die vollständigen Texte unter: Nr. 30/2002 Kent Depesche Sabine Hinz Verlag Hasenbergstr. 107 70176 Stuttgart Tel. 0711 6361811 Fax 0711 6361810 info@sabinehinz.de www.sabinehinz.de
von Jens Brehl und Michael Kent
Verbotene Gesundheit?
Ein Süßkraut aus Südamerika namens STEVIA trat vor einigen Jahren einen Siegeszug um die halbe Welt an. Frei von Kalorien und gesund für die Zähne, anstatt ihnen zu schaden, geschmacklich etwas gewöhnungsbedurftig, aber nicht schlecht, war Stevia dennoch nicht in der Lage die EU-Kommission zu überzeugen. Obwohl in Südamerika seit Jahrhunderten und in Japan seit drei Jahrzehnten rege konsumiert, befanden unsere Eurokraten, dass nicht genügend gesicherte Informationen für eine unbedenkliche Zulassung in der EU vorliegen wurden und verboten Stevia. Seit Februar 2000 als Lebensmittel oder Lebensmittelergänzung aus dem Verkehr, geisterte Stevia danach als „Zusatz zur Tierfutterherstellung'' durch den alternativen Handel. Doch auch dies wurde untersagt. Dann - aufgrund der hilfreichen Wirkung für die Haut/ z.B. als Gesichtsmaske - wurde Stevia als Kosmetikprodukt vermarktet. Aber auch das war gewissen Kreisen offenbar nicht genehm, so dass man Stevia heute nur im außereuropäischen Ausland beziehen kann. Nun scheint allerdings Änderung in Sicht.
Am 22. Februar 2000 wurde das Süßkraut „Stevia" europaweit verboten. „Stevia" ist eine Staudenpflanze, deren botanischer Name „Stevia Rebau-diana Bertoni" lautet. Sie ist in Paraguay und in den angrenzenden Gebieten Brasiliens heimisch. Seit Jahrhunderten benutzen die einheimischen Indios die Pflanze, die sie „Honigblatt" oder „Honigkraut" nennen zum Süßen ihrer Speisen, denn das (getrocknete) Steviablatt ist bereits 20 bis 30 mal so süß wie Zucker, und das daraus gewonnene Extrakt „Ste-viosid" (von Chlorophyll befreit) weist sogar bis zu 300-fache Süßkraft auf. Somit haben 100g Steviosid ungefähr die Süßkraft von 30 Kilo Haushaltszucker - und das bei annähernd null Kalorien! Doch Stevia weist weitere positive Eigenschaften auf: Es • senkt einen zu hohen Blutzuckerspiegel, • dient zur Unterstützung der Verdauung, • scheint auch gegen Bluthochdruck zu wirken, • fördert bei äußerlicher Verwendung die Wundheilung, • wirkt gegen Entzündungen im Mund und Hals sowie gegen Zahnfleischbluten, • hemmt Plaquebildung an den Zähnen und • verhindert Karies, wie Untersuchungen an amerikanischen und japanischen Universitäten belegen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist derzeit sogar damit be-fasst, Stevia als besonders förderungswürdigen Süßstoff zu empfehlen. Dies hält das Europaische Parlament jedoch nicht davon ab, das Inverkehrbringen von Stevia zu verhindern. In Japan werden Kraut und (flüssiges) Steviosid seit 30 Jahren industriell vermarktet, wobei keinerlei gesundheitliche Probleme aufgetreten sind. Man schätzt, dass Stevia im Land der aufgehenden Sonne bereits 40 bis 50 Prozent des Süßmittelmarktes erobert hat.
Der Hauptgrund des aktuellen EU-Verbotes dürfte sein, dass Stevia die Menschen gesund und nicht süchtig macht, was der Zucker-, der Gesund-heits- und der Pharmaindustrie offenbar wenig gefällt. Denn gerade als Stevia und seine Wirkungen immer bekannter wurden, hat man es aus dem Verkehr gezogen, zumindest in Europa Gerade m einer Zeit, in der die Qualität der Lebensmittel durch übertriebene Industrialisierung immer mehr abnimmt, werden naturliche Alternativen den Menschen vorenthalten Jedoch kann man Stevia immer noch aus dem Ausland, z B aus der Schweiz oder aus Amerika, bestellen Schauen Sie im Internet.
Nachtrag: In der Ausgabe Juni/Juli 2000 der „Area 2000" berichteten wir über das Sußungsmittel Stevia und dessen Verkaufsverbot Ich wollte es eigentlich dabei belassen und nicht weiter recherchieren, doch da erschien am 09 08 00 folgende Meldung „Warnung vor Süßstoff - Frankfurt (wid) - Vor dem Verzehr des Su-ßungsmittels Stevia hat jetzt die Verbraucherzentrale Hessen gewarnt Die kalorienfreie Süße aus den Blattern der sudamerikanischen Strauchpflanze ist vor allem bei Naturkostfreunden beliebt "
Der geübte Leser wird sofort erkennen, dass diese Meldung äußerst nichtssagend ist, denn die einzigen Informationen, die wir aus ihr gewinnen sind die, dass Stevia kalorienfrei, bei Naturkostfreunden beliebt ist und dass die Verbraucherzentrale Hessen vor dem Verzehr warnt Warum gewarnt wird, hielt man nicht für notig zu erwähnen.
Naturlich konnte ich es mir nicht verkneifen bei der Zeitung telefonisch nachzufragen, wer für diese Meldung verantwortlich sei Eine freundliche Dame erklarte mir, dass es sich um eine „Nachrichtenagenturmeldung" handelt Die Frage, ob diese Meldungen überprüft wurden, verneinte sie Da wird also einfach abgeschrieben, was die Agenturen melden - und da es weltweit nur wenige Nachrichtenagenturen gibt, die noch weniger Menschen gehören, wissen wir, wer die Macht hat, die Meinung der Bevölkerung zu lenken Da der Zeitung keine weiteren Informationen zur Verfügung standen, solle ich mich doch mal an die Verbraucherzentrale Hessen e.V. wenden
Am 13.08.00 schrieb ich also die Verbraucherzentrale Hessen e V an Ich fragte nach dem Grund der Warnung und wollte wissen, auf welche wissenschaftlichen Studien man sich berufe Feststellen musste ich aber, dass auch die Verbraucherzentrale Hessen e V nicht die Quelle der ominösen Pressemeldung war Laut Verbraucherzentrale stamme die Meldung vom wissenschaftlichen Lebensmittelausschuß der EU und, nun halten Sie sich fest, vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgW Jetzt musste es bei den meisten Lesern „klick" machen Sind das nicht die Leute, die das europaweite Vitaminverbot durchsetzen wollen7 (Siehe Dr Rath ) Sind das nicht die, die mit der Codex Alimentarius Kommission unter einer Decke stecken7 Sind das nicht die, die Gesundheitsinformationen verbieten wollen7
Spaßeshalber wandte ich mich dann schriftlich an das BgW und wollte wissen, auf welche wissenschaftlichen Beweise man das Verbot stutze Außerdem fragte ich an, inwiefern der Verzehr von Stevia den Blutzuckerspiegel beemflusst (wie der Pressemeldung zu entnehmen war), und ob eine positive oder negative Beeinflussung stattfindet Außerdem wollte ich eine Stellungnahme, wie man zu dem Gerücht steht, Stevia wurde das Erbgut (DNS) schadigen Ich schrieb, mir wäre als Laie nicht klar, wie der Verzehr einer Pflanze, die in unberührter Natur wachst, die DNS angreifen kann Wir erinnern uns Stevia wird seit Jahrhunderten von Menschen verzehrt und bisher ist noch kein Mutant aus dem Verzehr hervorgegangen
Allerdings hielt es das BgW erst nach meinem zweiten Schreiben für notig, mir zu antworten - und wie man sich denken kann, war diese Antwort ebenfalls nichtssagend Man konnte mir keine Ergebnisse wissenschaftlicher Studien präsentieren Ich erfuhr lediglich, dass der Lebensmit-telausschuss der EU die Zulassung als neuartiges Lebensmittel verweigert habe, da die Vertreiber keine Unbe-denklichkeitsnachweise erbringen konnten Noch einmal zur Erinnerung Stevia wird seit Jahrhunderten von den Menschen verzehrt, es als „neuartiges Lebensmittel" einzustufen ist schlicht Humbug1
Da keine meiner Fragen beantwortet worden waren, schrieb ich erneut an das BgW mit dem Ergebnis, ich solle mich an den Europaischen Lebensmittelausschuss wenden - und genau hier war für mich Schluss1 Ich bin doch nicht bescheuert und lasse mich von Pontius zu Pilatus schicken, nur um völlig unsinnige Antworten zu erhalten Jens Brehl
Nachtrag vom August 2002, von Michael Kent
Schon im April 2000 berichtete die Reformhauszeitschrift „Schrot und Korn", der Autor des Buches „No Su-gar7 - Stevia" namens Peter Grosser vertrete die Ansicht, dass die europaische Politik mittelfristig großes Interesse daran haben konnte, die Subventionen für den Tabakanbau aus-laufen zu lassen Dafür brauche man ein Ersatzprodukt - und Stevia habe in einem Versuchsanbau sehr gute Ergebnisse erzielt.
Nun lese ich in der Welt am Sonntag vom 30 Juni 2002 folgende Überschrift „Honigkraut soll in Europa den Tabakanbau ersetzen" Wissenschaftlern der landwirtschaftlichen Universität Hohenheim sei es nun gelungen, ein maschinelles Erntever-fahren für das Sußkraut Stevia, das bis dato nur von Hand geerntet werden konnte, zu entwickeln Nun stunde der Vermarktung nur noch der Nachweis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit im Wege Doch dies sei wohl kein Problem, denn Stevia werde weltweit von 100 Millionen Menschen problemlos konsumiert Man rechne damit, dass Stevia bis m wenigen Jahren eine europaische Nutzpflanze wird Lustig, was7
Übrigens" Nicht der Besitz nur der Handel mit Stevia ist m Eurpa verboten Einige Gärtnereien verkaufen daher die mehrjährige Staude Im Sommer auf dem Balkon und im Winter an einem hellen, nicht zu warmen Platz gedeihen sie problemlos Man kann ihre Blatter wie beispielsweise Basilikum abzupfen und an Stelle von Zucker in den Tee geben Als generelles Sußungsmittel sind getrocknete und verriebene Steviablatter jedoch nurbe-dmgtzu gebrauchen (Geschmackssache), denn das Chlorophyll hat einen relativ starken - nach Grungemuse schmeckenden - Eigengeschmack Doch probieren geht über studieren
die vollständigen Texte unter: Nr. 30/2002 Kent Depesche Sabine Hinz Verlag Hasenbergstr. 107 70176 Stuttgart Tel. 0711 6361811 Fax 0711 6361810 info@sabinehinz.de www.sabinehinz.de |