TEIL 4.1:
BERICHTE ZU AUSGESUCHTEN LÄNDERN
TÜRKEI

amnesty international:
"Turkey - Children at rist of turture, death in custody and 'disappearance"'
November 1996
Auszug (frei übersetzt)

 

amnesty international (ai) hat eine Anzahl von Fällen überprüft, bei denen Kinder und Jugendliche berichten, daß sie Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden sind.
Türkische Kinder von 12 Jahren berichten, daß sie der Folter, einschließlich von Elektroschocks, dem Benässen mit kaltem Wasser und Schlägen unterzogen wurden.
Kinder und Jugendliche, die wegen geringfügiger Vergehen verhaftet wurden, berichteten über Folter in vielen Teilen der Türkei. Auch sind Kinder die Opfer in Konflikten zwischen der PKK und der Staatsmacht.

Die 12jährige Döne Talun aus einem Armenviertel in Ankara wurde gefoltert, während sie im Polizei-Hauptquartier von Ankara für fünf Tage ohne Kontakt zu ihrer Familie oder zu einem Rechtsanwalt inhaftiert war. Sie wurde verdächtigt, Brot gestohlen zu haben. Sie berichtete.
"Am Abend wurden mir die Augen verbunden. Sie fesselten mich und schlossen einen Draht an meine Finger an. Dann sagten sie: wir werden Dir etwas geben. Dann schaltete einer von ihnen den Generator an. Sie gaben mir Schocks in mein Gesicht. Am nächsten Morgen wurde ich vernommen. Ich sagte ihnen, daß ich nichts tat. Die blauen Flecken kamen durch Schläge mit einem Schlagstock. Wegen den elektrischen Schlägen schmerzte einer meiner Finger sehr stark und ich hatte auch einige Schmerzen im Gesicht".

Der 13jährige Tayfun Kirs lebt im gleichen Viertel wie Döne Talun. Er wurde von der Polizei im Malthyse-Bezirk von Ankara festgenommen und des Diebstahls bezichtigt. Er wurde in der Cankaya-Polizei-Station verhört. Dort erhielt er "lediglich einige Schläge ins Gesicht", aber im Polizei-Hauptquartier, in das er anschließend gebracht wurde, erhielt er Schläge mit einem Schlagstock auf Füße und Gesäß sowie Elektroschocks. Rifan Onurcan, ein Freund, der ebenfalls festgenommen wurde, mußte sich nackt ausziehen; er erhielt Elektroschocks, Schläge auf Hände und Füße mit Schlagstöcken, und wurde mit einem kräftigen Strahl kalten Wassers besprengt.

Die Situation ist immer sehr schlimm für Kinder, die eingesperrt sind wegen des Verdachtes von Verstößen gegen das Anti-Terror-Gesetz. Erstaunlich vielleicht, daß die Verhaftung von Kindern und Jugendlichen unter den Bestimmungen des Anti-Terror-Gesetzes häufig vorkommt. Neben den Straftaten von politisch motivierten Gewalttaten deckt dieses Gesetz eine Vielzahl von gewaltlosen Handlungen ab wie die Unterstützung oder die Mitgliedschaft einer illegalen Organisation, die Veröffentlichung seperatistischer Äußerungen, die Teilnahme an Demonstrationen, an Trauerumzügen, das Verteilen von Flugblättern oder das Verkaufen politischer Zeitungen.
Für ein Kind, das unter solchen Umständen verhaftet wurde, hängen alle Schutzmechanismen von Polizeibeamten und Anklägern ab, die den Zugang zu Rechtsanwälten verweigern und die Haft für Tage oder Wochen auf Grund des Anti-Terror-Gesetzes verlängern können.

Der Fall von Vergi Kaya (15) ist eine typische Darstellung:
"Als ich sagte, daß ich nicht Mitglied einer illegalen Organisation sei, schlugen sie mich auf meine Hände und Fußsohlen... In der Mitte der Nacht kamen sie wieder und zogen mich an meinem Haar in einen Raum, wo mein Bruder Sinan Kaya war. Ich konnte sehen, daß er auch gefoltert wurde. Sie befahlen uns zu gestehen. Schnell zogen sie uns aus. Mit dicken Gummiknüppeln begannen sie mich auf meine Arme und meinen Bruder auf seine Füße zu schlagen, dann schlugen sie meine Füße und seine Arme... Ich wurde von meinem Brüder weggebracht und in einen Raum nach oben gebracht. Dort wurde ich beschimpft und geschlagen. Danach mueßte ich mich auf einen Stuhl stellen, dann banden sie meine Arme an ein Seil, das zu einem Deckenbalgen führte".

16jähriges Mädchen:
"Mir wurden die Augen verbunden. Ich wurde mit kaltem Wasser bespritzt. Ich mußte mich auf ein Bett niederlegen. Sie zogen meine Unterwäsche aus und schlugen meine Arme und Beine. Sie gossen Wasser über mich und gaben mir elektrische Schläge. Sie folterten mich eine lange Zeit. Ich sagte ihnen, daß ich nichts weiß. Später brachten sie mich in einen anderen Raum. Unter der Augenbinde hindurch konnte ich viele nackte Menschen in dem Raum sehen. Ich fror. Leute schrien...
Ich wurde mit einem hölzernen Instrument geschlagen Sie gaben mir elektrische Schläge und hängten mich an einen Deckenhaken auf. Ich wurde wieder mit Wasser begossen. Ich hatte keine Ahnung, wie lang ich aufgehängt blieb... Dann bespengten sie mich mit kaltem Wasser. Ich schrie, sagte, daß ich nicht meine Arme fühlen könne. Ich wurde weggebracht. Zwei Tage lang erhielt ich kein Essen...".

16jähriges Mädchen:
"Sie banden meine Arme an einen Deckenbalken und zogen mich auf. Meine Augen wurden verbunden. Als ich hing, dachte ich, meine Arme würden brechen... Als ich auf meine Füße heruntergelassen wurde, war ich bewußtlos. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich schließlich aufgehängt war".

Die Darstellung von 16 jungen Leuten:
Ihre Augen wurden verbunden, nackt ausgezogen, mit kaltem Wasser besprengt und erhielten elektrische Schläge. Die weiblichen Gefangenen wurden gezwungen, sich einer gynäkologischen Untersuchung zu unterziehen.

Sema Tasar (17):
"Meine Augen wurden verbunden. Sie verhörten mich unter Schlägen. Einer der Polizisten sagte: 'Ziehen wir sie' und sie begannen meine Kleidung gewaltsam wegzunehmen. Ich versuchte mich zu wehren und schrie, aber vergeblich. Ich war sehr erschrocken. Sie stülpten eine nasse Decke über mich, hielten meine Beine und Füße fest, schlossen meinen großen Zeh meines rechten Fußes an ein Kabel an und gossen Wasser über mich. Dann gaben sie mir an allen Stellen meines Körpers elektrische Schläge, meinen Sexualorganen, Bauch, Brust, Ohren...".

Ayse Mine Balkanh (16):
"Nach dem meine und Sema's Augen verbunden waren, stießen sie uns in eine Zelle mit einer Größe von sechs auf acht Schritte. Sie ließen uns für eine Weile allein. Am Abend wurde ich zu meinem ersten Verhör gebracht. Als ich nicht auf ihre Fragen antwortete, wurden sie ärgerlich... 'gut, jetzt ist sie fällig, bringe sie weg'. Am nächsten Morgen wurde ich in den Folterraum gebracht... Dann gossen sie Wasser über mich. Ein kalter Gegenstand - ich weiß nicht was es war - wurde in mein Sexualorgan eingeführt. Nach drei oder vier Minuten hielten sie einen Moment an, dann gaben sie mit am ganzen Körper elektrische Schläge".

Serif Burgaz (13):
"Dann schlugen sie auf die Fußsohlen meiner nackten Füße, ich wurde gezwungen, in zwei Positionen zu hängen. Ich hing mit dem Kopf nach unten. Sie benutzen ein Seil, welches sie rund um meine Knöchel banden... Ich mußte in einer anderen Position hängen.
Am folgenden Tag verabreichten sie mir elektrische Schläge an meinen Fingern und Füßen. Die Sequenzen waren rund zwei Minuten lang. Ich bebte und erschütterte und schrie, während die es taten. Sie benetzten mich mit kaltem Wasser, nachdem ich mich auszuziehen hatte.
Ich teilte die Zelle mit meinem Bruder. Er wurde viel schlimmer behandelt. Ihm wurden elektrische Schläge drei- oder viermal gegeben. Er mußte jeden Tag hängen".

Sibel Aktan (16):
"Nackt besprengten sie mich mit kaltem Wasser. Ich wurde geschlagen. Dann hatte ich zu warten. Später nahmen sie mich hinunter in eine schmale Zelle (ca. 1,20 x 1,80 m). Am Abend des nächsten Tages wurde ich wieder geholt. Meine Augen wurden verbunden und ich wurde gezwungen, mich auszuziehen. Dann nahmen sie mich in einen anderen Raum mit, wo ich mit unter hohem Druck stehendes Wasser besprengt wurde. Ich sollte ein Statement unterschreiben, in dem ich gestand, Mitgleid einer Marxistisch-Leninistischen Partei zu sein. An den folgenden Tagen wurde ich geschlagen, mit kaltem Wasser benäßt...".

Remziye Karakoc (15):
"Als wir im Anti-Terror-Branch in Mersin angekommen waren, wurde ich sofort verhört. Sie zeigten mir Bilder von Leuten, die ich nicht kannte. Ich sagte dies und sie begannen mich zu schlagen. Sie schlugen mich in den nächsten zwei, drei Stunden.
Elektrische Schläge wurden an meinen Fingern verabreicht, jedesmal zwischen zwei und drei Minuten. Natürlich schrie ich jedesmal auf, wenn sie mich folterten. Meine Augen waren verbunden. Ein anderes Mal hatte ich mich auszuziehen und wurde mit kaltem Wasser besprengt"
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"Körperliche Züchtigungen, harte Haftbedingungen und Folter im 20. Jahrhundert"

 

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