T.A.Z. 18.5.96

Leserbriefe zum Thema "Treibhauseffekt"

Die Betreiber des Karussells der Klimakatastrophe

Dem Brief von Leser Dr. Wolfgang Thüne ,,Ideologische Spiele mit der Klimakatastrophe" (F.A.Z. vom 29. August) ist voll zuzustimmen. Er wird zusätzlich gestützt durch den Brief von Dr. Falko Fell ,,Zumeist aus Vulkanen" (F.A.Z. vom 10. September), in dem einmal ausgesprochen wird, worauf man schon lange gewartet hat daß nur 7,4 Prozent des globalen Kohlenoxydeintrags anthropogenen Ursprungs sind. Betrachtet man hingegen den Brief von Leser Professor Heinloth ,,Kommissionsberichte über die Klimakatastrophe" (F.A.Z. vom 10. September), so muß man feststellen, daß er nur wenig objektive Substanz enthält. Es handelt sich lediglich um eine Aneinanderreihung von Berichten über Institutionen, die sich mit der Problematik des Risikos von menschen-verursachten Klimaänderungen befassen.
Lassen wir die Frage, ob es bei Anlegung strenger wissenschaftlicher Kriterien haltbar ist, die Gefahr einer Klimakatastrophe für die Zukunft vorherzusagen, so kommt man doch zu folgender Feststellung: Ein mit Umweltschutzgedanken angetriebenes ,,Klimakatastrophenkarussel", wie ich es nennen möchte, ganz im Sinne von Leser Dr. Thüne, wird in Fahrt gehalten: Unter anderem von Politikern, die keine Gelegenheit zur Profilierung auslassen; von verschiedenen Forschungsinstituten, bei denen Kosten und Personalstopp nun weniger Themen sind, ganz zu schweigen von Profilierungsmöglichkeiten; durch Ökoinstitute, bei denen die Klimakatastrophe einen nicht unwesentlichen Anteil an ihrer Existenz ausmacht, durch Meteorologen und andere Wissenschaftler, die vom Frust früherer Jahre erlöst und zum begehrten Fachmann werden mit wesentlich erweitertem Meßgerätepark.
Hinzu kommen Gesellschaften, Vereine und Stiftungen., die ein zusätzliches Identifikationsobjekt gefunden und damit weitere Argumente für Mitglieder- und Spendenwerbung haben, sowie nicht zu vergessen - Journalisten, die zu gefragten und beachteten Fachreportern geworden sind. Gegenkräfte gibt es praktisch kaum. Jeder wird durch den anderen bestätigt, angesteckt, gedeckt rückgekoppelt, in Resonanz versetzt. Der Brief von Leser Professor Heinloth bestätigt dies in anschaulicher Weise. Der Brief von Leser Dr. Thüne war dringend nötig. Hoffentlich wird durch ihn eine entideologisierte Diskussion in Gang gesetzt und auf eine breite Basis gestellt.
Professor Dr. Dr. Hans Hompesch, Dortmund


Was die Klimaforschung lenkt

Voller Nachdenklichkeit hatte ich Leser Dr. Wolfgang Thünes Brief ,,ldeologische Spiele mit der Klimakatastrophe" (F.A.Z. vom 29. August) gelesen, der mir als Nichtklimatologen manche dunkle Klimaforschungsnische offenbarte. Und dann folgte (F.A.Z. vom 10. September) der Brief von Leser Professor Dr. Klaus Heinloth, in dem dieser unter Berufung auf erlauchte wissenschaftliche Gesellschaften mit klangvollen Namen, auf Enquete-Kommissionen, auf Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), internationale Konferenzen und Verhandlungskomitees, aber ohne ein einziges inhaltliches Argument Leser Thüne vorwirft, er sei ,,wissenschaftlicher Erkenntnis nicht zugänglich". Dem Brief von Leser Thüne entnimmt man, was ohnehin zu vermuten war, nämlich daß Leser Heinloth selber einer der von ihm genannten Gesellschaften angehört, deren weiteres Wohlergehen davon abhängt, ,,daß nicht sein kann, was nicht sein darf"', nämlich keine Klimakatastrophe. Auf diese sensiblen Geldflußströmungen im Klimaforschungsbereich hatte ja verdienstvollerweise Rainer FIöhl bereits am 12. April 1995 in der F.A.Z. mit seinem Beitrag ,,Unsichtbare Hand lenkt Klimaforschung" aufklärend hingewiesen.

Professor Dr. Peter Cerwenka, Technische Universität Wien

Für die Umwelt bedrohlicher

Der Beginn der Klimakatastrophe war die Treibhausgaslüge, daß nämlich die Erhöhung der Anteile gewisser Spurengase in der Atmosphäre zu einer Erhöhung der bodennahen Lufttemperaturen führen sollte, und die nächste Lüge war, daß dies der gleiche physikalische Mechanismus sein soll, der im Sonnenschein für die erhöhte Innentemperatur des Autos verantwortlich sein soll. Die nächste Lüge besteht darin, zu behaupten, eine Erhöhung der Mittelwerte der bodennahen Lufttemperaturen wäre eine ,,Katastrophe", obwohl dies vermutlich der Menschheit Vorteile bringen würde. Diese Argumentationslinie wurde von vielen selbsternannten ,,Umweltwissenschaftlern" übernommen: Jede Veränderung irgendwelcher fiktiver Umweltmittelwerte muß eine Umweltkatastrophe sein. Dabei sind die Klimarechenzentren, die ja nichts produzieren können, was irgendeinen Wert für irgendeine Wissenschaft hat, sicher eine größere Bedrohung für die Umwelt als das lebensnotwendige Kohlendioxyd. Aber eine noch wesentlich größere Bedrohung für die Umwelt sind die von Leser Professor Heinloth genannten Klimakatastrophenkommissionen. Ich warte darauf, daß diese Kommissionen beschließen werden, daß zwei mal zwei gleich acht ist, und als gute Demokraten werden wir uns in Zukunft daran halten.

Professor Dr. Gerhard Gerlich, Technische Universität, Braunschweig





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