Hyperaktiven geben kann. Was wir bisher unter den besagten kriminologischen Kriterien in Erfahrung bringen konnten, möchte ich Ihnen nachfolgend schildern:

Anzahl der hyperaktiven

und ADS-Kinder / Verschreibungshäufigkeit

Nach Veröffentlichungen in einer Sonderbeilage der Washington Post vom 28.06.99 sind in den USA 3.485.000 Kinder als hyperaktiv eingestuft und auf Ritalin® - in Deutschland stieg die Ritalm-Verordnung nach einem Artikel von Dr. med. Heinrich Kremer (Raum&Zeit 115/2002) von 4,7 Millionen Tagesdosis im Jahre 1998 auf 8,4 Millionen Tages-

dosen 1999. Nach dem arznei-telegramm 2002 Jg. 33/Nr. l ist für das Jahr 2001 mit einer Verdoppelung im Verhältnis zu den Verschreibungen des Jahres 2000 zu rechnen. Andere Veröffentlichungen beschreiben ähnliche Erkenntnisse — Tendenz steigend. Doch woran kann es liegen, dass immer häufiger ADS und/oder hyperaktive Krankheitsbilder diagnostiziert werden? Einer Untersuchung von Prof. Dr. Friedrich - Universität Wien - nach sollen bei einer Nachuntersuchung von 2.500 als hyperaktiv eingestuften Kindern ganze 15 tatsächlich krank gewesen sein, bei einigen wenigen Prozent konnte zappeliges Verhalten nachgewiesen werden. In diesem Zusammenhang ist aber unbedingt die Frage abzuklären, welcher Parameter den Untersuchungen und den daraus resultierenden Diagnosen zugrundegelegt worden ist. Bei unseren Recherchen konnten wir feststellen, dass in einigen Fällen Ritalin® aufgrund der Schilderung der Eltern, die sich oft genug an den Verhaltensbeschreibungen der Lehrer ihrer Kinder orientieren, verordnet wurden und umfangreiche Untersuchungen, wie z.B. an der Universitätsklinik Frankfurt, wo Kinder einer mehrtägigen Prozedur ausgesetzt sind, unterblieben (Quelle Raum&Zeit Nr. 114/2001). Deshalb ist in diesem Zusammenhang schon einmal anzuzweifeln, ob tatsächlich die oft geschilderte Zunahme von hyperaktiven Kindern zu verzeichnen ist. Aus diesem Grund muss die Forderung lauten, dass Krankenkassen, Ärzte-verbände und sonstige therapeutische Interessen- oder Beruf s verbände ihre Mitglieder anweisen, genauste Untersuchungen durchzuführen und eine einheitliche Regelung zu treffen, was die Untersuchungsmethode von vermeintlich be-

troffenen Kindern anbelangt. Die Forderung nach einem einheitlichen Parameter für die Untersuchung der betroffenen Patienten ist deshalb sicher sinnvoll oder gar unbedingt Voraussetzung für eine Medikamentierung. Nicht umsonst ist Ritalin in Schweden seit einigen Jahren verboten und die AOK hat in verschiedenen Regionen Untersuchungskommissio-nen eingesetzt, die sich direkt und indirekt mit dem Thema „Hyperaktivität", Verschreibungshäufigkeit und ähnlichen Fragen beschäftigt.

Bei einer Verschreibungszahl von ca. 8,4 Millionen Tagesdosen Ritalin® im Jahr 1999 sogar ein rein wirtschaftliches Problem für die Krankenkassen und die Versicherten, den Kostenfaktor von Spätfolgen gar nicht mit einkalkuliert. Doch welche Formen der Kriminalität kann Ritalin und andere Psychopharmaka auslösen und warum?

Erscheinungsbilder möglicher Straftaten durch Ritalin®

Vandalismus

Zu diesem Punkt liegen uns Unterlagen aus England vor. Dort ist ein britischer Kollege, der mit der Bearbeitung von Sachbeschädigungen, Autoaufbrüchen und ähnlichen Delikten beschäftigt war, nicht müde gewesen, diese meist jugendlichen „Straftäter" genau unter die Lupe zu nehmen und ihre Lebensgewohnheiten, ihr soziales Umfeld und die vermeintlichen Gründe für die Entgleisungen zu erforschen. Er kam zu dem Ergebnis, dass die unzureichende Ernährung dieser Jugendlichen der Auslöser für ihr wenig konformes Verhalten sein dürfte und probierte eine Ernährungsumstellung. Die Ergebnisse verblüfften ihn, denn es waren deutliche Verbesserungen festzustellen, wenn es um das Verhalten der Delinquenten ging. Der britische Kollege, der im übrigen von medizinisch ausgebildeten Fachleuten unterstützt worden ist, schloss daraus, dass seine Schützlinge, die häufig als hyperaktiv eingestuft waren, durch ein zuviel an „Süßigkeit" dieses aggressive Verhalten entwickelt haben, das letztendlich zur Verübung der Straftaten führte.

Hier sei angemerkt, dass auch in Deutschland einige Homöopathen und Naturheilkundler ähnliche Feststellungen getroffen haben und dann, wie z.B. der Heilpraktiker Klammenroth, der nach ausführlicher Anamnese ebenfalls mit Nahrungsumstellungen beste Erfolge erzielte und indirekt bewies, dass die von ihm behandelten Kinder nicht hyperaktiv waren, sondern ihr Verhalten aufgrund ihrer schlechten Ernährung geprägt war. Auch im Kursbuch Eltern:

Das hyperaktive Kind, das Frau Dr. Anne Calatin bereits 1992 veröffentlicht hat und das heute nicht mehr im Buchhandel erhältlich ist (Heyne Verlag) befasst sich, nahezu unbeachtet, mit diesem Thema.

Aggressionstaten gegen Menschen und Sachen

Durchforstet man die Bibliotheken verschiedener Landes- und Bundesbehörden, aber auch die der DEA (Drug En-forcment Administration), so wird man immer wieder auf Kapitalverbrechen stoßen, bei denen der begründete Verdacht besteht, dass die Einnahme von Ritalin® und/oder anderen Psychopharmaka in direkter aber auch in indirekter Verbindung mit diesen Straftaten steht. Der endgültige Beweis konnte nicht zweifelsfrei erbracht werden und ich bezweifle, ob dies je gelingen kann. Doch fest steht, dass viele Täter spektakulärer Kapitalverbrechen diese Taten unter dem Ein-fluss der heute in die Diskussion geratenen Medikamente verübten.

Hier scheinen Impfungen eine Rolle zu spielen und ein Hearing im amerikanischen Senat am 19.06.2002, bei dem angeblich der Zusammenhang zwischen Schwermetallen in Impfseren und der Häufigkeit der hyperkinetischen Erscheinungsformen diskutiert worden ist und mit einer Strafanzeige endete, sind es wert genauer nachzufragen und die Entwicklung zu beobachten.

Sicher spielen auch Faktoren wie soziales Umfeld, Charakter des Täters, Opferverhalten, Gewaltvideos usw. eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Dennoch möchte ich einige Fälle anführen, die den Leser in die Lage versetzen sollen, sich selbst Gedanken darüber zu machen, ob derartige Verdachtsmomente die Verschreibung von Millionen Verbrauchseinheiten des Ritalin® rechtfertigen. Im November 1999 berichtet die „Abendzeitung" München von Straftaten unter dem Einfluss von Psychopharmaka. Ich will dem Leser nur eine kleine Auflistung von grausamen Taten vorstellen.

Nov. 1992:

Lynwood Drake erschießt in Kalifornien 6 Menschen. Er stand unter Fluctin und Valium.

Mai 1998:

Der vierzehnjährige Kip Kinkel erschießt seine Eltern, zwei Mitschüler und verletzt weitere 22 Menschen schwer. Kinkel stand unter Ritalin® und Prozac.

Mai 1999:

Steve A. A. steuert sein Auto absichtlich auf einen Kinderspielplatz. Zwei Menschen sterben durch den unter „Lithium" stehenden Täter.

Die Aufstellung ließe sich durch die Vergewaltigung und Ermordung eines 7jährigen Mädchens auf einer Damentoilette durch einen achtzehnjährigen Täter, bei dem „ADS" diagnostiziert worden war, vervollständigen. Eine Woche lang hatte der Täter Tabletten eingenommen. Hinzukommen auch Gewalttaten und Verstöße gegen das Betaubungsmittelge-setz in Deutschland mit steigender Tendenz. Doch ich kann auch einige selbsterlebte bzw. recherchierte Fälle beschreiben, die zum Nachdenken anregen.

Von einer Mutter, die in meinem Dienstbereich lebt, erfuhr ich die Geschichte ihres inzwischen sechszehnjährigen Sohnes, der keine Berufsausbildung anstrebt, sie mittlerweile die Einnahme von Ritalin® ablehnt, weil er sich so fremdgesteuert fühlt und durch bisher 38 Straftaten - von Kaufhausdiebstählen, über sexuelle Belästigung von Kindern bis zum gewaltsamen „Ermorden" von Hunden und Katzen aufgefallen ist.

Unter massiver Entzugssymptomatik leidet er seit längerer Zeit, lässt sich aber nicht behandeln, da er Angst hat, man würde ihm wieder bewusstseinsverän-dernde Pillen geben. Der Bub fiel mit 3 Jahren als hyperaktives Kind auf. Mit 6 erhielt er aufgrund extremer Unkonzent-riertheit in der Schule „Ritalin". Die Schulleistungen wurden zunächst besser, fielen aber nach der dritten Klasse wieder ab. Die Aggressivität nahm zu, bis die Mutter nicht mehr mit dem Kind klar kam und ein Aufenthalt in einem Erziehungsheim folgte. Die Pillen wurden nur noch sehr unregelmäßig eingenommen -die Entzugsproblematik stellte sich ein. Diese Mutter gab eindeutig zu verstehen, dass ihr und ihrem Kind Ritalin® nichts gebracht hat und das Kind mittlerweile ein selbst für sich entscheidender Jugendlicher das Vertrauen zu „den" Ärzten verloren hat. Der Jugendliche ist mittlerweile — die Taten die vor dem 14. Lebensjahr bekannt wurden, weggelassen — 38 mal durch Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten.

Ein weiterer Fall den ich selbst erleben konnte, handelt von einem l Ojährigen, den sein Lehrer als hyperaktiv einge-

stuft hatte und von der Mutter die „Ritalin-Gabe" forderte. Der behandelnde Arzt verschrieb 2 Wochen lang Ritalin® -setzte das Medikament wegen unzureichender Erfolge wieder ab und suchte mit der berufstätigen Mutter einen geeigneten Hort, in dem der Bub nach der Schule und dem langen „sitzen müssen" erst mal toben und spielen kann, um dann von den Betreuern konsequent auf die Hausaufgaben vorbereitet zu werden, mit der Aussicht, nach erfolgreicher Hausaufgaben-Bewältigung erneut toben zu können. Seit der Bub derart betreut wird - unterstützt von Ergotherapie - ist er in der Schule weiterhin aufgefallen und zwar durch gute Leistungen.

Ein dritter und letzter Fall handelt von einem Mädchen, das in die Sonderschule abgeschoben worden war und unter Ritalin® stand. Durch die alternative Behandlung meiner Lebensgefährtin und ein konsequentes „Ausschleichen" der Medikamente besucht das Kind mittlerweile das Gymnasium und zeigt gute Leistungen.

Dem aufmerksamen Leser ist bei meinen beispielhaften Schilderungen sicher aufgefallen, dass nicht immer „nur" Rita-lin® in Zusammenhang mit den festgenommenen Straftätern stand. Auch andere Psychopharmaka spielten dabei eine Rolle, das soll klar zum Ausdruck gebracht werden und ist eines der Ergebnisse, auf die wir bisher zurückgreifen können. Dabei ist aber auch interessant, dass Ritalin® in Verbindung immer häufiger auftaucht, u. z. T. parallel zu den steigenden Verschreibungszahlen (Gutachten sind nötig, um auch diesen Verdacht zu be- oder entkräften). Einer US-Untersuchung aus dem Jahre 1994 zufolge nahmen 10 % der älteren High-School-Schüler amfetaminhaltige Medikamente wie Ritalin® als Ersatzdroge.

Ordnungswidrigkeiten und Straftaten im Straßenverkehr

Nach Auskunft des Leiters der Führerscheinstelle der Stadt Fürth wird beim Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis nur nach körperlichen und geistigen Mängeln gefragt. Der früher mögliche Informationsaustausch zwischen den Kreisverwaltungsbehörden und den Strafverfolgungsbehörden ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr erlaubt, so dass ein langjähriger Ritalin-Konsument dennoch zunächst die Möglichkeit hat eine Fahrerlaubnis zu erhalten. Dennoch erfüllt diese Person permanent den Tatbestand der Gefährdung des Straßenverkehrs (§315 c StGB) wenn sie - ich zitiere im Straßenverkehr ein Fahrzeug (nicht die Rede ist vom Kraftfahrzeug) führt, obwohl sie infolge der Einnahme berauschender Mittel, wozu Amfetamin mit Sicherheit zu rechnen ist, nicht in der Lage ist das Fahrzeug sicher zu führen und dadurch Leib oder Leben eines anderen oder fremde Werte von bedeutendem Wert gefährdet.

Auch die fahrlässige Begehung ist mit Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren oder Geldstrafe bedroht. Ähnliches ist auch zu § 316 StGB zu sagen, wobei hier ausreicht, dass der Fahrzeugführer durch die berauschenden Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen. Auch hier ist die fahrlässige Begehung mit Strafe bedroht und führt im Regelfall zum Entzug der Fahrerlaubnis. Hier reicht die Feststellung eines Polizeibeamten von Fahrfehlern aus. Ob der Verstoß dann als Ordnungswidrigkeit oder Straftat gewertet oder geahndet wird, ist zwar aus einem juristischen Blickwinkel nicht unbedeutend, für den Betroffenen oder Beschuldigten sind in jedem Fall massive Schwierigkeiten verbunden.

Mit entsprechender Bescheinigung ist der Konsument vom Tatbestand der Ordnungswidrigkeit quasi befreit. Doch bei schweren Unfällen unter Amphetamin-einfluss? Laut Oberstaatsanwalt, Dr. Kimmel (StA Nürnberg) ist zumindest eine genaue Untersuchung wahrscheinlich. Hier sei nur auf die Einnahme von Grippemitteln und daraus resultierenden Ausfallerscheinungen beim Führen eines Fahrzeuges im Straßenverkehr und die Möglichkeit der Kreisverwaltungsbehörden hingewiesen, den „Täter" zur amtsärztlichen Untersuchung vorzuladen und u. U. die Fahrerlaubnis zu entziehen.

Verstöße gegen das Betäubungsmittel-und Arzneimittelgesetz

Wer schon einmal, losgelöst von den immer noch weit verbreiteten Klischees über Drogensüchtige und deren Herkunft bzw. ihres sozialen Umfeldes, Kontakt mit betroffenen Jugendlichen und Eltern hatte, wird mir beipflichten, dass diese Konsumenten oft jahrelang einen verzweifelten Kampf gegen die Drogen führen. Oft genug verlieren sie diesen Kampf und enden auf schreckliche, unmenschliche Weise. Hierzu kommt, dass Drogenberatungsstellen — in der Praxis erlebt — immer wieder ratsuchende Eltern mit Worten beruhigen, wie „auch ihr Kind nimmt nur Haschisch - halb so schlimm" oder „ihr Kind ist noch nicht ganz unten, da können wir nichts machen. Außerdem muss das Kind selbst kommen." Hier muss ich mich leider auf langjährige Erfahrungen, gesammelt durch zahlreiche Gespräche mit Eltern drogensüchtiger Kinder berufen.

Doch wenn ein Hilfesuchender Glück hat und die gewünschte Hilfe erhalten hat, sind die Probleme noch nicht gelöst. Führerscheinentzug, Geld- oder Freiheitsstrafen, soziale Isolation und ähnliche Hindernisse sind zu umgehen. Die Chancen auf einen Beruf oder Arbeitsplatz sinken häufig auf ein Minimum. Doch was tun wir? Immer wieder stigmatisieren wir die Betroffenen, konfrontieren sie mit Vorurteilen, pressen sie in Schubladen und hoffen mit unseren, meist unzureichenden juristischen Werkzeugen wie Haft, Geldstrafe, Führerscheinentzug, womöglich Berufsverbot oder Sicherungsverwahrung etwas zu bewegen. Ich kenne einige Fälle, bei denen die zitierten Maßnahmen gewirkt haben. Ich weiß aber auch vom Gegenteil zu berichten, wo Verständnis, Liebe, die Anwesenheit der Eltern mit mehr Zeit für die wirklichen Bedürfnisse der Kinder, weniger Medientechnik bereits im Kleinstkindalter, die besseren Maßnahmen gewesen wären. Doch über unser Strafsystem und die Drogenpolitik zu diskutieren, ist nicht unser Thema.

Doch ich weiß aus Erfahrung auch wenn die angestrebten Langzeit-Untersuchungsergebnisse noch fehlen — viele hyperaktive— und ADS-Kinder durch die Gewöhnung an Betäubungsmittel wie Ritalin® und ihrer scheinbar größten Gemeinsamkeit der Neugierde immer wieder den leidvollen Weg zu illegalen Drogen finden. Oft genug ist dabei die verharmloste Droge Haschisch der Ausgangspunkt für Erfahrungen mit illegalen Drogen, vielleicht auch, weil die aufputschende Wirkung des Ritalin® mit dämpfenden Mitteln abgeschwächt werden soll, um sich nicht so fremdgesteuert zu fühlen. Deshalb ist es in Anbetracht der immer wieder geführten Diskussion über die Folgen übermäßigen Alkohol-, Nikotin- und Medikamentenmissbrauchs ja fast wahnwitzig, wenn wissentlich schon Kleinkindern Betäubungsmittel verordnet werden, deren Auswirkungen noch nicht erforscht sind und man sich nur auf oberflächliche, ja fast noch hypothetische Aussagen einiger (pseudo-)Fachkundiger stützen kann.

Depressionen und Selbstmordversuche

Dr. Kremer schreibt in seiner Abhandlung über die Auswirkungen des „Ritalm-Konsums" auf das Gehirn auch von Depressionen, psychotischen Reaktionen und ähnliche Erscheinungen. Diese sind auch im Beipackzettel beschrieben und ich kann aus meiner praktischen Erfahrung sehr wohl berichten, dass ich genau diese Feststellungen auch beim Menschen machte, die illegal Amfetamin einnehmen und dann aufgrund eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens bei mir in der Dienststelle vorstellig wurden.

In einem Rundfunkinterview, das ich am 25.01.02 für den Bayerischen Rundfunk gab, kam auch eine betroffene Mutter zu Wort. Auch sie äußerte sich zu den Selbstmordgedanken ihres Sohnes, die vor der Ritalingabe — er war damals ca. 6 Jahre alt — bestanden und heute bei dem jungen Mann, der die Ritalineinnahme ablehnt, weil er sich immer so „fremdgesteuert" fühlt und jede Menge „Negativerlebnisse" verkraften musste, immer wieder auftauchen.

Häufig genug erfuhr ich während meiner Recherchen, dass Kinder, auch nach der Einnahme von Ritalin oder auch nach dem Absetzen, in tiefe Depression fielen, Selbstmordgedanken hegten oder gar in die Tat umsetzten und wenn man einer Internet-Seite Glauben schenken darf, waren sie auch bei Kurt Cobain, dem bekannten Rockmusiker, der seinem Leben am Höhepunkt seiner Karriere selbst ein Ende setzte, nicht unwesentlich beteiligt. Ob dies den Tatsachen entspricht werde ich noch überprüfen. Tatsache ist, dass dieser Artikel im Internet zu lesen ist und somit auch Tausenden von Menschen auf der ganzen Welt zur Verfügung steht.

Hier warnt der Hersteller selbst vor den möglichen Nebenwirkungen. Doch das ändert nichts an dem fast einem Modetrend zu vergleichenden Verschrei-bungswahn einiger Ärzte. Diese Ärzte -ich betone hier ausdrücklich, dass es sich sicher um eine Minderheit handelt - drohen kritischen Eltern sogar mit strafrechtlicher Verfolgung oder Entzug des Sorgerechts, wenn sie dem Kind kein Ritalin® geben. Doch wer hat in letzter Konsequenz die Verantwortung für das betroffene Kind? Alle diese Warnungen und real festgestellten Tatsachen reichen aber noch nicht aus, um über das Problem nachzudenken. Es wird, oft ohne genaue Anamnese weiter verschrieben. Die steigende Zahl der angeblich hyperaktiven Kinder rechtfertigt vielleicht für Ritalin-Befürworter die Verordnung des Medikamentes. Aber eine wichtige Frage muss auch für sie sein, weshalb so viele Kinder durch hyperaktives Verhalten oder durch ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ärztliche Hilfe und Medikamente benötigen. Wo könnten die Auslöser liegen?

Mögliche Ursachen für die

Entstehung von Hyperaktivität

und ADS (POS)

Ich bin kein Mediziner, aber wie eingangs bereits erwähnt, ist die Kriminologie eine Erfahrungswissenschaft, die sich verschiedenster Bezugswissenschaften bedient. Dies führte mich bei meinen Recherchen auf die nachfolgend erläuterten Bereiche, die im Rahmen der Diskussion über die Entstehung vermehrt vorgestellter hyperaktiver Krankheitsbilder nicht unbeachtet bleiben dürfen, zumal ich hier auf die praktischen Erfahrungen meiner Partnerin als Medizinerin zurückgreifen kann. Auf folgende Punkte wird meine Partnerin Dr. med. Hedwig Vogl in ihrer Abhandlung zu dem Thema eingehen:*

*Die Abhandlung von Frau Dr. med. Hedwig Vogl wird in einer der nächsten Ausgaben publiziert.

a)

Indigo-Kinder (ein Buch von Jan Töle & Lee

Carol erschienen im Heyne-Verlag).

b)

Impfungen und die daraus resultierenden

Impfschäden.

c)

Wehenfördernde oder -hemmende Mittel

d)

Überforderung der Eltern und Kinder mit

Schul-, Berufs- und Freizeitstress.

e)

Mangelnde Bewegung - Artikel Olympiasieger H. Schmitt / Sportschule Oberhaching

f) Elektrosmog

8)

Ultraschalluntersuchungen usw.

Diese Punkte sollten beachtet werden, wenn es um die mögliche Feststellung der Auslöser der beschriebenen Krankheitsbilder geht.

Alle diese Verdachtsmomente wurden von kompetenten Vertretern ihrer Berufsgruppe aufgedeckt, doch ob aus wirtschaftlichen, sozialen oder sonstigen Gründen. Niemand hat bisher konkret untersucht, ob und warum das eine oder andere bezeichnete Kriterium eine Relevanz bei der Krankheitsentstehung haben könnte. Oft genug wurden die Kritiker von Ritalin® oder wissensdurstige Forscher statt dessen in die Ecke der Unwissenden, Esoteriker oder Scientologen gestellt, da auch die letztgenannte Gruppe mit der überwiegend von der Church of Scientologen finanzierten „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V." sehr aktiv ist, was das Sammeln von Fakten über Gewaltkriminalität aufgrund der Einnahme von Psychopharmaka anbelangt.

Zur Abklärung der letztgenannten Punkte wäre es unbedingt erforderlich, wenn behandelnde Therapeuten Kontakt mit Krankenkassen, therapeutischen Institutionen aber auch Personen aufnehmen würden, die zwar nicht in Heil- und Pflegeberufen tätig sind, wohl aber auch immer wieder mit dem Problem Hyperaktivität, ADS und der Behandlung dieser Erscheinungen in Berührung kommen, um eine Langzeitstudie anzustreben. Doch was behindert diese Entwicklung?

Repression

Die Pharmaindustrie ist vermutlich nicht zur Verantwortung zu ziehen, da sie wissend, welche Gefahren die Medika-mentierung z.B. mit Ritalin® mit sich bringen kann, ihre Beipackzettel entsprechend gestaltet und so den „schwarzen Peter" an Ärzte und Eltern weiterreicht. Dass gegen die Novartis in den USA ein Zivilprozess laufen soll, da der Beipackzettel nicht umfassend auf die möglichen Nebenwirkungen hinweist, habe ich gehört und gelesen, konnte mich aber noch nicht selbst rückversichern, ob diese Information richtig ist. Bedenklich ist natürlich auch, dass entsprechende Warnhinweise verschwinden sollen, wenn verschiedene von mir wegen ihrer scheinbaren „Unfehlbarkeit" als „Ritalin-Päpste" bezeichnete Ärzte in Beipackzettel-Kommissionen der Pharmaindustrie sitzen sollen. Doch wo kann man ansetzen? Noch mehr Verordnungen und Bestimmungen erleichtern sicherlich unser Zusammenleben nicht und führen zu Unsicherheit und zur Einschränkung der immer wieder zitierten Freiheit des Einzelnen. Außerdem würde die notwendige Überwachung kaum oder nur unzureichend möglich sein und verschiedene politische Kreise wären sofort mit dem Schlagwort des „Polizeistaates" zur Hand.

Ich glaube, dass derzeit bereits eine sehr fruchtbare Diskussion zum Thema im Gange ist und auch viele Mediziner und Therapeuten, aber auch Eltern nach neuen Wegen suchen. Aber immer noch „verschlingen" mindestens 10 Millionen Kinder täglich Millionen von Ritalin®-Pillen, von anderen Psychopharmaka gar nicht zu reden. Ich sehe unsere Volksgesundheit und unsere Zukunft gefährdet, wenn unsere Kinder zu „pillenfressenden" absolut konformen Marionetten herangezüchtet werden. Deshalb muss die Polizei und Justiz bei Arbeitsbesprechungen, beim Verkehrsrichtertag und bei Gesprächen mit den Kreisverwaltungsreferaten erst Samen setzen, die aufgegangen ein neues Bewusstsein schaffen, wenn es um die Behandlung von hyperaktiven Kindern - unserer Zukunft - geht. Jährlich erblicken weniger Kinder das Licht der Welt - wie soll die Gesellschaft auch noch nur bedingt arbeitsfähige, mit Pillen kaputtgemachte Bürger verkraften? Wer soll die Renten verdienen, wenn schon ein Großteil der zukünftigen Rentenzahler - durch medizinische, fehlerhafte Behandlungen - als Frührentner aus der arbeitenden Bevölkerung ausgegliedert sind? Ist vielleicht doch was dran an einer Äußerung eines Medizin-Historikers, der bei seinem Seminar vor etwa zwei Jahren, bei dem es um die Budgetierung der niedergelassenen Ärzte ging, sinngemäß zum Ausdruck brachte, das s es nicht darum geht welche Medikamente oder welche Behandlungsmethode wirksam und lebensverlängernd ist, sondern vielmehr darum, dem Versicherten alles das zukommen zu lassen, was zur Wiederherstellung seiner Arbeitskraft notwendig ist? Er erläuterte, dass bereits Bismarck, der als der Gründer unseres Krankenversicherungssystems gilt, dieses System nicht aus Menschenliebe heraus eingeführt hat, sondern um die Arbeiter möglichst schnell und ohne großen Schaden für den Unternehmer wieder an den Arbeitsplatz zurückschicken zu können. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses postulierte dieser Historiker, ist es wohl besser „sozialverträglich früh" abzuleben, um nicht der Rentenkasse zu lange die finanziellen, oft nicht vorhandenen Gelder zu entlocken. Ich persönlich hoffe nicht, dass er Recht hat.

Doch wenn ich höre - und hier werde ich noch weitere Recherchen anstreben -dass contra Ritalin-Gruppen von bestimmten Pharmafirmen unterstützt werden, um dann ein „neues" verträglicheres Medikament zur Behandlung hyperaktiver Patienten besser verkaufen zu können, ist schon Misstrauen angebracht. Wenn man dann noch mitgeteilt bekommt, dass dann Medikamente verschrieben werden sollen, die ein noch höheres Suchtpotential tragen als Ritalin®, fällt mir nur noch das vor Jahrzehnten existente Contergan-Problem oder die Einführung von Heroin als vermeintlicher Ersatzstoff für Morphium ein. Doch wie wird mit Warnungen oft genug verfahren? Kritiker werden ganz schnell in das Lager der Esoteriker oder gar der Church of Scientology gedrängt, da dort ebenfalls Leute sitzen, die sich kritische Gedanken über die zahlreichen Verordnungen von Psychopharmaka machen. Was sollen wir tun?

Fazit

Ritalin® ist ein amfetaminhaltiges Medikament dessen Wirkung sehr fragwürdig und dessen Auswirkungen auf den Konsumenten mit vielen Nebenwirkungen und auch dem Verdacht behaftet ist, dass eine nicht zu tolerierende Anzahl von Medikamenten zu delinquentem Verhalten getrieben werden könnte, oder bei Dauerkonsum schweren gesundheitlichen Schaden nimmt. Deshalb ist es mein Bestreben aufzuklären und zu warnen. Ich will Eltern und Therapeuten ins Gedächtnis rufen, dass eine oft scheinbar bequeme und einfache Lösung auf Dauer eine Vielzahl an noch schwieriger zu lösenden Problemen bringen kann. Ich möchte aufgrund meines Wissens und der daraus resultierenden Verdachtsmomente nicht verantwortlich sein, wenn in einigen Jahren die Feststellung getroffen werden müsste, dass man wieder einmal - wie bei Heroin und Contergan - unter dem Eindruck einer scheinbar „tollen" Lösung falsch gehandelt hat. Ich will nicht besserwisserisch sein. Scheue mich aber nicht den „Zeigefinger" zu erheben und auf die Gefahren und die möglichen alternativen Behandlungsmöglichkeiten hinweisen. Ich glaube immer noch an das Gute im Menschen und hoffe, dass die Diskussion über das fakultative Denken der Medizin hinaus, dazu führen kann, nachzudenken und zu hinterfragen. Ich will weiter mahnen. Dabei werde ich weder meine Lebensfreude aufgeben, da ich die täglich brauche, um den „lax" ausgedrückt „Müll unserer Gesellschaft" zu verkraften und ich werde mich auch nicht in die esoterische oder scientologische Ecke drängen lassen. Ich fühle mich als Kriminalbeamter mit verantwortlich. Wohl dem, der Schlechtes denkt! Und sind alle die „Scientologen", Sektenmitglieder, Spinner oder sonstiges, die ihre Kinder vor möglichen massiven Gefahren durch Medikamente wie Ritalin schützen wollen? Die Vielzahl der Maßnahmen zu kritischerem Umgang läßt hoffen.

Die Weltgesundheitsorganisation warnt und bezeichnet RITALIN als eines der süchtig machenden Medikamente.

Die Drogenbeauftragte der deutschen Bundesregierung hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Abgabe von RITALIN einschränken soll.

Der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus hat alle Regierungen und Schulen vor dem unkritischen Umgang mit RITALIN und MEDIKINET gewarnt (Schreiben v. 15.03.02)

Selbsthilfegruppe schießen aus dem Boden usw. usw.

Wir müssen aber den Betroffenen mehr Alternativen der Therapie bieten.

Franz Horst Wimmer Dr.-Wilhelm-Schaeffler-Strasse 32 D-91074 Herzogenaurach
Tel. (0049) 091 32 730 100
Mobil: (0049) 0179 537 3890

Der Autor gibt Vorträge und Kurse zu diesem Thema. Anfragen bitte direkt an ihn richten.

aus AEGIS IMPULS 11 / 2002



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