Globale Klimamodelle bleiben umstritten
Die globale Erwärmung ist "Realität" und "Splitter vom Glashaus", Handelsblatt Nr.2 vom 3.1.1996.
Zur Klimadiskussion im Handelsblatt vom 3.1.1996 gestatten Sie mir einige kurze Anmerkungen:
Die Klimadiskussion wird international doch deutlich kontroverser geführt als es in Deutschland den Anschein hat." Daran kann weder das Statement des lPCC von Rom, 1995. noch die von Ileim Graßl vorgetragene Auffassung viel ändern. Im Gegenteil: Herr Graßl vergaß darauf hinzuweisen, daß; das IPCC in seinem neuesten Bericht nur noch davon ausgeht daß sich die globale Mitteltemperatur bis zum Jahre 2100 um ca 2 oC (Bandbreite 1 bis 3,5 oC) erhöhen soll. Dies bedeutet gegenüber der Auffassung des IPCC aus dem Jahre 1992 eine Verringerung von ca. 30 % (damaliger Wert 3 oC plus/minus 1,5 oC) und liegt damit fast schon im Bereich dessen, was die Bundestags Enquete Kommission "Schutz der Erdatmosphäre als Zielvorgabe für Klimaschutzmaßnamen gefordert hat.
Die geschickt gewählte Formulierung, "... es ist unwahrscheinlich, daß der Temperaturanstieg der letzten 100 Jahre gänzlich auf natürlichen Ursachen beruht", eröffnet einen sehr weiten lnterpretationsspielraum. Verdeckt wird hierdurch die zentrale Frage nach der Glaubwürdigkeit von Klimamodellvorhersagen. Hierbei geht es nicht allein darum, ob sich das Klima durch den Trelbhauseffekt in den letzten 100 Jahren erwärmt hat, sondern in entscheidenderen Maße darum, um wieviel es sich durch den Treibhauseffekt erwärmt hat. Erinnert werden muß daran, daß aufgrund von Klimamodellvorhersagen das Klima sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt durch den Treibhauseffekt bereits um ca. 1 oC hätte erwärmen sollen. Beobachtet wurde ein Temperaturanstieg von ca. 0,5 oC. Ist der Treibhauseffekt hieran nun zu 10, 50 oder 90 % verantwortlich? Wenn der Treibhauseffekt nur zu einem sehr geringen Teil an der beobachteten Erwärmung verantwortlich ist, können wir uns die ganze Treibhausdiskussion sparen: Außer Spesen nichts gewesen;
Deswegen ist es die Hauptaufgabe der Klimaforschung, herauszufinden, wie groß der Beitrag des Treibhauseffektes an der beobachteten Erwärmung der letzten 100 Jahre gewesen ist. Hinweisen sollte man in diesem Zusammenhang vielIeicht auch darauf, daß den seit 1979 vorliegenden sehr genauen Satellitenmessungen zufolge die globale Mitteltemperatur bis Ende 1995 nicht gestiegen ist. Laut Treibhaustheorie hätte sie pro Jahrzehnt um 0,25 oC, d.h. insgesamt um etwas mehr als 0,4 oC steigen sollen. Es fällt zunehmend schwer, mit dem vorhandenen Beobachtungsmaterial die These zu stützen, daß sich das Klima durch den Treibhauseffekt in den letzten Jahrzehnten in einem Maße erwärmt hat, der mit Klimamodellrechnungen kompatibel ist.
Dipl.Meteorologe Dr. Gerd-Rainer Weber / Essen
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