Der zweite
Teil:
MEHR SÜHNE IM STRAFVOLLZUG
Über harte Haftbedingungen
In vielen Staaten sind die Bedingungen für Gefangene weitaus
härter als beispielsweise im liberalen Deutschland. Der
Strafvollzug wird so gestaltet, daß er für die Gefangenen ein
äußerst empfindliches Übel ist.
| Internationale Rechtslage Grundlage
ist die Resolution "Verhütung von
Verbrechen und die Behandlung von Straffälligen",
die am 30.8.55 vom Ersten Kongreß der Vereinten Nationen
angenommen und am 31.7.57 vom Wirtschafts- und Sozialrat
der Vereinten Nationen gebilligt wurde. Danach "sollen"
körperliche Strafen, Bestrafung durch Unterbringung in
einer Dunkelzelle sowie alle grausamen, unmenschlichen
oder erniedrigenden Bestrafungen als Bestrafung für
disziplinäre Verfehlungen verboten sein (Art. 31). Mit
schriftlicher Bestätigung eines Arztes sind Bestrafungen
durch Zellenarrest oder Kostschmälerung (Art. 31 Abs. 1)
sowie andere Bestrafungen, die nicht von schädlichem
Einfluß auf die körperliche oder seelische Gesundheit
des Gefangenen sein könnten (Art. 31 Abs. 2), erlaubt.
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Zwangsmittel wie Handschellen, Ketten, Fesseln und
Zwangsjacken "sollen" niemals
als Bestrafung angewandt werden. Ferner "sollen"
Ketten und Eisenstücke nicht als Zwangsmittel verwandt werden.
Als Zwangsmittel erlaubt sind Handschellen, Fesseln und
Zwangsjacken, die unter folgenden Bedingungen Verwendung finden
sollen: als Vorsichtsmaßnahme gegen Entweichungen während eines
Transportes; aus medizinischen Gründen auf Anordnung eines
Arztes; um einen Gefangenen vor Verletzungen seiner selbst oder
anderer oder von der Beschädigung von Sachwerten abzuhalten
(Art. 33).
Die Praxis
Viele Staaten legen die o.a. Bestimmungen sehr weit aus,
andere ignorieren sie völlig. Gerade die Dauer-Fesselung von
Gefangenen ist ein beliebtes Mittel, Gefangene ruhig zu stellen.
Insbesondere die Gefangenen routinemäßig "in
Ketten zu legen" oder sie an Eisenstangen
anzuketten, ist in Ländern der Dritten Welt ein beliebtes
Mittel, Gefangene in Disziplin zu halten (ai '94 bis '99).
| Die Praxis Viele
Staaten legen die o.a. Bestimmungen sehr weit aus, andere
ignorieren sie völlig. Gerade die Dauer-Fesselung von
Gefangenen ist ein beliebtes Mittel, Gefangene ruhig zu
stellen. Insbesondere die Gefangenen routinemäßig "in
Ketten zu legen" oder sie an
Eisenstangen anzuketten, ist in Ländern der Dritten Welt
ein beliebtes Mittel, Gefangene in Disziplin zu halten
(ai '94 bis '99).
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Photo by Max (siehe Linkverzeichnis).
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- Äthiopien: Dort werden Häftlinge rund
um die Uhr in Ketten gelegt.
- Irak: Hier werden Gefangene vor der
Haftentlassung ausgepeitscht. Sie erhalten während der
Haft Elektroschocks an Zunge und Genitalien und werden an
den Handgelenken aufgehängt.
- Japan: Häftlinge dürfen sich weder
aneinander anschauen noch miteinander sprechen noch
unaufgefordert das Wort an den Wärter richten.
Als Disziplinarmaßnahme muß der Gefangene schon bei
geringster Regelübertretung während des gesamten Tages
in derselben Position sitzen oder knien mit dem Verbot,
umherzugehen, zu schlafen oder zu sprechen. Gefangenen in
Einzelhaft ("Schutzzellen") werden Spezialgurte
angelegt, die den Gefangenen darin hindern, seine Arme zu
bewegen.
- Kambodscha: Hier werden die Insassen
nachts grundsätzlich aneinandergekettet. Auch kann die
Einsperrung in Metallkäfige erfolgen.
- Kamerun: Schon geringfügige Verstöße
gegen die Gefängnisordnung können im Kamerun zu harten
Strafen führen. Zur Strafe werden Insassen des
Zentralgefängnisses von Douala nackt in Zellen ohne
natürliches Licht eingesperrt, körperlich gezüchtigt,
angekettet oder mit dem Kopf nach unten aufgehängt.
- Kasachstan: Hier werden Gefangene
wiederholt in kleine Zellen ohne Luftzufuhr und Licht
untergebracht. Als Disziplinarmaßnahme erfolgt die
Einsperrung in Strafzellen bei eisigen Temperaturen oder
in völliger Dunkelheit.
- Korea (Süd): Hier erfolgt der Gewahrsam
in winzigen, trotz Minustemperaturen ungeheizten Zellen.
- Kuba: Zur Bestrafung werden Gefangene
wochen- oder monatelang in zum Teil unbeleuchtete
Strafzellen eingesperrt. Auch erfolgen gekürzte
Essensrationen.
- Myanmas (ehem. Birma): Hier müssen
Gefängnisinsassen über spitze Steine kriechen,
stundenlang in der prallen Sonne ausharren, Fußeisen
tragen. Sie werden in Ketten gelegt und müssen in
Arbeitslagern in Fußeisen Felsen verkleinern. Auch
erhalten sie Schläge.
- Pakistan: Gefangene werden in Fußeisen
gefesselt und an Stangen angekettet.
- Sudan: Als "normale"
Behandlung auch von Kindern wird es im Sudan angesehen,
Gefangene routinemäßig zu züchtigen, sie schweren
körperlichen Übungen zu unterziehen oder sie über
lange Zeiträume hinweg der prallen Sonne auszusetzen. So
wurden 1993 beispielsweise 13 Schulkinder im Gewahrsam
nackt ausgezogen und mit gespaltenen Bambusrohren
ausgepeitscht.
- Taiwan: Die Strafen im Gefängnis z.B.
für Widerworte sind: mehrere Stunden an ein Eisentor
hängen, Schläge sowie Ankettung von Häftlingen an den
Füßen.
- Thailand: Dort müssen Gefangene über
längere Zeit hinweg schwere Fußketten tragen.
- Tunesien: Als Disziplinarmittel in der
Haft müssen Gefangene über längere Zeit hinweg schwere
Fußketten tragen.
- USA: Aber auch in den USA werden
Gefangene gerne routinemäßig gefesselt. So wurde in den
U.S.-Staaten Alabama, Arizona und Florida die
Kettenfesselung wieder eingeführt. Dabei müssen die
aneinandergefesselten Häftlinge stundenlang schwere
Arbeiten wie mit Vorschlaghämmern Steine zertrümmern
verrichten. Im September wurden in einer
Strafvollzugsanstalt in Arizona erstmals auch weibliche
Gefangene bei Außenarbeiten mit den Füßen
aneinandergekettet. Gefangene in Alabama, die sich
weigerten, wurden als Strafsanktion mit den Handgelenken
an eine Metallvorrichtung, wie sie zum Anbinden von
Pferden benutzt wird, den ganzen Tag angekettet oder sie
wurden mit erhobenen Händen an eine Stange angekettet.
Im Bezirksgefängnis in Knox (Tennessee) werden Gefangene
für eine Stunde und länger mit gespreizten Armen und
Beinen an Gitterstäben angekettet.
Im Staatsgefängnis Pelican Bay, Kalifornien, werden
Gefangene in verriegelten, fensterlosen Zellen ohne
Beschäftigung, Unterricht und Freizeitprogrammen
eingeschlossen und dabei noch angekettet.
Beim Gefangenentransport werden Häftlingen Fußfesseln
und -eisen angelegt.
In einigen Gefängnissen in den USA werden eigens mit
Arm- und Beinfesseln ausgestattete Stühle verwendet:
Gefangene, die darauf festgeschnallt werden, sind zu
völliger Bewegungslosigkeit verdammt. In
Staatsgefängnissen von Utah sollen geistesgestörte
Insassen über Stunden hinweg auf diese Weise ruhig
gestellt worden sein.
Im Bezirksgefängnis von Jackson in Florida wurden
Inhaftierte mit gespreizten Armen und Beinen auf Liegen
geschnallt und ihnen dabei Elektroschocks zugefügt.

"Transport-Fesselung": In der Regel
wird eine Gefangene in den USA für einen Transport
"in Ketten gelegt" (Beschreibung dieser
Fesselung siehe beim Bild rechts).
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USA-Spezial
In den USA
werden Gefangenen äußerst streng behandelt, wie diese
fünf Beispiele zeigen.
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Selbst im Gefängnis selbst werden Gefangene
in Ketten gelegt. An einer Taillenkette befinden sich
seitlich je eine Handschelle, in die die Handgelenke
fixiert werden. Von der Taillenkette geht eine weitere
Kette zu der Kette zwischen den beiden Fußschellen. In
der kargen Zelle ist es den Gefangenen oftmals verboten,
sich hinzusetzen oder zu -legen.
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Ab in die Strafzelle: Halbnackt, in Ketten
gelegt, mit auf dem Rücken gefesselten Hände und
Windeln, wird diese Gefangene in die Strafzelle
abgeführt
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Weiteres Beispiel einer Straffesselung. In
dieser Stellung gehen die Wärter nicht gerade zimperlich
mit ihren Gefangenen um.
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Straffesselung: Mit nach oben gefesselten
Hände sind diese beiden Insassinnen an das Gitterstäben
gekettet.
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Resümee
Mehr Sühne im Strafvollzug, diese Forderung genießt auch in
der deutschen Bevölkerung durchaus Sympathien, "gerade
wegen des liberalen deutschen Jugendstrafrechts"
(Süddeutsche Zeitung 16./17.4.94). Ziel dieser Behandlung an den
Gefangenen ist es, innerhalb der Gefängnisse "die
Disziplin sicherzustellen" (ai, "Wer der
Folter erlag"; 1984) und Widerstände gegen die Hausordnung
zubrechen (Rauter, "Folter in Geschichte und
Gegenwart", aaO).
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"Körperliche Züchtigungen, harte Haftbedingungen und
Folter im 20. Jahrhundert"